Physiotherapie

Physiotherapie: Patient macht eine Physiotherapie
Physiotherapie ist sowohl in der Vorbeugung als auch Nachsorge wichtig. (gesund.at)
Die Wurzeln der Physiotherapie in Östereich liegen in der Gymnastik, die um 1900 in den Kurbädern angeboten und als "Krankengymnastik" bekannt war. Physiotherapie besteht im Wesentlichen aus aktiven und passiven Therapiemethoden.

Im Zentrum steht einerseits die Bewegungs- und Haltungstherapie, andererseits die physikalische Therapie (Heilmassagen, Hydrotherapie, Ultraschalltherapie, Wasseranwendungen, Wärmebehandlungen u.v.m.). Physiotherapie wird in der Prävention, in der Behandlung von Krankheitszuständen, in der Rehabilitation und im palliativen Kontext angewendet.

Wem nützt eine Physiotherapie?

Physiotherapie hat in der Prävention und Nachsorge große Bedeutung, sie wird u.a. angewendet, um:

  • Haltungsschäden vorzubeugen
  • nach einem Unfall oder einer neurologischen Erkrankung die Beweglichkeit wieder zu erlangen
  • nach einem Schlaganfall wieder mobil zu werden
  • Funktionsstörungen des Bewegungsapparates zu verringern
  • bei kindlichen Entwicklungsstörungen die Mobilität zu fördern
  • Schmerzen zu lindern (z.B.: chronische Rückenschmerzen, Schmerzen bei Arthritis, Rheuma, Zervikalsyndrom, Gelenksschmerzen etc.)
  • Stoffwechsel und Durchblutung zu fördern
  • Koordinationsfähigkeit, Kraft und Ausdauer zu verbessern
  • Bewegungsfähigkeit zu erhalten (z.B. bei Arthritis, Osteoporose)

Aufgrund der vielseitigen Konzepte und Teilbereiche der Physiotherapie erstrecken sich die Therapiemöglichkeiten in alle Bereiche der Medizin:

Innere Medizin, Pulmologie, Kardiologie, Chirurgie

  • Bei Herz-Kreislauf-Patienten wird Physiotherapie u.a. als Ausdauer- und Bewegungstherapie angewendet, um körperlichen Funktionen wie z.B. die Herztätigkeit und damit die Durchblutung zu verbessern,
  • Bei Lungenerkrankungen (COPD, Husten) ist die Atemtherapie ein wichtiger Faktor. Die Dehnbarkeit der Lunge soll erhalten bleiben und die Atemtiefe geschult werden. Bei langer Bettlägrigkeit ist dies auch notwendig um einer Lungenentzündung vorzubeugen.
  • Im Falle von Rheuma sind Gelenke, Muskeln und Sehnen von Entzündungen betroffenen. Dadurch können gesamte Bewegungsabläufe gestört sein. Hier setzt die Physiotherapie an, um Verspannungen oder Schonhaltungen zu vermeiden, durch Bewegung Schmerzen zu lindern und die Gelenksfunktion zu erhalten.
  • Bei Erkrankungen der Venen und Arterien, des Stoffwechsels oder der Verdauungsorgane kann die Physiotherapie durch Massage, Lymphdrainage oder Warm-Kalt-Anwendungen (Gefäßtraining) eine Verbesserung erreichen.
  • In der Chirurgie kommt die Physiotherapie z.B. nach Sehnenverletzungen zum Einsatz, nach Herz- oder Lungenoperationen, um Schäden aufgrund langer Liegephasen zu vermeiden, in der Gangschulung nach einer Amputation oder um die Mobilität nach einer Operation (z.B. nach Knochenbrüchen, nach Gelenksimplantationen, OP nach Bandscheibenvorfall etc.) wieder herzustellen. Auch die Behandlung von entstandenen Narben ist ein Teil der Physiotherapie, um das umliegende Gewebe wieder dehnbar zu machen und dadurch die Bewegung zu verbessern.

Neurologie

Im Zuge von neurologischen Erkrankungen (Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder nach neurologischen Operationen) treten häufig Störungen des Bewegungs- und Steuerungssystems sowie des Verhaltens und Erlebens auf. Der Physiotherapeut behandelt die Betroffenen nach umfangreicher Befundung mit individuell angepassten Maßnahmen, z.B. mit funktioneller Gangschulung. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Einsatz von Hilfsmitteln und das Einbinden Angehöriger sind Teil der Therapie.

Uro-Prokto-Gynäkologie

Unwillkürlicher Harnverlust, ständiger Harndrang oder Blasen- und Darmprobleme aufgrund von Erkrankungen (z.B. Schlaganfall), nach Operationen oder nach einer Geburt erfordern ein speziell auf diese Körperregionen abzielendes Übungsprogramm, wie z.B. Beckenbodentraining und Wahrnehmungsschulung, Manuelle Therapien oder Elektro- & Biofeedback-Therapien ergänzen diese und werden von erfahrenen Physiotherapeuten durchgeführt.

Intensivmedizin

Betroffene auf Intensivstationen sind häufig bewusstlos oder werden mit beruhigenden Medikamenten behandelt. Durch langes Liegen steigen Risikofaktoren z.B. für Thrombose, Dekubitus (Wundliegen), Muskelschwäche, oder Lungenentzündung. Physiotherapeuten bewegen den Körper bei bewusstlosen Menschen passiv durch, d.h. ohne Mithilfe des Patienten, bzw. mobilisieren Patienten, die bei Bewusstsein sind, schrittweise ins Sitzen, Aufstehen und Gehen. Dadurch können Risikofaktoren aber auch Schmerzen und das allgemeine Befinden positiv beeinflusst werden.

Orthopädie, Traumatologie

Physiotherapie behandelt im Bereich der Orthopädie und Traumatologie Funktionsstörungen der Muskeln und Gelenke. Sie wird nach orthopädischen Operationen (Knie-, Hüftgelenk, Bandscheibenvorfall, Wirbelsäulenerkrankungen etc.) oder Traumata (z.B. Luxation, Brüche) eingesetzt, um die Mobilität wieder herzustellen. In der Orthopädie ist die Physiotherapie außerdem zur Verbesserung von Haltungsproblematiken, wie z.B. Fußfehlstellungen (Plattfuß) oder Wirbelsäulenverkrümmungen zuständig. Auch die Beratung im Alltag und bei der Arbeit (Sitzen, Liegen, Gehen, Stehen) spielt hier eine Rolle. Die Schulung des Gefühls für den eigenen Körper - Körperwahrnehmung - ist hierfür ein entscheidender Therapiebaustein.

Geriatrie

Im Bereich der Geriatrie zielt die Physiotherapie einerseits darauf ab, älteren Menschen eine möglichst lange Mobilität und Selbständigkeit zu gewährleisten. Andererseits kommt die Physiotherapie aber auch im geriatrischen Bereich mit all ihren Facetten zum Einsatz, wie z.B. um Betroffene (nach Schlaganfall, Schenkelhalsbruch etc.) wieder mobil zu machen, mit besonderer Rücksichtnahme auf vorhandene Mehrfacherkrankungen.

Pädiatrie

Die Kinderheilkunde ist ein breites Anwendungsgebiet physiotherapeutischer Behandlungen. Diese reicht von der Therapie des Säuglings bis zum jungen Erwachsenen, z.B. im Falle angeborener Erkrankungen bzw. Fehlbildungen der Lunge, neurologischer und onkologischer Erkrankungen, bei Haltungsschäden oder Erkrankungen des Bewegungsapparates. Wichtig ist auch die Förderung gesunder Entwicklung und Prävention in Schulen und Kindergärten.

Sport

Verletzungen oder Überlastung: Das sind die häufigsten Beschwerdebilder, die für Sportler eine physiotherapeutische Behandlung erforderlich machen. So etwa können Tennisarm, Folgen einer Verletzung am Meniskus oder Skidaumen mit abgestimmten Übungen therapiert werden. Physiotherapeuten sind jedoch auch beim Aufbautraining im Wettkampf gefragt, wenn mit gezielten Übungen und Geräten bestimmte Muskelpartien trainiert werden sollen. Je nachdem, ob Kraft, Ausdauer oder Bewegungsmuster für die sportliche Disziplin erforderlich sind, erstellt der Physiotherapeut einen darauf abgestimmten Trainingsplan.

Hippotherapie

Diese besondere Form der Physiotherapie (mit Zusatzausbildung) wird auf dem Pferderücken ausgeführt. Sie eignet sich vor allem für Kinder und Erwachsene mit Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Querschnittlähmung), mit Haltungsschwäche oder Skoliose, sowie für Betroffene mit Muskelerkrankungen. Ziel ist es u.a., dass der Betroffene auf die Bewegungsabläufe des Pferdes reagiert und dadurch eine bewusste und aufrechte Haltung einnimmt und diese spürt.

So wirkt Physiotherapie

Abnutzungen, Schonhaltung, Verspannungen, Erkrankungen oder Operationen sind oftmals die Ursache für das Versteifen von Gelenken, den Abbau der Muskulatur oder das Verkürzen von Sehnen. Mitunter entwickelt der Betroffene dann falsche Bewegungsmuster, die die Beschwerden noch verstärken. Die Physiotherapie setzt auf der funktionellen Ebene an und trainiert Muskeln, Bewegungsabläufe und körperliche Leistungsfähigkeit. Die Bewegung verbessert den Muskelstoffwechsel, aktiviert das Wachstum in Muskeln und Knochen und regt die Durchblutung an. Dadurch werden Muskeln, Knochen und Knorpel besser mit Nährstoffen versorgt. Der Patient wird in seiner Körperwahrnehmung geschult und dazu angeleitet, regelmäßig auch ungewohnte Bewegungen zu üben und ungenutzte Muskulatur zu kräftigen. Dadurch können Bewegungsmuster verbessert werden.

Eine zunehmende Beweglichkeit, Kondition und körperliche Leistungsfähigkeit wirken sich bei sportlichen Herausforderungen ebenso positiv aus wie im Alter, um Stürze mit schweren Folgen zu vermeiden. Regelmäßige Bewegung regt die Gefäßneubildung an, daher wird sie bei Verschlusskrankheiten (Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen) dringend empfohlen. Auch Abnützungen des Knorpelgewebes (Arthrosen) kann man durch das Anleiten zu regelmäßiger Bewegung verhindern. Denn der Knorpel wird nur durch Zug und Druck mit Nährstoffen versorgt.

Zusätzlich wird mit Massagen verspannte Muskulatur behandelt, mit Elektrotherapie oder Ultraschall u.a. Schmerzen und auch Gelenksproblematiken vermindert oder mit Lymphdrainage durch das Verschieben der Flüssigkeit im Gewebe der Abtransport von Abfallstoffen gefördert.

Was müssen Sie nach der Therapie beachten?

Die Wirkung einer physiotherapeutischen Behandlung bemerken Sie nicht nach einmaligem Training, auch nicht über Nacht. Physiotherapie ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem Sie mitunter auch Schmerzen (Muskelkater, Dehnungsschmerz) nach einer Trainingseinheit haben können. Meist ist dies eine normale Reaktion des Körpers, der sich beispielsweise nach langer Bettruhe oder aufgrund eines Gipsverbandes erst an die neuen Bewegungsmuster gewöhnen muss. Auch Erkältungssymptome sind nach einer Behandlung geläufig. Dies ist deshalb der Fall, weil durch die Lockerung von Gewebe Abfallstoffe im Körper freigesetzt werden. Wenn das Immunsystem zu diesem Zeitpunkt bereits geschwächt ist, kann sich dies spürbar machen. Erfahrene Therapeuten klären Sie daher schon vor Behandlungsbeginn entsprechend auf. Sollten Sie übermäßige Schmerzen haben oder sich bereits vorher besonders geschwächt fühlen, müssen Sie das jedoch unbedingt mit Ihrem Therapeuten besprechen.

Wer therapiert?

Die Therapie wird von an einer Fachhochschule ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt. Sie sind entweder in Kranken- oder Pflegeanstalten, in Rehabilitationszentren, in Vertrags- bzw. Wahlinstituten für physikalische Medizin oder in freier Praxis (auch mit Hausbesuchen) tätig. Der Beruf des Physiotherapeuten ist ein gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf.

Was können Sie zum Gelingen der Physiotherapie beitragen?

Ihre aktive Beteiligung (in dem Ausmaß wie es Ihr Gesundheitszustand erlaubt), also auch vom Therapeuten empfohlene "Hausaufgaben" bewusst und regelmäßig durchzuführen sowie Erlerntes aus der Therapiesituation in den Alltag zu übernehmen, ist die Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg und wirkt sich auch auf die Seele positiv aus. Bewegung und ergänzende Therapie können "entstressend" wirken, fördern die innere Balance und auch die geistige Regsamkeit. Wenn Sie sich auf diese positiven "Nebenwirkungen" einlassen, genießen Sie einen doppelten Vorteil.

Wo liegen die Grenzen der Physiotherapie?

Das Berufsbild der Physiotherapeuten umfasst u.a. alle Arten von Bewegungs- und manueller Therapie, Atemtherapie, alle Arten von Heilmassagen und physikalischen Anwendungen sowie berufsspezifische Befundungsverfahren. Im Bereich der Manipulation der Wirbelsäule oder auch den meisten invasiven Maßnahmen sind jedoch gesetzliche Grenzen gesetzt.

Ein Physiotherapeut kann Ihnen viele Anleitungen geben und Symptome kurz- oder längerfristig lindern. Die Veränderung von Bewegungsmustern, Muskelaufbau, Haltungsproblematiken und Ausdauer liegt aber vor allem in Ihren Händen.

Kosten & Krankenkasse

Physiotherapie wird großteils in Krankenanstalten (ambulant oder stationär), Ambulatorien oder durch freiberuflich tätige Physiotherapeuten durchgeführt. Im niedergelassenen Bereich gibt es Vertrags- und Wahltherapeuten. Letztere haben keinen Kassenvertrag und rechnen mit den Patienten direkt ab. Wenn eine chefärztliche Bewilligung vorliegt, so kann eine teilweise Rückerstattung erfolgen.

Fragen an den Arzt

  • Kommt bei meinen Beschwerden eine Physiotherapie in Frage?
  • Wo finde ich einen passenden Physiotherapeuten in meiner Nähe?
  • Werden die Kosten für die Physiotherapie in meinem Fall von der Krankenkasse übernommen?
  • Worauf muss ich während einer Physiotherapie achten? Kann auch eine Verschlechterung der Beschwerden eintreten?
  • Wie lange wird die Physiotherapie dauern?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Martina Sorge

Physiotherapeutin

Quellen

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