Weitsichtigkeit (Hyperopie, Hypermetropie)

Schlechte Sicht auf kurze Distanz

Weitsichtigkeit (Hyperopie): Brille liegt auf Buch.
Menschen mit Weitsichtigkeit können Objekte in der Nähe schlechter erkennen. Das fällt z.B. beim Lesen auf. (Kathrin39 - Fotolia.com)
Menschen mit Weitsichtigkeit (auch Übersichtigkeit genannt) haben Probleme mit dem Sehen in der Nähe - der Augapfel ist zu kurz gebaut, gegenteilig zur Kurzsichtigkeit, wo dieser zu lang ist.

Betroffene benötigen eine Brille mit Gläsern, die das betrachtete Objekt vergrößern (Plusgläser), um den Sehfehler auszugleichen. Bei der Kurzsichtigkeit kommen dagegen Minusgläser zum Einsatz, die beim Sehen verkleinernd wirken. Unbehandelt kann Hyperopie zu Kopfschmerzen, Augenbrennen und zu Problemen beim Lesen führen. Symptom der Weitsichtigkeit ist unscharfes Sehen auf kurze Entfernung, das zum typischen "Weghalten" z.B. der Zeitung vom Gesicht führt. Etwa jede 5. Person zwischen 20 und 30 Jahren ist weitsichtig. Auch Weitsichtigkeit kann wie Kurzsichtigkeit mit Hilfe von Kontaktlinsen korrigiert werden.

Häufigkeit

Weitsichtigkeit (Hyperopie) ist ein häufig auftretender Sehfehler, etwa 20 % der 20- bis 30-jährigen Europäer sind davon betroffen. Babys kommen häufig mit einer Hyperopie zur Welt, diese muss vom Augenarzt regelmäßig kontrolliert werden, ab einer gewissen Stärke müssen Brillen verordnet werden. Weitsichtigkeit ist nicht zu verwechseln mit der häufig auftretenden Alterssichtigkeit (Presbyopie), die aufgrund eines nachlassenden Naheinstellungsvermögen des Auges ab 40 auftritt.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Der Brennpunkt des Auges sitzt bei Weitsichtigen hinter der Netzhaut, auf der Netzhaut entstehen sogenannte Streukreise. Das fällt hauptsächlich beim Lesen auf, die Buchstaben verschwimmen, die Sicht wird besser, je weiter die Schrift von den Augen entfernt wird. Betroffene halten z.B. Bücher "von sich weg", um besser zu sehen. Weitsichtigkeit ist häufig vererbt. Junge Menschen sind oft imstande, durch Muskelkraft (Akkommodation) die Weitsichtigkeit auszugleichen. Auf Dauer führt diese Anstrengung des Auges (Überlastung des Ziliarmuskels) zu folgenden Symptomen:

  • Kopfschmerzen,
  • Brennen und Schmerzen der Augen,
  • Problemen beim Lesen, der Bildschirmarbeit,
  • vermehrte Müdigkeit,
  • verschwommenes Sehen und
  • Einwärtsschielen (viele Kinder, die weitsichtig sind, belasten ohne Brille den Ziliarmuskel so stark, dass es zum Einwärtsschielen kommt), Doppelbilder, Konzentrationsstörungen

Es gibt 2 unterschiedliche Arten bzw. Ursachen der Weitsichtigkeit, die einerseits von der Brechkraft des Auges und andererseits von der Länge des Augapfels bestimmt werden.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Alterssichtigkeit (Presbyopie) ist eine Art der Weitsichtigkeit, die dadurch entsteht, dass die Linse im fortschreitenden Alter ihre Elastizität verliert. Dies kann durch eine Brille ausgeglichen werden, die Stärke der Brille nimmt mit zunehmendem Lebensalter zu.

Diagnose

Die Diagnose Weitsichtigkeit wird vom Augenarzt gestellt. Obwohl die Beschwerden wenig charakteristisch und nicht immer eindeutig sind, erkennt der Arzt schon im Gespräch mit dem Patienten zumeist, dass es sich um Hyperopie handeln könnte. Um sicherzugehen, sind allerdings 2 Untersuchungsschritte notwendig:

  • Objektive Refraktionsbestimmung (Refraktometrie): Anhand eines Autorefraktors kann der Augenarzt die Dioptrienstärke des Auges bestimmen. Eine Brillenverordnung ist aber erst nach einer folgenden subjektiven Untersuchung (besser/schlechter?) möglich.Bei Kleinkindern und versteckt weitsichtigen Patienten bis zum Alter von zirka 40 Jahren ist die Skiaskopie (Schattenprobe) notwendig, um die Weitsichtigkeit aufzudecken, da die Patienten es gewohnt sind, stark zu akkommodieren (also ihre Augen "scharfzustellen"). Die Messwerte des Autorefraktors dienen nur zur Orientierung (junge Menschen können durch verstärkte Akkommodation das Gerät "täuschen" und damit das Ergebnis verfälschen). Die Verordnung eines Sehbehelfes ist mit dem alleinigen Refraktometer-Ergebnis nicht möglich.
  • Subjektive Refraktionsbestimmung: Der Patient blickt durch verschiedene Gläserkombinationen und beurteilt nach eigenem Empfinden, ob er damit besser oder eher schlechter sieht (der Augenarzt fragt: besser oder schlechter?). So kann die genaue Sehstärke ermittelt werden.

Therapie

Weitsichtigkeit muss durch Sammellinsen (Plusgläser, Konvexgläser) ausgeglichen werden, damit der Brennpunkt statt hinter der Netzhaut auf der Netzhaut liegt. Bei jungen Menschen, die nur leicht weitsichtig sind, kann damit noch etwas abgewartet werden. Weitsichtige benötigen immer Gläser mit Plusdioptrien (Gläser/Linsen mit positivem Brechwert), Kurzsichtige hingegen welche mit Minusdioptrien.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Gegen Weitsichtigkeit gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen. Es ist aber sinnvoll, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt in Anspruch zu nehmen, um eine "versteckte" Weitsichtigkeit zu entdecken. Wird diese rasch durch Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen, können Symptome wie Kopfschmerzen, Brennen und Müdigkeit der Augen etc. vermieden werden.

Fragen an den Arzt

  • Ich muss beim Lesen das Buch recht weit vom Gesicht weghalten. Könnte ich weitsichtig sein?
  • Wie viele Plus-Dioptrien habe ich?
  • Habe ich es mit Weitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit zu tun?
  • Muss ich eine Brille tragen oder sind auch Kontaktlinsen für mich geeignet?
  • Was kann ich tun, um einer Verschlechterung der Weitsichtigkeit entgegenzuwirken?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Eva Schuster

Augenärztin

www.augenarztinwien.at

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: H52.0

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