Zahnschmerzen

Jeder 2. Österreicher war schon einmal von Zahnschmerzen betroffen.

Junge Frau hält sich die linke Backe, sie hat Zahnschmerzen
Karies und andere Zahnschäden sind die häufigsten Ursachen für Zahnschmerzen. (Alliance - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Gesunde Zähne

Zahnschmerzen können häufig durch Karies oder freiliegende Zahnhälse (Zahnhalsschmerzen) hervorgerufen werden. Abhängig vom Auslöser verspüren Betroffene teils pochende, stechende oder ziehende Schmerzen, die bis in das Gesicht ausstrahlen und zu Kopfschmerzen führen können.

Hausmittel, wie z.B. Nelkenöl, das auf den schmerzenden Zahn aufgetragen wird, bewirken oft nur vorübergehend Linderung, Zahnschmerzen müssen von einem Zahnarzt abgeklärt werden. Unbehandelte Zahnschmerzen und Zahnschäden können zur Zahnfäulnis und zum vollständigen Verlust der Zähne führen. Dann hilft nur mehr der Einsatz einer Zahnprothese.

Häufigkeit

Regelmäßiges Zähneputzen ist für rund 60 % der Österreicher das A und O gründlicher Zahnpflege. Dennoch war bereits jeder 2. hierzulande zumindest einmal mit vorübergehenden Zahnschmerzen konfrontiert. Schuld daran sind häufig Kariesbakterien, die sich vor allem durch das Trinken süßer Säfte (Saftkaries) und Süßigkeiten bilden.

Ursachen von Zahnschmerzen

Es gibt verschiedene Arten von Zahnschmerzen. Wie sich diese genau äußern, ist von der Ursache abhängig, wie die folgende Tabelle zeigt:

Ursache

Wann treten Schmerzen auf?

Art des Schmerzes

Behandlung

Karies

Vorwiegend nach dem Genuss von süßen oder sauren Speisen

Ziehender Schmerz

Bohren, Zahnfüllung, Zahnentfernung

Entzündung der Weisheitszähne

Beim Durchbruch der Weisheitszähne,

Zähne haben zu wenig Platz im Kiefer

Druckschmerz

Operative Entfernung

Entzündung der Zahnwurzelspitze

Infolge von Wurzelbehandlungen

Pochender
Schmerz

Entfernung alter Füllmaterialien

Spülungen

Desinfektion, Einlagen, Entfernung des Zahnes

Freiliegende
Zahnhälse (Zahnhalsschmerzen)

Beim Einatmen kalter Luft

Bei kalten Lebensmitteln

Bei starken Temperaturschwankungen

 

Ziehender Schmerz

Keine spezielle Therapieform

Versiegelung

Laserbehandlung

Anwendung spezieller Zahnpasten

Zahntaschen
(Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch)

Beim Aufbeißen auf Nahrungsmittel

Zahnfleisch-bluten

Kurzer, meist stechender Schmerz

Zahnreinigung mit speziellen Hand- und Ultraschallinstrumenten

entzündungshemmende Spülungen

Riss oder Sprung im Zahn (Haarriss)

Betroffener beißt z.B. von Brot ab - lässt der Druck nach, kommt der Schmerz

Stechender Schmerz

Schienung des Zahnes

weiters Einsatz von

(Teil-)Kronen

Karies

Karies bleibt von den Betroffenen lange unbemerkt. Erst wenn die Bakterien weit in den Zahn vorgedrungen sind, kommt es zu Schmerzen. Die beschädigten Bereiche des Zahns werden vom Zahnarzt mittels Bohrer entfernt. Wenn Karies bereits bis zum Zahnnerv vorangeschritten ist, muss der Zahn vollständig entfernt werden.

Entzündung der Weisheitszähne

Die hinteren letzten Backenzähne, auch Weisheitszähne genannt, brechen meist zwischen 17 und 25 Jahren schmerzhaft durch. Beim Durchbruch kann es vor allem im Unterkiefer zu Platzproblemen kommen, wodurch sich die Weisheitszähne entzünden können. Häufig schafft nur die operative Entfernung dieser Zähne Abhilfe. Die häufigsten Gründe für die Durchführung der OP sind:

  • Die Weisheitszähne haben keinen Platz im Kiefer - sie entzünden sich beim Durchbruch.
  • Sie liegen im Kiefer quer und schädigen dadurch benachbarte Zähne.
  • Ein Weisheitszahn ist von Karies befallen und kann nicht mehr erhalten werden.
  • Die Weisheitszähne müssen wegen einer vorgesehenen Zahnprothese entfernt werden.

Entzündung der Zahnwurzelspitze

Karies kann sich bis zum Zahnnerv ausbreiten und dort eine schmerzhafte Entzündung bewirken. Auch infolge von Schlägen auf den Zahn, z.B. bei einer Sportart, können Entzündungsprozesse entstehen.

Im Rahmen einer Wurzelbehandlung wird der entzündete Nerv aus dem Zahn entfernt und der Zahnkanal mit einer Dichtungsmasse abgefüllt. Der Zahn verbleibt mitsamt seiner Wurzel im Kiefer, lediglich der Nerv fehlt. In diesem Fall spricht man von einem "toten Zahn", da dieser keine Schmerzen mehr wahrnimmt.

Es ist aber möglich, dass im Zahn Bakterien zurückbleiben, die im Laufe von Monaten oder Jahren zu einer Entzündung der Zahnwurzelspitze führen können. Alte Füllmaterialien werden dann häufig aus dem Zahn herausgenommen - die Behandlung der Entzündung erfolgt mit Spülungen, Desinfektionsmaßnahmen und verschiedensten Einlagen. Erst nachdem die Entzündung vollständig abgeklungen ist, wird der Zahn erneut mit einer Füllung abgedichtet. Wenn der Zahn bereits sehr stark geschädigt ist, muss er entfernt werden.

Freiliegende Zahnhälse (Zahnhalsschmerzen)

Bei jedem Menschen bildet sich im Laufe seines Lebens das Zahnfleisch etwas zurück, das ist vollkommen normal. Wenn dieser Rückgang aber zu stark ausgeprägt ist, liegen kleine Teile der Zahnwurzel frei - die Zähne werden nicht mehr vollständig vom Zahnfleisch bedeckt und reagieren daher häufig mit Schmerzen auf Temperaturschwankungen.

Zahntaschen

Dabei handelt es sich um einen kleinen Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn, der sich als Folge einer Parodontitis (umgangssprachlich Parodontose) entwickeln kann. Speisereste und Bakterien, die sich dort einnisten, führen zu immer wiederkehrenden Entzündungen und Zahnfleischbluten. Hier helfen eine Zahnreinigung mit speziellen Hand- und Ultraschallinstrumenten sowie die Durchführung entzündungshemmender Spülungen.

Riss oder Sprung im Zahn (Haarriss)

Entsteht häufig nach einer Wurzelbehandlung. Beißt der Betroffene mit dem Zahn auf Nahrungsmittel, kommt es zu Schmerzen. Der Einsatz von (Teil-)Kronen kann notwendig werden.

Diagnose

Selten können Betroffene genaue Auskunft darüber geben, welcher Zahn ihnen wehtut, da die Zahnschmerzen oft bis ins Gesicht ausstrahlen. Das liegt an der engen, anatomischen Verbindung zwischen Zahn- und Gesichtsnerven. Um die Ursache von Zahnschmerzen herauszufinden kommen folgende Verfahren zum Einsatz

Röntgen: Liefert einen guten Überblick über den Gesamtzustand der Zähne und bringt versteckte Karies ans Tageslicht. Auch wie weit sich diese schon entwickelt hat, ob z.B. bereits das Zahnmark davon betroffen ist, lässt sich durch eine Röntgenaufnahme feststellen. Ebenfalls ersichtlich sind fortgeschrittene Entzündungen im Bereich der Zahnwurzelspitzen.

Klopftest: Der Zahnarzt klopft dabei jeden Zahn vorsichtig ab. Dafür eignet sich etwa die Rückseite einer Sonde – ein spezielles Instrument der Zahnmedizin –, mit dessen Hilfe Zähne und Zahnfleisch untersucht werden können. Ein kranker Zahn schmerzt schon bei leichter Berührung.

Kältetest: Kommt zum Einsatz, um die Sensibilität der Zähne zu überprüfen. Ein entzündeter Zahn reagiert mit Schmerzen auf den Kältereiz, der durch ein kaltes Wattestäbchen herbeigeführt wird. Liegt hingegen ein "toter Zahn" vor, ist sein Nerv bereits abgestorben, wodurch keine Beschwerden spürbar sind.

Therapie

Zur Ersten Hilfe bei Zahnschmerzen kann eine kleine Menge Nelkenöl auf den schmerzenden Zahn geträufelt werden. Durch seine betäubende Wirkung verschafft es – zumindest vorübergehend – Linderung. Fluorgel, das in verschiedenen Zahnpasten enthalten ist, kann auf die empfindlichen Zahnhälse aufgetragen werden. Es "versiegelt" die freiliegenden Poren im Zahnhalsbereich und führt so zum Nachlassen der Zahnhalsschmerzen. Die Anwendung erfolgt meist vor dem Schlafengehen über 3-4 Nächte.

Bei vorhandenen Zahnschmerzen ist es außerdem sinnvoll, sie nicht unnötig weiteren Reizen auszusetzen und dadurch die Symptome zu verstärken. Daher:

  • Temperaturschwankungen vermeiden (z.B. kein kaltes Wasser unmittelbar nach einem heißen Tee trinken)
  • Keine süßen oder sauren Lebensmittel zu sich nehmen. Sie produzieren Säure, welche die Zähne (noch) anfälliger für Zahnbeschwerden macht.

Dennoch sollten Zahnschmerzen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. In den meisten Fällen stecken Zahnschäden dahinter, die sich der Zahnarzt anschauen sollte.

Das können Sie selber tun

Bei der Vorbeugung von Zahnschmerzen spielt in erster Linie die gründliche Mundhygiene eine wichtige Rolle. Wer regelmäßig seine Zähne putzt, verhindert die Entstehung von Karies, Zahnfleischbluten und anderen Zahnschäden.

Bakterien im Mund lieben Zucker: Sie wandeln zuckerhaltige Nahrung rasch in Säure um, wodurch die Zähne beschädigt werden. Den Zähnen zuliebe ist es daher besser, eine größere Menge Süßes zu naschen und dann Zähne zu putzen als über den Tag verteilt immer wieder in die Naschkiste zu greifen.

Fragen an den Arzt

  • Ich leide an chronischen Zahnschmerzen. Was kann ich tun?
  • Worauf können Zahnschmerzen hindeuten, wenn ich eine geschwollene Wange habe?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zahnschmerzen und Psyche?
  • Ich bin schwanger und habe starke Zahnschmerzen. Kann die Zahn-Betäubung meinem Kind schaden?
  • Meine Zahnschmerzen sind nach erfolgter Behandlung wieder abgeklungen. Was soll ich beachten, um den behandelten Zahn noch zu schonen?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

DDr. Christoph Ofner

Zahnarzt, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klagenfurt

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: K08

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