Lungenentzündung (Pneumonie)

Lungenentzündung entsteht meist durch geschwächtes Immunsystem

Lungenentzündung (Pneumonie): Grafik eines Körpers mit enzundenen Lungen
Jährlich erkranken bis zu 100.000 Österreicher an Lungenentzündung. (ag visuell - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Lunge

Lungenentzündung ist eine Entzündung des Lungengewebes und entsteht meist im Anschluss an Grippe, Erkältung oder Bronchitis oder im Rahmen chronischer Lungenkrankheiten. Jährlich erkranken bis zu 100.000 Menschen in Österreich an Lungenentzündung.

Die Symptome reichen von Husten und Fieber bis zu Atemnot. Die Erreger sind fast immer Bakterien, die Therapie daher Antibiotika. Lungenentzündung ist ansteckend, die Bakterien werden beim Husten oder Niesen übertragen. Eine Lungenentzündung ist unangenehm und strengt den Erkrankten oft sehr an, zumeist aber ist sie nicht lebensgefährlich. Vor allem sehr alte Menschen können jedoch daran sterben, wenn ihr Kreislauf die Belastung nicht erträgt.

Häufigkeit

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 500 von 100.000 Menschen an einer Lungenentzündung, etwas mehr als 20 davon sterben daran. Für Österreich dürfen ähnliche Zahlen angenommen werden. Die Lungenentzündung betrifft am häufigsten sehr alte oder sehr junge Menschen sowie Personen mit chronischen Lungenkrankheiten (wie COPD oder Asthma).

Ursachen/Symptome/Verlauf

Was passiert bei einer Lungenentzündung?

Bei der Lungenentzündung entzünden sich die Lungenbläschen, die Alveolen, die dem Luftaustausch dienen, seltener auch die dünne Schicht zwischen den Alveolen und den Blutgefäßen, in die der Sauerstoff abgegeben wird (Interstitium).

In den meisten Fällen siedeln sich Bakterien in Folge eines geschwächten Immunsystems in der Lunge an, nicht selten im Anschluss an eine Virenerkrankung der Atemwege wie Bronchitis, Erkältung oder Grippe. Wie diese Krankheiten wird auch die Lungenentzündung durch Husten und Niesen übertragen.

Kleine Kinder (unter 4 Jahren) und alte Menschen erkranken häufiger an Lungenentzündung als Erwachsene oder Jugendliche, weil Ihr Immunsystem noch nicht bzw. nicht mehr optimal funktioniert.

Symptome Lungenentzündung

Im Grunde fühlt sich die Lungenentzündung ganz ähnlich an wie ein grippaler Infekt oder eine Bronchitis.

  • Husten
  • Fieber (manchmal auch Untertemperatur)
  • Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen und
  • Abgeschlagenheit

Allerdings ist der Husten meistens produktiv (also mit Auswurf) und eitrig (der Auswurf ist gelb). Dass die Lunge den Sauerstoff schlechter aufnimmt und ins Blut abgibt, führt zu einer schnelleren Atmung (Tachypnoe) und einem beschleunigten Herzschlag (erhöhter Puls, Tachykardie), da das Herz mehr Blut durch den Körper pumpen muss, um die gleiche Menge Sauerstoff in die Zellen befördern zu können.

Die Lungenentzündung kann sehr leicht bis sehr schwer verlaufen. Bei leichten Fällen, die keinen Spitalsaufenthalt nötig machen, ist die Sterblichkeit mit weniger als 1 % sehr gering. Bei schweren Lungenentzündungen sterben jedoch 10 bis 15 % der Erkrankten. Hiervon sind besonders sehr alte Menschen betroffen. Etwa zwei Drittel der an Lungenentzündung Sterbenden sind über 80 Jahre alt. Oft ist der Kreislauf der Belastung nicht mehr gewachsen.

Es wird unterschieden in:

  • Ambulant erworbene Lungenentzündung (community acquired pneumonia, CAP)
    Die meisten Menschen stecken sich im Alltag an, etwa in der Schule oder in der U-Bahn oder an ähnlichen Orten, wo viele Menschen nahe zusammenkommen. Dies ist die "normale" und bei weitem häufigste Lungenentzündung.
  • Nosokomiale Pneumonie (hospital acquired pneumonia, HAP)
    Das ist eine Lungenentzündung, mit der man sich während eines Spitalsaufenthalts infiziert. Besonders gefährdet sind Patienten, die künstlich beatmet werden. Die Beatmungs-assoziierte Pneumonie (ventilator associated pneumonia, VAP) ist eine Sonderform der HAP.
  • Aspirationspneumonie
    Eine weitere Sonderform ist die Aspirationspneumonie, die entsteht, wenn immer wieder kleine Mengen Mageninhalt in die Luftröhre und weiter in die Lunge gelangen. Sie tritt hauptsächlich bei alten Menschen, bei bestimmten Nervenkrankheiten, die mit Schluckstörungen einhergehen, und bei bettlägerigen Patienten auf.

Diagnose

Die beste Diagnosemöglichkeit ist das Lungenröntgen. Die zweitbeste sind bestimmte "Rasselgeräusche" beim Abhören der Lunge. Der Arzt wird also nach den oben beschriebenen Symptomen suchen, die Lunge abhören (Auskultation) und abklopfen (Perkussion).

Wenn die Therapie nicht anschlägt, bei schwerer Erkrankung und bei besonders Gefährdeten (Kleinkindern, sehr Alten, chronisch Kranken) kann aus dem Auswurf oder dem Blut der genaue Krankheitserreger bestimmt werden (mikrobiologische Untersuchung).

Therapie

Da die Lungenentzündung meist von Bakterien hervorgerufen wird, sind Antibiotika die wichtigste Therapie. Da außerdem die Hälfte der Lungenentzündungen (in unseren Breiten) von bestimmten Bakterien, nämlich den Pneumokokken (Streptokokkus pneumoniae), verursacht werden, wird der Arzt ein Mittel gegen dieses Bakterium verschreiben, vor allem wenn er vermutet, dass die Krankheit nur leicht verläuft.

Wichtig ist, dass Sie dem Arzt erzählen, falls Sie in den letzten Monaten Antibiotika genommen oder (Fern-)Reisen unternommen haben. Unter Umständen ist dann ein anderer Krankheitserreger wahrscheinlicher, oder es wird, um sicherzugehen, eine mikrobiologische Untersuchung angeordnet.

Die Hälfte der Lungenentzündungen (in unseren Breiten) wird von bestimmten Bakterien (Pneumokokken) verursacht. Üblicherweise wird deshalb als Antibiotikum der 1.Wahl ein Pneumokokken sensibles Präparat gewählt.

Was kann der Patient selber tun?

Bettruhe, Wärme und Kräutertee (oder jedenfalls viel warme Flüssigkeit, die nicht den Kreislauf belastet) unterstützen die Antibiotikatherapie.

Wenn Sie sich nach 2 bis 3 Tagen noch kein bisschen besser (oder sogar schlechter) fühlen, rufen Sie den Arzt oder gehen Sie zu ihm.

Vorbeugend hilft alles, was dem Immunsystem hilft und etwa auch einem grippalen Infekt oder einer Bronchitis vorbeugt: Gesunder und mäßiger Lebensstil, nicht rauchen (auch nicht passiv), eventuell immunstärkende Präparate aus der Apotheke.

Eine gute vorbeugende Maßnahme sind die Impfungen gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken. Pneumokokken sind die häufigsten Erreger einer Lungenentzündung, diese wiederum die häufigste Komplikation nach einer Grippe. In beiden Fällen wird die Impfung besonders kleineren Kindern (zirka 1 bis 7 Jahre), Menschen über etwa 60 Jahren, chronisch Kranken und Immungeschwächten sowie all jenen empfohlen, die die genannten Gruppen betreuen (Krankenpfleger, Kindergärtner, Lehrer usw.). Beide Impfungen können übrigens gleichzeitig gegeben werden, allerdings muss die Grippeimpfung jedes Jahr aufgefrischt werden, während bei der Pneumokokkenimpfung nach der Erstimpfung nach einem Jahr eine Nachimpfung empfohlen wird.

Fragen an den Arzt

  • Wie viele Tage Bettruhe sind vorgesehen?
  • Darf ich Besuch empfangen, bin ich ansteckend?
  • Was kann ich gegen die Nebenwirkungen der Antibiotika tun?
  • Was mache ich, wenn ich die Medikamente nicht vertrage?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Chefarzt Prim.

Dr. Peter Cerkl

Pulmologie

Leiter der Abteilung für Pulmologie, LKH Hohenems

Quellen

ICD-10: J12, J15, J17, J18.0, J18.1, J18.2, J18.8, J18.9,

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