Was ist Diabetes?

Was ist Diabetes?: Zettel mit Vermerk ''Diagnose Diabetes''
Rund 30.000 Personen sind in Österreich von einem Typ-1-Diabetes betroffen. (DOC RABE Media - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Diabetes

Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu chronisch erhöhten Blutzuckerwerten führt. Dazu kommt es, wenn die Produktion des Hormons Insulin entweder teilweise reduziert (wie bei Diabetes Typ 2) oder vollständig erschöpft ist (wie bei Diabetes Typ 1).

Zwischen 640.000 und 700.000 Menschen sind in Österreich an Diabetes erkrankt. Davon wissen zirka 160.000 Personen nicht, dass auch sie betroffen sind, da Diabetes mellitus lange keine Symptome verursacht. Erste Anzeichen können Konzentrationsschwäche, starker Durst und ständiger Harndrang sein, verschiedene Blutzuckertests bringen Klarheit. Eine Behandlung von Diabetes ist unbedingt notwendig, da es sonst zu schweren Gefäßerkrankungen kommt.

Überblick

Wie häufig ist Diabetes?

Von Diabetes Typ 1 sind in Österreich zirka 50.000 meist jüngere, von Typ 2 zirka 600.000 meist ältere Personen betroffen, Frauen häufiger als Männer. Die Stoffwechselstörung tritt auch bei den ganz Jungen auf, aktuell sind ungefähr 3000 Kinder bis 14 Jahre mit der Diagnose Diabetes Tpy 1 konfrontiert. Etwa jede 10. Schwangere erkrankt an Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Wie kommt es zu Diabetes?

Insulin hat die Aufgabe, den Zucker, der durch den Abbau von Nahrung entsteht, aus der Blutbahn in die Zellen zu transportieren. Wird der Blutzuckerspiegel aufgrund eines Insulinmangels nicht mehr ausreichend reguliert, so können sich schwere Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen oder Erblindung entwickeln.

Welche Diabetes-Typen gibt es?

Es gibt 2 Arten von Diabetes:

Diabetes Typ 1 (zirka 10 % der Erkrankten)

Durch eine (Autoimmun-) Erkrankung werden die Insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, der Körper kann kein Insulin mehr produzieren: Diabetiker dieses Typs (Diabetes Typ 1) müssen sich täglich mehrmals Insulin spritzen, in erster Linie sind Kinder und Jugendliche betroffen (juveniler Diabetes).

Diabetes Typ 2 (zirka 90 % der Erkrankten)

Zwar ist (zumindest zu Beginn der Erkrankung) ausreichend Insulin vorhanden, es ist aber in seiner Wirkung eingeschränkt. Wer viel isst, läuft Gefahr, dass sich Fett im Bauchraum ablagert. Somit wird die Empfindlichkeit von Muskel- und Fettzellen vermindert, den Blutzucker aufzunehmen (Insulinresistenz). Die Bauchspeicheldrüse muss immer mehr Insulin produzieren, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen - bis die Zellen in der Bauchspeicheldrüse schließlich erschöpfen. Der Blutzuckerspiegel im Blut bleibt hoch, die Gefäße nehmen Schaden. 

Faktoren, die diesen Prozess begünstigen, sind stammbetontes Übergewicht, Diabetes in der Familie (vor allem bei Verwandten 1. Grades), Diabetes in der Schwangerschaft, mangelnde Bewegung, hoher Blutdruck, gestörter Fettstoffwechsel (hohe Triglyzeride und erniedrigtes HDL-Cholesterin).

Diabetes in der Schwangerschaft

Eine Sonderform ist der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Bedingt durch die hormonelle Umstellung erkrankt jede zehnte schwangere Frau daran, nach der Entbindung normalisiert sich der Blutzuckerspiegel in den meisten Fällen wieder. Allerdings ist bei Betroffenen und deren Kindern das Risiko höher, mit den Jahren an Diabetes Typ 2 zu erkranken

Welche Symptome verursacht Diabetes?

Lange Zeit verursacht der ständig erhöhte Blutzucker keine Beschwerden, allerdings greift er die Gefäße massiv an. Erste Anzeichen dieser Schädigung können Kribbeln in den Beinen, verstärkter Durst, bleierne Müdigkeit oder auch auffallender Konzentrationsmangel sein.

Wie wird Diabetes diagnostiziert?

Mit Hilfe von Blutzuckermessungen, am besten am Morgen vor dem Essen (Nüchternblutzucker). Dazu wird Blut aus der Vene entnommen, der Blutzucker wird im Blutplasma gemessen. Dabei sollte der ermittelte Wert unter 100 mg/dl liegen. Diabetes liegt vor, wenn der Nüchternblutzuckerwert (mehrmals gemessen) über 126 mg/dl liegt.

Es gibt auch die Möglichkeit eines Zuckerbelastungstests bzw. einer Messung des Blutzuckerwertes (nach Einnahme einer Mahlzeit). Liegen die Werte über 200 mg/dl, so ist das auch ein deutlicher Hinweis auf das Vorliegen von Diabetes.

Auch der Zuckergehalt im Harn sowie der "Zuckerlangzeitwert" Hämoglobin A1c-Wert (HbA1c) werden bestimmt.

Welche Therapie gibt es für Diabetes?

Typ 1-Diabetiker müssen sofort nach der Diagnose beginnen, Insulin zu spritzen. Bei Diabetes Typ 2 im Frühstadium reicht es oft, mit einer Änderung des Lebensstils (Abnehmen, mehr Bewegung, Medikamente zur Senkung von Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten), die Blutzuckerwerte zu senken. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, gibt es orale Antidiabetika bzw. Insulintherapie.

Warum ist eine rasche Behandlung von Diabetes so wichtig?

Dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die großen und kleinen Blutgefäße: besonders jene der Augen und der Nieren, es können auch Erektionsstörungen auftreten. Auch die Nerven sind betroffen, es kann zu Erblindung, zu Nierenversagen oder auch zum Verlust des Gefühls- und Schmerzempfinden in den Beinen kommen (diabetischer Fuß), die im schlimmsten Fall Amputationen zur Folge haben. Auch Schlaganfall und Herzinfarkt treten beim Diabetiker 2 bis 3 Mal häufiger auf als bei Menschen ohne Diabetes.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Wichtig sind regelmäßige Untersuchungen beim Arzt und auch Selbstkontrollen des Blutzuckerspiegels, des Blutdrucks und des Gewichts. Abnehmen und regelmäßige Bewegung gehören genauso zum Therapieplan wie die Einnahme der verordneten Medikamente. Gelingt es beispielsweise, das Cholesterin bei Diabetikern konsequent zu senken, so können Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich reduziert werden.

Fragen an den Arzt

  • Habe ich Diabetes Typ 1 oder Typ 2?
  • Welche Form der Therapie kommt bei mir in Frage?
  • Soll ich eine Diabetes- Kur in Anspruch nehmen?
  • Ist meine Form der Zuckerkrankheit heilbar?
  • Habe ich bereits Schäden bzw. Folgeerkrankungen von Diabetes?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Bernhard Ludvik

Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie & Stoffwechsel

Univ.-Klinik für Innere Medizin III, AKH Wien

Gesundheitskompass

Quellen

  • Pressekonferenz der Österreichischen Diabetes Gesellschaft: "Weltgesundheitstag Diabetes 2016 - Diabetes im Focus der WHO, April 2016 in Wien
  • Österreichischer Diabetesbericht 2013, Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.), Wien, 2013 (02.08.2016)
  • M. Roden: Diabetes mellitus – Definition, Klassifikation und Diagnose. In: Klinische Wochenschrift 2012; 124 [Suppl 2]: 1-3
  • A. Kautzky-Willer, D. Bancher-Todesca et al.: Gestationsdiabetes (GDM). In: Wiener Klinische Wochenschrift 2012; 124 [Suppl 2]: 58-65
  • Diabetes Manual, M. Müller-Korbsch, Verlagshaus der Ärzte, 1. Auflage, Wien, 2010

ICD-10: E10; E11; E14

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