Hörsturz

Bis zu 80 % der Betroffenen haben gute Heilungschancen

Hörsturz: Ohr
Bei etwa 50 % der Hörsturz-Betroffenen verschwinden die Beschwerden von selbst wieder. (Voyagerix - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Schwerhörigkeit

Unter dem Begriff "Hörsturz" versteht man eine plötzliche Hörverminderung ohne bekannte Ursache. Der Hörsturz ist ein Symptom und keine Krankheit. Die Ursache, die hinter dem Symptom steckt ist unbekannt.

Der Hörsturz zählt zu den Innenohrerkrankungen. Neben Schwindel können auch Ohrgeräusche (Tinnitus) Begleiterscheinungen sein. Viele Menschen interpretieren vor allem ihren Hörverlust zunächst falsch. Sie tippen beispielsweise auf einen Ohrenschmalz-Pfropf, der bei der Schwerhörigkeit eine Rolle spielt, und gehen daher erst spät zum Arzt. Ist die Hörminderung nach 48 Stunden jedoch nicht verschwunden, sollten die Ursachen medizinisch abgeklärt werden. Liegt tatsächlich ein Hörsturz vor, gilt: Je früher eine Therapie erfolgt, desto größer sind die Chancen auf vollständige Heilung.

Ursachen

Häufigkeit von Hörsturz

Während Kinder sehr selten die Erfahrung eines Hörsturzes machen, sind Erwachsene weitaus öfter davon betroffen. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es aber keine. Meist tritt der Hörsturz ab 30 bzw. 40 Jahren auf, kann aber ebenso in höheren Altersgruppen vorkommen. Pro Jahr erhalten in Österreich zwischen 1.500 und 2.000 Menschen die Diagnose Hörsturz.

Hörsturz: Ursachen / Symptome / Verlauf

Eine reduzierte Hörfähigkeit wird zunächst oft mit einem Ohrenschmalz-Pfropf, der den äußeren Gehörgang verstopft, oder einem Tubenkatarrh - einer Entzündung der Ohrtrompete - in Verbindung gebracht. Die Ursache des plötzlichen, unterschiedlich stark ausgeprägten Hörverlusts kann aber ebenso mit den Sinneszellen im Innenohr zusammenhängen. Eine Unterscheidung ist für den Betroffenen nicht möglich, da die Symptome ident sind. Begleitet wird ein Hörsturz auch von einem Tinnitus (Ohrgeräusch), diesen kennen viele Menschen von übermäßiger Lärmbelastung (z.B. Disco). Hier kommt es meist innerhalb von 12 Stunden zum Verschwinden des Ohrgeräusches, bleibt dieses jedoch länger als 48 Stunden bestehen, sollte ein Facharzt aufgesucht werden.

Da das Innenohr aus 2 Teilen besteht - der Schnecke für das Hören und dem Labyrinth für das Gleichgewicht - ist manchmal auch der 2. Teil - das Labyrinth - mit betroffen und es kommt auch zu einem Schwindel.

Die genauen Ursachen eines Hörsturzes sind unklar.

Als Risikofaktoren für einen Hörsturz gelten laut Untersuchungen vor allem:

Zu unterscheiden sind Schädigungen durch:

  • laute Musik durch Kopfhörer
  • Knalltraumata (z.B. als Folge von Silvesterraketen)
  • berufsbedingte Lärmbelastungen

Diese gelten als Lärmschäden, sie zeigen bei der Untersuchung zwar die gleichen Befunde und werden auch der gleichen Therapie zugeführt, aber gelten nicht als Hörsturz, da es ja eine bekannte Ursache für den Schaden gibt. Verspannungen der Nackenmuskulatur werden ebenfalls als mögliche Ursache für den Hörsturz angegeben, da Halswirbelsäule und Ohr miteinander verbunden sind.

Der Hörsturz selbst und der einhergehende Hörverlust können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Beginnend bei wenigen Dezibel gibt es auch Fälle bis zur vollständigen Gehörlosigkeit.

Hörsturz-Arten

Wie sich die Hörminderung für die Betroffenen genau äußert, kann im Einzelfall sehr verschieden sein und hängt im Wesentlichen von der Art des vorliegenden Hörsturzes ab:

  • Tiefton-Hörsturz: tiefe Töne werden schlechter wahrgenommen. Je tiefer der Ton, desto weniger wird dieser vom betroffenen Ohr erfasst.
  • Hochton-Hörsturz: der Hörverlust macht sich besonders in hohen Tonlagen bemerkbar.
  • Mittelfrequenz-Hörsturz: Die Betroffenen nehmen sowohl hohe als auch tiefe Töne auf. Das Problem besteht hier bei den mittleren Tonfrequenzen.

Bleibt ein hochgradiger Hörsturz unbehandelt, kann dies bis hin zur völligen Gehörlosigkeit führen.

Bei etwa 50 % der Betroffenen verschwinden die Beschwerden von selbst wieder. Dennoch sollte man einen Hörsturz nicht auf die leichte Schulter nehmen - und vor allem bei plötzlich stark ausgeprägtem Hörverlust umgehend einen Arzt konsultieren. Ein rascher Therapiebeginn erhöht die Chancen auf vollständige Genesung.

Andere Ursachen für die unerwartet reduzierte Hörwahrnehmung können z.B. auch eine vorliegende Mittelohrentzündung (Otitis) oder ein Ohrenschmalz-Pfropf im äußeren Gehörgang sein.

Diagnose von Hörsturz

Wenn ein Ohrenschmalz-Pfropf das Ohr verstopft, wird dieses zunächst gereinigt. Zur Druckmessung des Trommelfells fertigt der Arzt ein Tympanogramm an und untersucht das Mittelohr auf eventuelle Verletzungen. Da auch zu hohe Blutwerte für einen Hörsturz mitverantwortlich sein können, gehört eine Blutdruckmessung ebenfalls zu einer ausführlichen Diagnosestellung.

Um herauszufinden, ob und inwieweit eine Hörverminderung besteht, wird außerdem ein Hörtest durchgeführt (Reintonaudiogramm). Der betroffene Patient bekommt durch Kopfhörer mehrere Frequenzen angeboten, die er - bei intaktem Gehör - gut hören sollte. Ist das nicht der Fall, könnte der Hörverlust auf einen Hörsturz hinweisen.

Um jedoch sicherzustellen, dass keine Raumforderung den Hörnerv geschädigt hat, sollte immer eine MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) veranlasst werden, denn auch eine Raumforderung kann unter der Therapie kleiner werden und zum Verschwinden der Beschwerden führen.

Therapie von Hörsturz

Bei einem Hörsturz sollten so rasch wie möglich entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet werden. Je früher das geschieht, umso größer sind die Heilungschancen. Sofern der betroffene Patient nicht an einem sehr schwankenden oder sehr hohen Blutdruck leidet, und auch Diabetes ausgeschlossen werden kann, wird ihm zunächst Kortison entweder als Infusion oder in Tablettenform verabreicht. Weiters gibt es eine Vielzahl durchblutungsfördernder Medikamente, die zur Anwendung kommen können. Die Behandlung erstreckt sich meist über die Dauer von 14 Tagen.

Darüber hinaus können Stressreduktion, Psychotherapie sowie Massagen zur Lockerung der Nackenmuskulatur den Behandlungsverlauf positiv beeinflussen.

Tritt innerhalb von zirka 2 Monaten seit Beginn des Hörsturzes keine vollständige Erholung ein, ist mit einer weiteren Besserung nicht mehr zu rechnen. Je nach Ausmaßder Beeinträchtigung kann in solchen Fällen ein Hörgerät das Leben wesentlich erleichtern. 60 bis 70 % der Betroffenen erlangen jedoch schon nach etwa einer Woche eine deutliche Steigerung ihres Hörvermögens.

Hörsturz: Was können Betroffene zusätzlich tun?

Da der genaue Auslöser eines Hörsturzes bislang noch unbekannt ist, gibt es auch kein allgemeingültiges "Patentrezept" für eine effektive Vorbeugung, wohl aber einige hilfreiche Tipps:

  • Gönnen Sie Ihren Ohren auch mal Ruhe. Hören Sie z.B. Ihre Musik durch Kopfhörer in angemessener Lautstärke.
  • Vor berufsbedingtem Lärm können Sie sich durch das Einhalten von Lärmschutzmaßnahmen (z.B. Tragen von Ohrstöpseln oder Gehörschutzkopfhörern) schützen.

Entspannung im Alltag hilft: Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sind gute Möglichkeiten dafür.

Fragen an den Arzt

  • Wie kann ich feststellen, ob mein Hörverlust altersbedingt oder auf einen Hörsturz zurückzuführen ist?
  • Ich bin schwanger und habe einen Hörsturz erlitten. Kann das negative Auswirkungen auf mein ungeborenes Baby haben?
  • Können auch vorübergehende Ohrgeräusche schon ein Anzeichen für einen Hörsturz sein?
  • Ab welchem Hörverlust sollte ich mich in Behandlung begeben?
  • Darf ich trotz meines Hörsturzes fliegen?
  • Wie groß ist die Gefahr, dass ich erneut einen Hörsturz bekomme?

Weiterführende Informationen

  • Hörsturz - und danach? Entstehung, Nachsorge, Vorbeugung. Ein Ratgeber für Betroffene und Fachleute, R.-G. Klomsdorff, R. Asanger-Verlag, 5. aktualisierte Auflage, Kröning, 2010

  • Broschüre: "Akuter Tinnitus und Hörsturz“, hrsg. durch Deutsche Tinnitus-Liga e.V.

  • Lärmschutz für Österreich (03.05.2016)

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Temmel

Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten

Wahlarzt

Website

Quellen