Penisverkrümmung

Eine Penisverkrümmung kann zu Unsicherheit und psychischen Problemen beitragen. (Africa Studio - Fotolia.com)

Bei manchen Männern weist der Penis im erigierten Zustand eine ungewöhnlich starke Krümmung auf. Eine entsprechende Penisverkrümmung kann in den meisten Fällen operativ behoben werden.

Eine Penisverkrümmung ist für Betroffene meistens recht leicht festzustellen, da sich der Penis im erigierten Zustand außergewöhnlich stark krümmt. Bei der Symptomatik wird prinzipiell zwischen angeboren und erworben unterschieden, die Behandlung variiert je nach Art. Besonders wichtig ist es, bei Verdacht keinen falschen männlichen Stolz zu zeigen und einfach zum Arzt zu gehen.

Übersicht

Penisverkrümmung: Häufigkeit

Die kongenitale, also angeborene, Penisverkrümmung betrifft laut aktueller Studien zwischen 2-4% aller Männer weltweit. Deutlich häufiger ist hingegen die erworbene Penisverkrümmung, die sogenannte Induratio Penis Plastica. Schätzungen vermuten, dass etwa 10% aller Männer im Laufe ihres Lebens davon betroffen sind.

Penisverkrümmung: Ursachen

Die Ursachen einer angeborenen Penisverkrümmung sind Ärzten nicht genau bekannt. Sie ist ein angeborener Defekt, der sich schon im Zuge der embryonalen Entwicklung bildet. Bei der erworbenen Penisverkrümmung geht man von mehreren Ursachen aus. Geringfügige, unterschwellige Verletzungen - sogenannte Mikrotraumen - können am Penisschaft zu Vernarbungen und Verknotungen führen. So verändert sich die Elastizität der Schwellkörper im Glied und es kommt zu Verformungen bzw. Verkrümmungen des Penis.

Penisverkrümmung: Symptome und Verlauf

Zu erkennen ist die Symptomatik vor allem im erigierten Zustand, die Verkrümmung des Penis kann bei Patienten unterschiedlich stark ausfallen. Bei der angeborenen Penisverkrümmung treten die ersten Probleme meistens in der Pubertät auf. Im Rahmen ihrer ersten sexuellen Aktivitäten merken betroffene Männer, dass mit dem Glied etwas nicht stimmt.

Die erworbene Penisverkrümmung dagegen verläuft typischerweise in zwei Phasen. In der "akuten Phase" kommt es zu ersten Verformungen im erigierten Zustand. Das beginnt mit leichten Verkrümmungen und kann bis hin zu starken Biegungen sowie Einkerbungseffekten führen. Häufig tritt auch eine Verkürzung des Glieds ein, oft kommt es zudem zu Schmerzen im Penis. In der darauffolgenden "chronischen Phase" stabilisiert sich die Penisverkrümmung und die Schmerzen sind praktisch nicht mehr vorhanden. Bei manchen Betroffenen geschieht dieser Übergang bereits nach 3 Monaten, die "akute Phase" kann aber auch bis zu 2 Jahre lang andauern.

Die Penisverkrümmung führt, unabhängig von der Art, zu funktionellen Einschränkungen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. In schwer fortgeschrittenen Stadien kann es auch zu Potenzproblemen kommen. Häufig gesellen sich zu den körperlichen Beschwerden auch psychische. Beziehungsprobleme und Depressionen treten häufig parallel zur Penisverkrümmung auf.

Penisverkrümmung: Diagnose

Der behandelnde Arzt fragt den Patienten zunächst, wann die Verkrümmung das erste Mal bewusst wahrgenommen wurde. So kann er erkennen, um welche Art der Penisverkrümmung es sich handelt. Bei der körperlichen Untersuchung versucht der Urologe gegebenenfalls die Problemzone am Penis zu ertasten und mittels Ultraschall ein genaues Bild zu bekommen. Mit einer speziellen Erektionsspritze wird eine künstliche Erektion hervorgerufen, um einen besseren Eindruck vom Verkrümmungsgrad zu bekommen. In manchen Richtlinien wird eine Krümmung von 30 Grad als Kriterium gesehen ab wann man operieren sollte. Manche Betroffene empfinden aber eine geringere Verkrümmung bereits als störend.

Penisverkrümmung: Therapie

Bei der erworbenen Penisverkrümmung kommt die Behandlung auf das Stadium der Krankheit an. In der "akuten Phase" kann sie ausschließlich konservativ behandelt werden, hierbei kommt eine Injektion zum Einsatz. Diese Therapieform verläuft ambulant, danach kann der Patient wieder nach Hause gehen.

Ab der "chronischen Phase" sowie bei einer angeborenen Penisverkrümmung ist hingegen eine operative Begradigung des Penis möglich. Zu den bewährten Operationsmethoden zählt etwa die STAGE-Technik, sie soll die potentiellen Nebenwirkungen der Standard Nesbit Operation vermeiden. Es handelt sich hierbei um erektile Dysfunktion, Sensibilitätsstörungen, Wiederauftreten der Verkrümmung, exzessiver Penislängenverlust etc.

Alternativ gibt es als neuere Methode die sogenannten Graft-Operationen, bei denen ein künstliches Material in den Penis eingenäht wird. Hierbei kann die Originallänge erhalten bleiben, das Vorgehen ist allerdings riskanter. Diese Form der Operation sollte daher ausschließlich von auf Genitalchirurgie spezialisierten Urologen durchgeführt werden. Vor jeder Operation sollte ein ausführliches Gespräch mit einem Spezialisten stehen, das Einholen einer zweiten Meinung ist ratsam.

Was muss der Betroffene zusätzlich beachten?

Vorbeugen kann man einer Penisverkrümmung leider nicht, wichtig ist aber die richtige Reaktion. Betroffene Männer sollten keine falsche Scham verspüren und zu einem spezialisierten Urologen gehen, sobald sie Veränderungen am Penis feststellen. Selbst bei einer eventuellen Operation ist die Erholungszeit relativ kurz. Der Krankenhausaufenthalt dauert meistens nur 1 bis 2 Tage, Sport ist oft schon nach 7 bis 10 Tagen denkbar. Sexuelle Aktivitäten sind in etwa 6 Wochen nach der Operation wieder möglich.

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Franklin E. Kühhas

Dr. Franklin E. Kühhas

Facharzt für Urologie und Andrologie, Wien

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • Interview mit Dr. Kühhas am 5.10.2017

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