Was sind Zyklusstörungen?

In einem Zykluskalender können Frequenz und Stärke der Blutungen eingetragen werden. Die Aufzeichnungen bilden eine gute Basis für das Arztgespräch. (vonaua - Fotolia.com)

Zu starke, zu schwache oder ausbleibende Regelblutungen sowie Zwischenblutungen können Hinweise auf eine Zyklusstörung sein. Welche möglichen Ursachen gibt es und was kann man dagegen tun?

Zyklusstörungen sind Unregelmäßigkeiten im weiblichen Zyklus. Kleine Abweichungen im Monatszyklus erlebt fast jede Frau im Laufe ihres Lebens. Bei einmaligem Vorkommen besteht kein Grund zur Besorgnis. Wiederkehrende Zyklusstörungen können jedoch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Sie sollten in jedem Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Mögliche Ursachen können psychische Belastungen sowie hormonelle oder organische Erkrankungen sein. Eine Zyklusstörung kann sich auf die Häufigkeit, die Stärke und die Dauer der Regel beziehen.

Überblick 

Zyklusstörungen: Wie läuft ein normaler Zyklus ab?  

Der weibliche Zyklus beginnt am ersten Tag der Regelblutung und dauert im Durchschnitt 28 Tage an. Individuelle Schwankungen zwischen 21 Tagen und 35 Tagen sind normal. Der Zyklus wird von Hormonen gesteuert und in verschiedene Phasen unterteilt. In der ersten Zyklushälfte reifen mehrere Eibläschen (Follikel) in einem der Eierstöcke heran. Diese Phase wird deshalb auch als Follikelphase bezeichnet.

In der Zyklusmitte findet der Eisprung statt. Dabei wird die reife Eizelle vom Eierstock abgegeben und wandert über den Eileiter in Richtung Gebärmutterhöhle. Wenn sie im Eileiter auf eine Samenzelle trifft, kann es zur Befruchtung kommen. Nach dem Eisprung wandelt sich das gesprungene Eibläschen in den sogenannten Gelbkörper.

Nun wird vermehrt das Gelbkörperhormon Progesteron produziert. Es sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut dicker wird und so gut auf die Einnistung der Eizelle vorbereitet ist. Ist es zu keiner Befruchtung gekommen, wird die Schleimhaut mit der nächsten Regel abgestoßen. Der Zyklus beginnt damit von Neuem.  

Zyklusstörungen: Wann spricht man von einem zu langen Zyklus?

Medizinischer Fachausdruck: Oligomenorrhoe

Anzeichen: Wenn der Abstand zwischen zwei Blutungen zwischen 35 und 45 Tage liegt, spricht man von einem zu langen Zyklus. 

Mögliche Ursachen: Eierstockzysten sind eine häufige Ursache für zu lange Abstände zwischen zwei Menstruationszyklen. Auch Schilddrüsenfehlfunktionen haben einen Einfluss auf die Zykluslänge. Des weiteren wirken Stress, seelische Belastungen, Zeitverschiebungen auf Reisen und hormonelle Veränderungen wie das PCO (Syndrom polyzystischer Ovarien) sowie Hormonschwankungen während der Pubertät oder Wechseljahre auf den Zyklus ein.

Was tun? Behandelt wird immer die Grunderkrankung. Liegt beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion vor, lässt sich der Zyklus durch Gabe von Schilddrüsenhormone normalisieren. Werden Störfaktoren wie Stress oder körperliche Überbelastung beseitigt, pendelt sich der Zyklus oft von selbst ein.   

Zyklusstörungen: Wann spricht man von einem zu kurzen Zyklus?

 Medizinischer Fachausdruck: Polymenorrhoe

 Anzeichen:  Ein zu kurzer Zyklus liegt dann vor, wenn der Abstand zwischen den Regelblutungen dauerhaft unter 25 Tagen liegt. 

Mögliche Ursachen: Verkürzte Zyklen treten häufig bei jungen Mädchen oder bei Frauen vor den Wechseljahren auf. Häufige Ursachen sind Funktionsstörungen der Eierstöcke - oft in Verbindung mit einer verkürzten Gelbkörperphase in der zweiten Zyklushälfte. Manchmal sind kurze Abstände zwischen zwei Regelblutungen auch ein Indiz dafür, dass kein Eisprung stattgefunden hat.

Was tun? Ein zu kurzer Zyklus ist nicht zwingend behandlungsbedürftig. Im Falle eines Kinderwunsches können sich Hormongaben positiv auf die eingeschränkte Fruchtbarkeit auswirken.     

Zyklusstörungen: Wann spricht man von einer starken Blutung?

Medizinscher Fachausdruck: Hypermenorrhoe

Anzeichen:  Während der Regel verliert die Frau durchschnittlich rund 40 bis 50 ml Blut. Bei einer starken Regel kann sich diese Menge auf 80 bis 100 ml Blut verdoppeln.

Wie erkenne ich eine starke Regelblutung? 

 

Blutverlust

Hygienebedarf

Normale Regelblutung

Rund 40 bis 50 ml Blut / Zyklus

Frequenz: Der Tampon oder die Binde müssen seltener als alle 2 Stunden gewechselt werden.

Anzahl: Bis zu 5 Tampons oder Binden pro Tag. 

 

Starke Regelblutung

mehr als 80ml Blut pro Zyklus

Frequenz: Der Tampon oder die Binde müssen häufiger als alle 2 Stunden gewechselt werden.

Anzahl: Mehr als 6 Tampons oder Binden pro Tag.

Kaum Schutzwirkung: Trotz Kombination beider Hygieneartikel ist oft kein voller Schutz gewährleistet.
Trotz entsprechender Maßnahmen ist die Kleidung und / oder Bettwäsche oft befleckt.

Mögliche Ursachen: Bei jungen Mädchen und in den Wechseljahren sind starke Blutungen nicht ungewöhnlich und meist auf ein hormonelles Ungleichgewicht zurückzuführen. Doch auch Entzündungen in der Gebärmutterschleimhaut oder in den Eileitern können zu stärkeren Blutungen führen. Ebenso wie Myome, Endometriose und Polypen in der Gebärmutter. Ebenso können Krebserkrankungen der Gebärmutter ebenso mit starken Blutungen einhergehen.

Was tun? Eine Ultraschalluntersuchung gibt Aufschluss über eine mögliche organische Ursache. Können krankhafte Organveränderungen ausgeschlossen werden, können diverse Medikamente wie Hormonpräparate regulierend auf die Zykluslänge ein. Auch Medikamente, die die Blutungsneigung verringern sind in manchen Fällen hilfreich. Neben der Ursache richtet sich die Therapie vor allem nach dem Alter und den Lebensumständen der Patientin.

Zyklusstörungen: Wann spricht man von einer zu leichten Blutung?

Medizinischer Fachausdruck: Hypomenorrhoe

Anzeichen: Eine schwache Blutung hält meist nur bis zu 2 Tagen an. Der Blutverlust liegt dabei bei maximal 25 Millilitern. Zum Vergleich: Normal sind bis zu 50 Milliliter.

Mögliche Ursachen: Frauen, die über Jahre hinweg die Pille eingenommen haben, neigen nach Absetzen zu leichteren Blutungen. Auch ein Hormonmangel kann mit schwächeren Blutungen einhergehen. So etwa im Falle einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Eierstockfunktionsstörung.

Was tun? Eine Behandlung ist meist nur dann erforderlich, wenn die Patientin beabsichtigt schwanger zu werden. Eine Hormonuntersuchung gibt Aufschluss über die zugrundeliegende Störung. Bei ausbleibendem Eisprung wird eine Hormonbehandlung eingeleitet.

Zyklusstörungen: Wann spricht man von einer Zwischenblutung?  

Medizinischer Fachausdruck: Metrorrhagie

Anzeichen: Zwischenblutungen treten zwischen zwei normalen Menstruationszyklen auf. Sie können einmalig vorkommen und nach wenigen Stunden wieder vorbei sein. Die Blutungen können sich aber auch über mehrere Tage hinziehen.

Mögliche Ursachen: In den meisten Fällen sind Zwischenblutungen harmlos. So können leichte Blutungen unmittelbar nach dem Eisprung auftreten. Sie sind auf den natürlichen Östrogenabfall zurückzuführen. Auch bei manchen Verhütungsmitteln kann es zu Zwischenblutungen kommen – beispielsweise bei Einnahme der rein Gestagen-haltigen Minipille. Allerdings kommen auch Erkrankungen der Geschlechtsorgane wie Gebär- oder Eileiterentzündungen, Myome oder Polypen sowie Stoffwechselerkrankungen aber auch Krebserkrankugen der Gebärmuter oder Scheide als Auslöser in Frage. Treten Zwischenblutungen häufig auf, ist eine ärztliche Untersuchung anzuraten. Dasselbe gilt bei sehr starken, schmerzhaften Zwischenblutungen.

Was tun? Schließt der Arzt organische oder hormonelle Ursachen aus, können Heilpflanzen ausgleichend auf den Hormonhaushalt einwirken. Hirtentäschelkraut hat etwa blutstillende Eigenschaften. Mönchspfeffer wirkt sanft zyklusregulierend.

Zyklusstörungen: Was sollten Sie wissen, wenn die Regel ganz ausbleibt?     

Medizinischer Fachausdruck: Amenorrhö

Anzeichen und Formen: Wenn die Regel bis zum 18. Lebensjahr nicht einsetzt, spricht man von einer primären Amenorrhö. Bei der sekundären Amenorrhö kommt es nach normalen Zyklen zu einer Blutungspause von mehr als drei Monaten.

Mögliche Ursachen: Neben einer frühen Schwangerschaft sind Funktionsstörungen der Eierstöcke oder hormonellen Störungen sind häufige Ursachen für eine ausbleibende Regelblutung. Betroffen sind oft Leistungssportlerinnen sowie Mädchen, die an einer Essstörung erkrankt sind. Neben körperlichen Erkrankungen kommen auch psychische Belastungssituationen als Auslöser in Frage.

Was tun? Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei Hormonstörungen gleichen entsprechende Hormongaben und geeignete Medikamente das hormonelle Ungleichgewicht aus und helfen, den monatlichen Zyklus zu regulieren. Bei stark untergewichtigen Mädchen und Frauen, die an Essstörungen leiden, ist eine psychologische Unterstützung erforderlich. Normalisiert sich das Körpergewicht, setzt meist auch die Regel wieder ein.

 

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ. Doz.

Dr. Gernot Hudelist

Gynäkologe bei Woman & Health

www.womanandhealth.at

Gesundheitskompass

Quellen

  • Sexualität, Reproduktion, Schwangerschaft, Geburt; C. Dadak (Hg.), Facultas, 6. Auflage, 2013
  • Intensivkurs Gynäkologie und Geburtshilfe, K. Bühling, W. Friedmann, Elsevier, 2. Auflage, München, 2009

ICD-10: N92.6

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