Schleimbeutelentzündung

Rund 160.000 Österreicher davon betroffen.

Ärzte untersuchen das Knie, winkeln es ab
Die Schleimbeutel der Gelenke können sich entzünden, häufig trifft es das Knie. (Photographee.eu - Fotolia.com)

Bei einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) sind die Schleimbeutel zwischen Knochen, Muskeln, Sehnen und Haut entzündet. Schleimbeutel wirken wie "Stoßdämpfer" und vermindern Reibung dort, wo Gelenke regelmäßig starken Druckbelastungen standhalten müssen.

Ständige, einseitige, oft berufsbedingte Bewegungsabläufe, Gelenksüberlastungen beim Sport, Stoffwechselerkrankungen oder Erkrankungen wie Gicht können eine Schleimbeutelentzündung auslösen. Eine Komplikation ist eine Infektion des Schleimbeutels mit Bakterien, die dann zu einer akuten eitrigen Form der Entzündung führt. Am häufigsten davon betroffen sind etwa Kniegelenke, Ellenbogengelenke und Schultergelenke.

Überblick Schleimbeutelentzündung

Schleimbeutelentzündung: Häufigkeit

Unabhängig von Alter und Geschlecht kann jeder Mensch im Laufe seines Lebens - meist als Folge von Gelenksüberlastungen - mit einer Schleimbeutelentzündung konfrontiert sein. Das trifft in Österreich auf rund 160.000 Menschen zu. Ab 40 Jahren tritt die Erkrankung verstärkt auf. Kinder hingegen sind sehr selten betroffen, da ihre Gelenke und Knochen in der Regel widerstandsfähiger gegen Druck sind als jene von Erwachsenen. Erhöhte Beanspruchung, etwa des Kniegelenks beim Fußballspielen, kann aber auch bei ihnen schon zu einer Schleimbeutelentzündung führen.

Ursachen einer Schleimbeutelentzündung

Hauptursache einer Schleimbeutelentzündung sind meist lang anhaltende und immer wiederkehrende Druckbelastungen auf die Gelenke. Fliesenleger, Installateure oder Reinigungskräfte gelten als besonders gefährdet, weil sie berufsbedingt viele Arbeiten auf den Knien durchführen müssen. Darüber hinaus können beispielsweise Gicht, Arthritis und Bakterien die Erkrankung auslösen. Es ist auch möglich, dass eine Schleimbeutelentzündung als Folge von Verletzungen und damit einhergehenden bakteriellen Infektionen auftritt.

Symptome einer Schleimbeutelentzündung

 Typisch dafür sind:

  • Schwellung des betroffenen Gelenks,
  • Bewegungseinschränkung,
  • Hautrötung und übermäßige Wärme im Bereich der Entzündung,
  • stechende Schmerzen,
  • bei sichtbaren Entzündungen kann die Bewegung der Flüssigkeit, die sich im Gelenk befindet, ertastet werden.

Wie lange die Erkrankung dauert, ist im Einzelfall sehr unterschiedlich. Abhängig von der Ursache kann sie innerhalb weniger Tage oder erst nach 4 bis 6 Wochen wieder vollständig abgeklungen sein. Bei einer Überbelastung des Kniegelenks, z.B. infolge eines Fußballspiels, reicht es meist aus, das Gelenk einige Tage zu schonen und erneute Belastungen zu vermeiden.

Ist die Schleimbeutelentzündung hingegen Ausdruck einer anderen Erkrankung, wie etwa Arthritis oder Gicht, kann es 6 Wochen dauern, bis sich die Entzündung vollständig zurückgebildet hat. Bestehen die Symptome über diesen Zeitraum hinaus, handelt es sich um einen chronischen Verlauf der Erkrankung.

Diagnose der Schleimbeutelentzündung

Häufig diagnostiziert der Arzt eine vorhandene Schleimbeutelentzündung schon anhand körperlicher Symptome. Der Betroffene verspürt Schmerzen - insbesondere bei Druck auf das meist geschwollene Gelenk. Befindet sich die Entzündung in unmittelbarer Nähe des Gelenks, kann der Arzt die Bewegung der angesammelten Flüssigkeit im Schleimbeutel auch ertasten.

Wenn eine Schleimbeutelentzündung immer wieder auftritt, deren Ursache bislang nicht geklärt werden konnte, können auch folgende Methoden Klarheit bringen:

  • Röntgenuntersuchung: macht Knochenverletzungen und krankhafte Veränderungen der Gelenke, z.B. infolge von Gicht, sichtbar.
  • Ultraschall (Sonographie): Beim Ultraschall kann das Weichteilgewebe und der Schleimbeutel sehr gut beurteilt werden.
  • Blutuntersuchung: hierbei wird das Akutphaseprotein CRP (C-reaktives Protein), das Blutbild und evtl. die Harnsäure bestimmt, um die Entzündung und /oder Infektion zu diagnostizieren.

Therapie der Schleimbeutelentzündung

Zur akuten Schmerzlinderung werden entzündungshemmende Medikamente verabreicht. Die Anwendung kühlender Salben schafft ebenso Abhilfe wie ein Kühlbeutel, der für etwa 15 Minuten auf das betroffene Gelenk gelegt wird. Um möglichen Erfrierungen vorzubeugen, ist es wichtig, dabei direkten Hautkontakt zu vermeiden und die Packung in ein Handtuch gut einzuwickeln. Wärme hingegen eher meiden. Sie kann die Entzündung und die damit einhergehenden Schmerzen verstärken.

Wie lange das Gelenk mit Verband oder Schiene ruhiggestellt wird, hängt vom Ausmaß der Erkrankung ab. Hochlagern wirkt abschwellend. Sobald die Schmerzen zurückgegangen sind, sollte der Betroffene vorsichtige Bewegungsübungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten durchführen. Sie kräftigen die geschwächte Muskulatur und verhindern die Entstehung dauerhafter Fehlhaltungen.

Ist die Schleimbeutelentzündung nach 4-6 Wochen nicht zur Gänze abgeklungen, kann der Arzt Flüssigkeit absaugen und sie auf Krankheitserreger, wie z.B. bestimmte Bakterien, untersuchen lassen. Liegt eine bakterielle Infektion vor, werden Antibiotika verabreicht. Zur Linderung von Schwellung und Schmerzen besteht außerdem die Möglichkeit, Kortison in das Gelenk zu spritzen. In seltenen Fällen kommt eine Operation zum Einsatz, bei der das entzündete Gewebe des Schleimbeutels - meist unter lokaler Betäubung - entfernt wird. Das führt zu einer vollständigen Rückbildung der Symptome innerhalb weniger Tage.

Das können Sie bei einer Schleimbeutelentzündung selbst tun

  • Legen Sie bei anhaltenden einseitigen Belastungen Ihrer Gelenke regelmäßige Pausen ein (z.B. beim Fußball).
  • Wenn Sie berufsbedingt viel auf dem Boden knien müssen, polstern Sie den Untergrund oder tragen Sie Knieschützer.
  • Vermeiden Sie das ständige Abstützen Ihrer Ellbogen auf der Tischplatte. Eine gute Möglichkeit, den Druck auf die Schleimbeutel zu reduzieren bieten z.B. Mousepads.
  • Dehnübungen nach einer Schleimbeutelentzündung stärken Sehnen und Muskulatur. Die korrekte Durchführung sollten Sie am besten von einem Physiotherapeuten erlernen.

Generell sind möglichst abwechslungsreiche Bewegungsabläufe eine wirksame Methode, um einer Schleimbeutelentzündung vorzubeugen.

Fragen an den Arzt

  • Welche Sportarten sind nach einer Schleimbeutelentzündung empfehlenswert, welche nicht?
  • Ich habe eine chronische Schleimbeutelentzündung. Was soll ich tun?
  • Gibt es Alternativen zur Cortison-Behandlung?
  • Wann ist eine Operation empfehlenswert? Welche Risiken gibt es?
  • Was soll ich machen, wenn der Schleimbeutel nicht abschwillt?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim. Univ.-Prof. Mag.

Dr. Bernd Stöckl

Vorstand Abteilung für Orthopädie & Orthopädische Chirurgie am Klinikum Klagenfurt

Website

Quellen

  • Interview mit Prim. Prof. Mag. Dr. Bernd Stöckl am 27.11.2014 Vorstand der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Klinikum Klagenfurt, Facharzt für Sportorthopädie und gerichtlich beeideter Sachverständiger
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs/ Schleimbeutelentzündung (11.12.2014)
  • Die Bursen des menschlichen Körpers, G. Stein, F. Tomalla, J. Koepke, Lehmanns Verlag, 1. Auflage, Köln, 2011

ICD-10: M71

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