Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC)

In über 90 % der Fälle entwickelt sich ein HCC auf dem Boden einer Leberzirrhose.

Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC): Grafik eines Körpers mit Darstellung der Leber
Leberkrebs entwickelt sich in über 90 % der Fälle aus einer Leberzirrhose. (ag visuell - Fotolia.com)

Der Begriff Leberkrebs ist eine umgangssprachlich weit verbreitete ungenaue Bezeichnung, womit in vielen Fällen Leberzellkarzinom gemeint ist. Die folgenden Ausführungen verwenden den Ausdruck Leberkrebs für das Leberzellkarzinom.

Der Leberkrebs (HCC) ist in Österreich im Vergleich zu asiatischen oder afrikanischen Ländern eher selten. Es sind mehr Männer als Frauen vom HCC betroffen. Hepatitis B, Hepatitis C, Alkoholismus und zunehmend Fettleber durch Adipositas sind die führenden Ursachen und Auslöser. Leberkrebs-Symptome können Druckschmerzen im Oberbauch und Leistungsminderung sein. Durch die unspezifischen und oft erst spät auftretenden Symptome ist die gezielte Suche nach HCC in Hochrisikogruppen wie unter Patienten mit Leberzirrhose sinnvoll und wichtig, um die Erkrankung in einem möglichst frühen Stadium zu diagnostizieren.

Häufigkeit

An Leberkrebs (HCC) erkranken in Österreich jährlich etwa 800 Menschen, zwei Drittel davon sind Männer.

Die Leber - Aufbau und Funktion

Die menschliche Leber ist etwa 1,5 Kilogramm schwer und besteht aus 2 verschieden großen Lappen, die wiederrum in Segmente unterteilt werden. Als größte Drüse unseres Körpers produziert sie etwa 600 ml Gallensaft pro Tag. Durch diese Flüssigkeit werden Gallensäuren, Cholesterin und Phospholipide ausgeschieden. Die Gallensäuren werden im Darm vor allem zur Verstoffwechslung von Fetten benötigt und ein Großteil wird daher im letzten Teil des Dünndarms wiederaufgenommen. Mit der Galle werden aber auch sehr viele Medikamentenabbauprodukte und andere Stoffwechselprodukte in den Darm ausgeschieden. Die Leber erkennt und schützt uns auch vor feindlichen Eindringlingen, wie Viren, Bakterien und erfüllt eine zentrale Aufgabe in der Immunabwehr des Organismus. Durch Ihre zentrale Lage im Verdauungstrakt und ihre Funktionen ist sie ein zentrales Stoffwechselorgan durch wichtige Funktionen im Eiweiß-, Fett-, und Kohlenhydratstoffwechsel.

Die Leber kann Kohlenhydrate in Form von Glycogen speichern und bei Bedarf wieder mobilisieren, damit diese in Form von Zucker (z.B. Glucose) wieder anderen Körperzellen zur Verfügung stehen. Auch im Fettstoffwechsel nimmt die Leber eine zentrale Rolle ein, da sie durch die Synthese von Gallensäuren die Aufnahme von Fetten im Darm steuert und andererseits Fett aufnehmen und verstoffwechseln aber auch speichern kann. Letztendlich ist die Leber die größte "Proteinfabrik" des Körpers und zentrale Eiweißmoleküle wie Albumin und Blutgerinnungsfaktoren werden zu großen Teilen in der Leber synthetisiert und bereitgestellt.

Ursachen und Risikofaktoren für Leberkrebs (HCC)

In vielen Fällen entsteht Leberkrebs auf dem Boden einer chronischen Entzündung (Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D). Diese kann in der Folge auch zu Leberzirrhose führen, die das Erkrankungsrisiko erhöht. Unter einer Leberzirrhose versteht man den zunehmenden bindegewebigen Umbau des normalen Lebergewebes, was einerseits zu einer verminderten Organfunktion führt und andererseits zu einem Bluthochdruck im Strömungsgebiet der Pfortader, die das Blut aus dem Dünndarm in die Leber führt. Auch jahrelanger starker Alkoholkonsum kann zu einer chronischen Entzündung der Leber und letztlich zu Leberkrebs führen. Bestimmte familiär bedingte, genetische Faktoren, wie etwa die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) können bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle spielen. Selten führen Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen wie alpha1-Antitrypsin-Mangel oder Tyrosinämie (Störung im Abbau des Eiweißbestandteils Tyrosin) zum HCC.

Symptome bei Leberkrebs (HCC)

  • Schmerzen im Oberbauch, Druckgefühl
  • Schwellung im Bereich der Leber unter dem rechten Rippenbogen
  • Erhöhte Temperatur, Fieber
  • Schwäche, Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme
  • Gelbfärbung der Haut und Augen

Diagnose

Nach genauer Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch) folgt eine eingehende körperliche Untersuchung und die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung der Oberbauchorgane.

Laboruntersuchung

Die Bestimmung von sogenannten Leberfunktionsparametern (ALT, AST, Bilirubin, Gamma-GT, Thrombocytenzahl, Serumalbumin, Blutgerinnungsparameter) gibt einen ersten Hinweis auf mögliche Entzündung oder Funktionseinschränkungen der Leber. Die Bestimmung oben angeführter Serumtests ermöglicht dem erfahrenen Arzt in vielen Fällen bereits eine erste Zuordnung des Krankheitsbildes. Die Bestimmung von Tumormarkern wie Alpha-1-Fetoprotein (AFP) kann bei deutlicher Erhöhung und gleichzeitigem Vorliegen eines Leberrundherdes in einem bildgebenden Verfahren diagnostisch wegweisend sein. Ein negativer Serumnachweis von AFP schließt aber ein HCC nicht aus. Generell weisen die aktuell verfügbaren Serumtumormarker bei HCC eine zu geringe Testgenauigkeit auf. Weiterführend sind dann in Abhängigkeit des Enzymmusters Tests wie die Bestimmung von Hepatitis-Serologie nötig.

Bildgebende Verfahren

  • Ultraschalluntersuchung: Mittels Ultraschalluntersuchung kann der Arzt schmerzfrei, wiederholt und ohne Strahlenbelastung die Leber hinsichtlich des Vorliegens eines Leberrundherds untersuchen. Die Untersuchung gibt auch wertvolle Aussagen über das mögliche Vorliegen eines Pfortaderhochdrucks und kann so entscheidend zur Risikoeinschätzung von Leberkranken beitragen. Die Untersuchung kann jedoch durch körperliche Gegebenheiten (starke Fettleibigkeit, Blähungen) in ihrer Aussagekraft eingeschränkt sein. Die Ultraschalluntersuchung der Leber stellt in erfahrenen Händen einen sehr wichtigen Pfeiler in der frühen Diagnostik eines HCC dar.
  • Computertomographie (CT) und Magnetresonanzt-Tomographie (MRT): sowohl CT, als auch MRT sind als ergänzend zur Ultraschalluntersuchung zu betrachten und ermöglichen im Falle des Vorliegens einer Leberzirrhose oft bereits ohne Entnahme einer Gewebsprobe bei typischem Verhalten eines Leberrundherdes nach Gabe von Kontrastmitteln eine definitive Diagnose eines Leberkrebs. Entscheidend für die Untersuchungsqualität ist aber die Verwendung hoch spezifischer Untersuchungsprotokolle durch spezialisierte Radiologen.
  • Gewebeentnahme (Biopsie): Durch eine Biopsie ist eine feingewebliche (histologische) Untersuchung von Tumorgewebe unter dem Mikroskop möglich. Mithilfe von Ultraschall- oder CT-Untersuchung wird mit einer feinen Nadel Gewebe aus der betroffenen Region von außen durch die Bauchdecke entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Die Untersuchung wird unter lokaler Betäubung durchgeführt. Diese Untersuchung ist insbesondere beim Fehlen sicherer diagnostischer klinischer Zeichen einer Leberzirrhose notwendig oder wenn die bildgebenden Verfahren unklare Untersuchungskonstellationen ergaben.

Tumorstadien

Aktuell werden Leberzellkarzinome klinisch nach der sogenannten Barcelona-Klassifikation eingeteilt. Diese Stadieneinteilung nimmt neben der Tumorgröße und der Leberfunktion auch auf Begleiterkrankungen und das Allgemeinbefinden Rücksicht. Durch Einbeziehung der bekannten Überlebenszeiträume verschiedener Tumorstadien ist so eine stadiengerechte Therapie möglich und hat sich klinisch als sehr hilfreich erwiesen.

Therapie

 Zur Therapie von Leberkrebs stehen derzeit folgende Optionen zur Verfügung:

  • Operation (Leberteilentfernung oder Lebertransplantation)
  • Radiofrequenzablation (RFA)
  • Transarterielle Chemoembolisation (TACE)
  • Selektive interne Radiotherapie (SIRT)
  • Medikamentöse Therapie (zum Beispiel Multikinasehemmer)

Operation

Operationen von Lebertumoren sollten ausschließlich in spezialisierten Zentren mit interdisziplinärem Management erfolgen. Eine stadiengerechte Therapie in Form eines chirurgischen Vorgehens ist immer in einem spezialisierten Tumorboard zu planen, das Leberchirurgen, Hepatologen, Radiologen und Pathologen umfasst. Möglich ist eine chirurgische Entfernung eines HCC nur, wenn ausreichend funktionsfähiges Lebergewebe verbleibt, um die Organfunktion aufrechtzuerhalten.

Lebertransplantation

Eine Lebertransplantation kommt infrage, wenn zusätzlich eine Leberzirrhose vorliegt, jedoch der Tumor noch keine Metastasen gebildet hat. Die Möglichkeit einer Lebertransplantation hängt in erster Linie von Größe und Anzahl der Tumorherde sowie dem Allgemeinzustand und dem Alter des Patienten ab.

Die Chemotherapie

Eine systemische Chemotherapie spielt bei HCC nur eine untergeordnete Rolle. Chemotherapeutika kommen aber im Rahmen von radiologisch-interventionellen Verfahren zum Einsatz.

Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Die transarterielle Chemoembolisation ist eine lokale, ergänzende Therapieoption. Bei diesem minimal-invasiven Verfahren wird Chemotherapie mit radiologischem Verfahren kombiniert. Mit Hilfe eines Kontrastmittels wird die Leberarterie dargestellt. Dadurch wird das den Tumor durchblutende Gefäß sichtbar gemacht, sodass in weiterer Folge ein Chemotherapeutikum in den Tumor eingebracht werden kann, der das Wachstum bösartiger Zellen hemmt und sie zum Absterben bringen kann. Diese Methode wird auch bei Patienten angewandt, die für eine Lebertransplantation in Frage kommen, um ein Tumorwachstum innerhalb der Wartezeit zur Lebertransplantation hintanzuhalten. In vielen Fällen kommt die TACE zum Einsatz, wenn keine Möglichkeit einer Lebertransplantation oder chirurgischen Entfernung des Tumors besteht, aber die Leberfunktion noch einigermaßen gewahrt ist. Durch dieses palliative Vorgehen kann die Überlebenszeit von Patienten mit inoperablem, nicht transplantablem HCC deutlich erhöht werden.

Radiofrequenzablation

Die Radiofrequenz- bzw. die Laserinduzierte Thermotherapie wird unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle durchgeführt. Bei der Radiofrequenzablation wird der Tumor lokal im Wesentlichen durch Hitzeentstehung zerstört. Dabei wird eine Nadelelektrode über die Haut im Tumor platziert. Durch den Energiefluss entsteht Hitze, die das Tumorgewebe zerstört, indem es ihn gewissermaßen "verkocht". Auch dieses Verfahren kann bei geeigneten Patienten sehr gute Ergebnisse liefern.

SIRT (Selective Internal Radiation Therapy)

SIRT ist ein modernes Verfahren, das vor allem bei Lebermetastasen zur Anwendung kommt, aber auch bei HCC von Interesse ist. Im Zuge der Behandlung wird eine radioaktive Substanz direkt in die die Leber versorgenden Gefäße eingebracht. Durch das Einspritzen dieser Substanzen werden Tumore einer lokal hohen Strahlendosis ausgesetzt und gleichzeitig Tumorgefäße verschlossen. Die Erfahrungsberichte zu dieser Methode sind aktuell durch eine kleine Anzahl und niedrige Patientenfrequenz und das Fehlen kontrollierter Studien limitiert.

Neue Medikamente gegen HCC

Der Einsatz von systemischen Chemotherapien ist bei HCC durch das geringe Therapieansprechen dieses Tumors und durch die eingeschränkte Leberfunktion bei oft vorliegender Leberzirrhose stark limitiert. Daher werden starke Anstrengungen zur Entwicklung neuer Therapiestrategien unternommen. Durch Aktivierung von Rezeptoren entsteht oft für Tumorzellen das Signal zum Wachstum. Die Möglichkeit einer mehr zielgerichteten Therapie peilen die sogenannten Multikinasehemmer für Krebszellen an. Indikation und Verschreibung solcher Medikamente sollte nach genauer Information des Patienten und sorgfältiger Nutzen-/Risikoabwägung in spezialisierten Abteilungen/Zentren erfolgen.

Fragen an den Arzt

  • Habe ich eine Leberzirrhose und wodurch ist diese bedingt?
  • Wie groß ist mein Tumor und wie viele Tumorherde liegen vor?
  • Welche Therapieoptionen kommen für mich in Frage?
  • Welches Zentrum kommt für meine Therapie in Frage?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Peter Fickert

Innere Medizin / Gastroenterologie & Hepatologie

Stellvertreter des supplierenden Leiters der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie

Quellen

ICD-10: C22, C23, C24, C78.7

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