Hornhautverkrümmung

Brille wird gegen Brett mit Buchstaben gehalten
Eine Krümmung der Hornhaut geht meist mit Kurz- oder Weitsichtigkeit einher. (Sebastian Wolf - Fotolia.com)
Die Hornhautverkrümmung (Astigmatismus, Stabsichtigkeit) zählt neben dem Grauen Star zu den häufigsten Augenerkrankungen. Lichtstrahlen, die in das Auge einfallen, werden von der Netzhaut nicht punkt-, sondern stabförmig abgebildet.

Betroffene nehmen Punkte deshalb oft als unscharfe Linien wahr, sie sehen verschwommen. Ursache dafür ist eine Krümmung in der Hornhaut, die meist mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit einhergeht. Unscharfes Sehen, Kopfschmerzen, brennende und tränende Augen gelten als wichtige Hinweise auf diesen eventuell bestehenden Sehfehler. Das Tragen von Kontaktlinsen oder einer Brille kann den Behandlungsverlauf positiv beeinflussen.

Häufigkeit

Von den über 3 Millionen Brillen- oder Kontaktlinsenträgern in Österreich hat etwa die Hälfte eine Hornhautverkrümmung. Bei über 80 % der Betroffenen ist die Sehstörung angeboren.

Es gibt verschiedene Formen der Hornhautverkrümmung:

  • Regulärer Astigmatismus: Diese Form der Hornhautverkrümmung kommt am häufigsten vor und ist meist erblich bedingt. Dabei ist ein Abschnitt der Hornhaut stark gewölbt. Sofern keine Narben auf der Hornhaut entstehen (z.B. durch Schieloperationen oder Verletzungen), führt diese Art des Astigmatismus zu keinen wesentlichen Verschlechterungen der Sehkraft.
  • Irregulärer Astigmatismus: Hier ist die Hornhaut an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark gewölbt. Die Betroffenen sehen dadurch verschwommen. Grauer Star oder Vernarbungen der Hornhaut können ein Fortschreiten dieses Astigmatismus bewirken.
  • Vorübergehender Astigmatismus: Nach chirurgischen Eingriffen, wie z.B. bei Behandlung des Grauen Stars, kann Astigmatismus auch nur für eine bestimmte Zeitspanne auftreten. Die zunächst verringerte Sehschärfe normalisiert sich dabei meist innerhalb weniger Tage von selbst wieder.

Unbehandelt kann eine Hornhautverkrümmung zu chronischen Kopfschmerzen und dauerhafter Fehlsichtigkeit führen.

Ursachen, Symptome und Verlauf

Unabhängig davon, ob die Hornhautverkrümmung angeboren oder im Laufe des Lebens erworben wurde, sollte eine Korrektur der Krümmung mit Brillen oder Kontaktlinsen ab 0,75 Dioptrien erfolgen. Unter diesem Wert sind keine wesentlichen Sehbeeinträchtigungen zu erwarten.

Typisches Anzeichen einer bestehenden Hornhautverkrümmung ist unscharfes Sehen, welches sich auf nahe, mittlere und weite Distanzen gleichermaßen auswirkt. Vorübergehende Bildschärfe erlangen die Betroffenen, indem Sie Ihre Augen zusammenkneifen. Geschieht das regelmäßig, sind meist weitere, körperliche Beschwerden, wie z.B. Kopfschmerzen, brennende,  tränende oder trockene Augen die Folgen dieser Sehstörung. Daher sollte die genaue Ursache der Symptome von einem Augenarzt abgeklärt werden.

So wie das Schielen, die Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit, kann auch Astigmatismus vererbt werden. Um bei Bedarf möglichst früh mit geeigneten Therapiemaßnahmen zu beginnen, sind schon im Mutter-Kind-Pass 2 augenärztliche Untersuchungen vorgesehen. Die Kontrollen durch den Augenarzt sollten jeweils zwischen dem 10. und 14. bzw. zwischen dem 22. und 26. Lebensmonat stattfinden. Meist sind die Ergebnisse unauffällig. Dennoch ist die Durchführung jährlicher Folgeuntersuchungen ratsam. Sehfehler, die bis zur Einschulung erkannt und entsprechend behandelt werden, lassen sich dadurch häufig zur Gänze beseitigen. Geschieht das hingegen nicht, kann dauerhafte Fehlsichtigkeit die Folge sein.

Diagnose

Besteht beim ausführlichen Anamnesegespräch mit dem Augenarzt der Verdacht auf eine Hornhautverkrümmung, kommt das Ophthalmometer zum Einsatz - ein sehr spezielles Untersuchungsgerät, mit dessen Hilfe das Ausmaß der Krümmung auf verschiedenen Ebenen gemessen wird. Auch die Brechkraft der Augenlinsen für die Feststellung erforderlicher Dioptrien wird auf diesem Wege ermittelt. Zusätzlich überprüft der Arzt Augenbewegung und Pupillenfunktion.

Darüber hinaus ist auch die Sehprobentafel in der Praxis eine weit verbreitete Methode, um die Sehkraft zu testen. Dabei liest der Betroffene Buchstaben und/oder Ziffern einmal ohne und gegebenenfalls einmal mit Brille bzw. Kontaktlinsen ab.

Therapie

Im Falle einer Hornhautverkrümmung kann die Augenerkrankung mit Kontaktlinsen oder Brille entsprechend korrigiert werden. Welche Sehbehelfe dabei zur Anwendung kommen, hängt wesentlich von der Art des vorliegenden Astigmatismus ab. Ist die Stabsichtigkeit angeboren, können Brillen mit Zylindergläsern wieder zu einem scharfen Bild führen.

Bestehen hingegen Hornhautvernarbungen, ist das Tragen harter Kontaktlinsen aufgrund ihrer Formstabilität empfehlenswert. Auch weiche Kontaktlinsen können verwendet werden. Damit diese im Auge nicht verrutschen, müssen die Ränder der Linse oben und unten dünner sein als an den Seiten.

Bei einer Hornhautverkrümmung von 3 bis 4 Dioptrien kann auch eine Laserbehandlung zur Anwendung kommen. Sofern medizinisch notwendig - und wenn z.B. das Benützen von Kontaktlinsen wegen einer Unverträglichkeit nicht möglich ist - werden die Kosten eventuell von der Krankenkasse übernommen. Hier empfiehlt es sich, individuell Rücksprache mit der Versicherung zu halten. Ansonsten müssen Betroffene die Operation aus eigener Tasche zahlen. Pro Auge können dafür - je nach Umfang des Eingriffs - rund 2.000 Euro fällig werden.

Das können Sie selber tun

Eine Hornhautverkrümmung kann man grundsätzlich nicht vorbeugen, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt sind aber empfehlenswert. Kopfschmerzen und müde Augen können beispielsweise auf Sehstörungen, wie etwa eine Hornhautverkrümmung, hinweisen. In solchen Fällen hat der Arzt die Möglichkeit, entsprechende Therapiemaßnahmen (z.B. Brille oder Kontaktlinsen) zu verordnen.

Fragen an den Arzt

  • Trotz Brille fangen meine Augen beim Lesen schnell zu brennen an. Was soll ich tun?
  • Ist es möglich, dass ich wegen meiner Hornhautverkrümmung nicht zur Führerscheinprüfung zugelassen werde?
  • Kann ich trotz einer Hornhautverletzung harte Kontaktlinsen tragen?
  • Welche Untersuchungen sind vor einer Laseroperation notwendig?
  • Wie erfolgsversprechend sind solche Eingriffe? Welche Risiken gibt es?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Ahmad Abadi

Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Wien

http://abadi.at/index.html

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: H18

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