Schulterschmerzen

Frau greift sich an die Schulter
Schulterschmerzen können nach einer Verletzung aber auch aufgund einer Entzündung auftreten. (underdogstudios - Fotolia.com)

Etwa jeder 3. Österreicher ist von Schulterschmerzen betroffen. Die Ursachen sind äußerst vielfältig und reichen von Schmerzen nach einem Unfall über Entzündungen des Schleimbeutels oder der Sehnen bis hin zu Gelenksabnützung.

Je nachdem, ob Schmerzen spontan auftreten, unterscheidet man akute und chronische Schulterschmerzen. Dementsprechend sind auch die Symptome höchst unterschiedlich. Charakteristische Beschwerdebilder sind Stechen bei bestimmten Bewegungen, wie z.B. beim Heben oder Tragen, beim Schlafen oder Erwachen, bei Kälte oder Feuchtigkeit. Häufig sind die Schmerzen jedoch nicht direkt in der Schulter zu spüren, sondern strahlen in benachbarte Regionen, wie Nacken oder Oberarm aus.

Überblick

Häufigkeit von Schulterschmerzen

Schulterschmerzen betreffen etwa 30 % der Bevölkerung, der Gipfel steigt mit zunehmendem Lebensalter.

Was sind Schulterschmerzen?

Schmerzen können durch äußere Einflüsse ausgelöst werden, wie z.B. durch eine Verletzung beim Sport, durch Unfall oder Knochenbruch. Diese Schmerzen treten spontan auf. Im Unterschied dazu entstehen chronische Schulterschmerzen infolge bestimmter Bewegungen, Haltungen, durch Überlastung oder Abnützung.

Häufig gehen Schulterschmerzen nicht direkt von der Schulter selbst aus, sondern äußern sich auch aufgrund von Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule (insbesondere der Nackenwirbelsäule) oder auch infolge von Herzerkrankungen. Schulterschmerzen können jedoch auch in andere Regionen ausstrahlen, wie etwa in den Oberarm, in den Nacken oder in den Bereich der Schulterblätter.

Wann treten Schulterschmerzen auf?

Schulterschmerzen treten meist zu bestimmten Tageszeiten auf. So etwa können nächtliche Schmerzen meist ein Hinweis auf eine Strukturveränderung im Bereich der Schulter sein. Charakteristische Erkrankungen sind Verkalkungen, Rotatorenmanschettenriss oder Schultersteife. Tagsüber werden Schulterschmerzen durchwegs von bestimmten Bewegungen ausgelöst, wie etwa beim Heben der betroffenen Hand, beim nach oben Greifen etc. Auch kaltes, feuchtes Wetter kann Schmerzen hervorrufen, diese deuten auf Abnützung hin.

Ursachen und Verlauf von Schulterschmerzen

Je Häufigkeit, typischem Auftreten, Intensität und Dauer der Schmerzen kommen unterschiedliche Ursachen für Schulterschmerzen in Betracht:

Verletzungen

  • Brüche (Bruch des Oberarms, des Schlüsselbeins etc.)
  • Muskel- oder Sehnenriss

Rotatorenmanschettenriss

Die Rotatorenmanschette besteht aus 4 Muskeln und den damit verbundenen Sehnen. Sie ermöglicht die Bewegung des Armes zur Seite und nach oben. Durch Unfall aber auch durch altersbedingten Verschleiß kann die Sehne reißen.

Verrenkung (Luxation)

Eine Verrenkung entsteht meist aufgrund von Unfällen, Stürzen oder traumatischen Ereignissen. Dabei rutscht der Gelenkskopf aus der Gelenkspfanne (es gibt an der Schulter 4 verschiedene Luxationsebenen).

Abnützung (Arthrose)

Arthrosen entstehen infolge von Verletzungen, die schon Jahre zurückliegen können, sowie durch Tätigkeiten, die mit schwerem Heben oder Tragen verbunden sind, aber auch durch den normalen Alterungsprozess.

Kalkschulter

Vor allem Betroffene im 5. Lebensjahrzehnt können an einer Kalkschulter laborieren. Dabei lagert sich Kalk in den Sehnen der Rotatorenmanschetten ein und verursacht heftige Schmerzen. Die Ursachen für die Entstehung sind noch nicht umfassend geklärt, es dürfte jedoch eine genetische Disposition für die Erkrankung des Stoffwechsels in der Sehne vorliegen. Eine Kalkschulter ist jedoch keine altersbedingte Degeneration.

Schultersteife (Frozen shoulder)

Aufgrund von Verletzungen oder Hormonumstellungen (bei Frauen) oder von Fettstoffwechselstörungen entzündet sich die Gelenksschleimhaut, die Gelenkskapsel schrumpft und verliert ihre Beweglichkeit.

Impingement-Syndrom (Einklemmung)

Im Zuge einer Einengung des Schulterdaches wird eine der wichtigsten 4 darunterliegenden Schultersehnen in ihrer Gleitfähigkeit behindert. Damit kommt es auch zu Bewegungseinschränkungen der Rotatorenmanschette, die Schmerzen verursachen, vor allem bei Bewegungen, die über den Kopf führen. Ursache ist eine Formveränderung des Schulterdaches, aber auch Kalkschulter, Arthrose oder Schleimbeutelentzündungen können ein Impingement-Syndrom begünstigen.

Diagnose von Schulterschmerzen

Im Zuge einer umfassenden Anamnese fragt der Arzt nach Dauer, Intensität und typischem Auftreten der Beschwerden. Wesentlich für die Diagnose ist, ob die Schmerzen bei bestimmten Tätigkeiten auftreten, nachts oder tagsüber und wie häufig sie sich äußern. Auch über mögliche Vorerkrankungen, über berufliche Tätigkeit (Heben, Tragen) und sportliche Betätigung wird sich der Arzt erkundigen.

Danach erfolgt eine Untersuchung der Schulter mithilfe spezieller Tests, wie etwa das Drehen bzw. durch Bewegen des betroffenen Arms. Auch die benachbarten Körperregionen werden vom Arzt untersucht (z.B. die Halswirbelsäule, Oberarme, Brustkorb), um festzustellen, ob der Schmerz ausstrahlt oder möglicherweise von einem anderen Bereich ausgeht.

Je nach Erstdiagnose können weitere bildgebende Verfahren, wie Ultraschall, Röntgen oder Kernspintomografie zur gezielten Diagnostik eingesetzt werden.

Therapie von Schulterschmerzen

Brüche

Oberarm- und Schlüsselbeinbrüche sind die häufigsten Frakturen, die Schulterschmerzen verursachen. Üblicherweise reicht eine Ruhigstellung durch Schienen bei Oberarmbrüchen, ein gebrochenes Schlüsselbein wird, sofern es nicht verschoben ist, mit einem Spezialverband fixiert. Ist es verschoben, muss die ursprüngliche Position im Zuge einer Operation hergestellt werden. Dabei wird das Schlüsselbein entsprechend zusammengefügt und mit Schrauben bzw. Platten fixiert.

Rotatorenmanschettenriss

Je nach Ursache der Verletzung, erfolgt eine entsprechende Therapie. In leichteren Fällen kann Physiotherapie hilfreich sein. Ist die Sehne infolge einer akuten Verletzung gerissen, kann eine arthroskopische Operation der Riss verschlossen werden. Die Schulter muss danach ruhiggestellt und mithilfe von Physiotherapie wieder mobilisiert werden.

Verrenkung (Luxation)

Ziel der Behandlung ist es, den Gelenkskopf wieder in die Gelenkspfanne einzubringen. Der Unfallchirurg richtet das betroffene Gelenk manuell ein, danach wird es für etwa 2 bis 3 Wochen ruhiggestellt. Im Anschluss erfolgt eine Physiotherapie, um das Gelenk wieder zu mobilisieren.

Abnützung (Arthrose)

Eine konservative Therapie besteht aus Infiltrationen ins Schultergelenk, sowie aus Physiotherapie. Bei fortgeschrittener Arthrose ist meist eine arthroskopische Operation erforderlich.

Kalkschulter

Da die Schmerzen in höchst unterschiedlichen Abständen und Intensität auftreten, ist eine Behandlung nicht zwangsläufig nötig. Bei heftigem Schmerz verabreicht der Arzt Infiltrationen in das betroffene Gelenk (Kortison). Bei häufigen und heftigen Beschwerden kann eine Operation erwogen werden. Dabei werden die Kalkablagerungen im Zuge einer Arthroskopie entfernt, üblicherweise tritt nach 1 bis 2 Tagen eine völlige Beschwerdefreiheit ein.

Frozen Shoulder

Im ersten Stadium der Erkrankung werden Medikamente (Kortison) verabreicht, eine begleitende Physiotherapie kann die Beweglichkeit des Schultergelenks wiederherstellen. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, sollte eine Operation durchgeführt werden, um Narben und Verklebung des Gewebes zu entfernen und das Gelenk danach wieder zu mobilisieren.

Impingement-Syndrom

Häufig ist eine Operation erforderlich, bei der das Schulterdach geglättet bzw. beschliffen wird, sodass die Sehnen wieder ungehindert gleiten können. Eine anschließende Physiotherapie über etwa 4 Wochen sichert Beschwerdefreiheit nach dem Eingriff.

Schulterschmerzen: Was Sie selbst tun können

Nicht jede Art von Schulterschmerzen kann man vorbeugen, im Sport allerdings ist Vorbeugung eine gute Möglichkeit um Verletzungen und Schmerzen zu verhindern. Protektoren zum Beispiel schützen empfindliche Körperteile. Bestimmte Sportarten, wie etwa Überkopfballsport (Basketball, Handball), Tennis oder schwere Alltagstätigkeiten (Heben, Stemmen, Tragen) können zu Überlastung des Schultergelenks führen.

Eine ergonomische Arbeitsweise im Büro oder Auto verringert außerdem das Risiko von Schulterschmerzen. Entsprechende Gymnastik mit gezielten Übungen für die Schulter stärkt Muskeln und Sehnen in diesem Bereich.

Fragen an den Arzt

  • Hat das Wetter Einfluss auf Schulterschmerzen?
  • Können Schulterschmerzen von selbst wieder verschwinden?
  • Wann ist Bewegung bei Schulterschmerzen empfohlen, wann nicht?
  • Wie kann man sich vor Abnützungserscheinungen schützen?
  • Wie kann man nächtliche Schulterschmerzen in den Griff bekommen?

Medizinischer Experte

Dr. Michael Wehrl

Allgemeinmediziner

Website

Quellen

ICD-10: M25

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