Herz außer Takt

EKG bei Herzrhythmusstörungen
Das Elektrokardiogramm (EKG) bildet die Basis-Untersuchung bei Herzrhythmusstörungen. (Kzenon - Fotolia.com)

Bei Herzrhythmusstörungen gerät das Herz außer Takt. Es schlägt entweder zu langsam oder zu schnell oder mit zu vielen Pausen dazwischen.

Zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen zählt das Vorhofflimmern, bei dem die Vorhöfe des Herzens unkoordiniert und in zu hohem Tempo arbeiten. Nicht alle Herzrhythmusstörungen verursachen Beschwerden, kurzfristige Rhythmusstörungen sind oft harmlos. Treten Anzeichen wie Schwindel, Ohnmachtsanfälle, verminderte Leistungsfähigkeit sowie Schmerzen in der Herzgegend auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Überblick

Wann spricht man von Herzrhythmusstörungen?

Ein gesundes Herz schlägt durchschnittlich zwischen 60 bis 100x in der Minute. Wenn die Herzschläge stark verlangsamt, beschleunigt oder unregelmäßig sind, spricht man von einer Herzrhythmusstörung (Arrhythmie). Herzrhythmusstörungen kommen sehr häufig vor. Manche werden gar nicht als solche wahrgenommen, andere machen sich in Form von Herzklopfen oder Herzstolpern bemerkbar.

Nicht alle Unregelmäßigkeiten des Herzschlags sind krankhaft. Änderungen der Herzfrequenz sind auch beim gesunden Menschen in vielen Situationen normal und haben nichts mit einer Herzrhythmusstörung zu tun. Von einer krankhaften Störung spricht man erst dann, wenn die Herzrhythmusstörungen Beschwerden verursachen, länger anhalten, besonders stark ausgeprägt sind oder häufig wiederkommen.

Folgen von Herzrhythmusstörungen

Manche Rhythmusstörungen verursachen kaum bis gar keine Beschwerden. Herzrhythmusstörungen können aber auch mit Schwindel, Unwohlsein, Schwächeanfällen, kurzer Bewusstlosigkeit, Angstgefühlen, Schweißausbrüchen oder Atemnot verbunden sein. Manche Patienten verspüren dabei auch ein Herzrasen oder Herzstolpern. Besteht die Störung länger, kann sie das Herz schwächen. Das Risiko für einen Schlaganfall oder einen plötzlichen Herztod steigt.

Verschiedene Formen von Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen werden nach dem Ort ihrer Entstehung und ihren Auswirkungen auf den Herzrhythmus unterschieden. Liegt die Ursache im Bereich der Herzkammern (Ventrikel) spricht man von einer ventrikulären Herzrhythmusstörung. Von einer supraventrikulären Herzrhythmusstörung ist dann die Rede, wenn die Störung in den Vorhöfen oder im AV-Knoten (die Verbindung zwischen Vorhof und Kammer) entsteht.

Wird der Herzrhythmus durch die Herzrhythmusstörung beschleunigt, handelt es sich um eine Tachykardie (schneller Herzschlag). Verlangsamt sich der Puls, spricht man von einer Bradykardie (langsamer Herzschlag).

Die häufigsten Formen sind:

  • Extrasystolen: Darunter versteht man einen Herzschlag, der außerhalb des normalen Herzrhythmus auftritt.
  • Reizleitungsstörungen: Die elektrischen Impulse des Reizleitungssystems können nicht ordnungsgemäß weitergeleitet werden.
  • Tachykardie bezeichnet starkes Herzrasen mit einem anhaltenden, schnellen Herzrhythmus von mehr als 100 Schlägen pro Minute.
  • Bradykardie liegt dann vor, wenn die Herzfrequenz im Ruhezustand über einen längeren Zeitraum unter 50 Schlägen pro Minute liegt.
  • Vorhofflattern und Vorhofflimmern: Während die Herzkammern regelmäßig Blut pumpen, geraten die Vorhöfe aus dem Rhythmus. Sie arbeiten unkoordiniert und viel zu schnell. Beim Vorhofflimmern liegt die Schlagfrequenz in den Vorhöfen bei über 350. Normal sind 60 bis 100 Schläge pro Minute.

Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Als häufigste Ursache für Herzrhythmusstörungen kommen Erkrankungen des Herzens wie zum Beispiel Einengung der Herzkranzgefäßen und Herzschwäche in Frage. Rhythmusstörungen können aber auch ein Begleitsymptom von Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Schilddrüsenfunktionsstörungen sein. Manche Herzrhythmusstörungen können mittels invasive Verfahren fast geheilt werden, bei manchen muss man andere Verfahren zur Therapie wie Medikamente,  Herzschrittmacher oder Defibrillator einsetzen.

Herzrhythmusstörungen können, müssen aber nicht zwingend krankhafte Ursachen haben. Sie können auch bei gesunden Menschen vorkommen.

Äußere Ursachen

  • Psychische Erregungszustände: Nervosität, Aufregung und Angst können den Herzrhythmus durcheinander bringen.
  • Nebenwirkung von Medikamenten: Manche Medikamente zur Behandlung von Depressionen sowie bestimmte Betablocker können zu Herzrhythmusstörungen führen.
  • Mangelzustände: Herzrhythmusstörungen treten oft in Folge eines unausgewogenen Mineralstoffhaushalts auf. Besonderes empfindlich reagiert das Herz auf einen Mangel an Kalzium, Phosphor, Kalium und Magnesium.
  • Übermäßiger Koffeinkonsum (Kaffee, Cola, Energy-Drinks)
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch

Organische Ursachen

Symptome von Herzrhythmusstörungen

Je nach Form treten bei Herzrhythmusstörungen unterschiedliche Symptome auf. Extrasystolen vermitteln dem Betreffenden häufig ein Gefühl von Herzstolpern oder Aussetzern der Herzaktivität. Starke Veränderungen der Herzfrequenz führen zu einem Abfall des vom Herzen transportierten Blutvolumens. Die Folge ist eine Mangeldurchblutung, die mit Schwindel und Ohnmacht einhergeht.

Allgemeine Symptome:

  • Herzstolpern
  • Herzrasen und Herzklopfen
  • Benommenheit und Schwindel
  • reduzierte Belastbarkeit
  • kurzzeitige Bewusstseinsverluste (Ohnmachtsanfälle)
  • Schmerzen in der Herzgegend
  • vorübergehende Seh- und Sprachstörungen

Diagnose von Herzrhythmusstörungen

Eine genaue Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob die Herzrhythmusstörung harmlos oder behandlungsbedürftig ist. Dem Arzt stehen dazu verschiedene Diagnosemethoden zur Verfügung.

  • EGK: Das Elektrokardiogramm bildet die Basisuntersuchung bei Herzrhythmusstörungen. Im aufgezeichneten Kurvenverlauf ist genau zu erkennen, ob das Geschehen von den Herzvorhöfen oder den Herzkammern ausgeht. Außerdem kann der Arzt dadurch beurteilen, wie sich die Rhythmusstörung auf die Herztätigkeit auswirkt.
  • Langzeit-EKG über 24 Stunden (Holter-EKG) Wird hautsächlich dann angewandt, wenn die Rhythmusstörung im Zuge einer kurzen Untersuchung nicht ausreichend erfasst werden kann. Das Langzeit-EKG zeigt noch genauere Ergebnisse auf.
  • Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie): Der Ultraschall ermöglicht die Beurteilung von Struktur und Funktion des Herzens.
  • Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie): Bei der Herzkatheteruntersuchung werden die Herzkammern sowie die Herzkranzgefäße auf einem Röntgen-Bildschirm sichtbar. Sie wird vor allem bei Personen angewandt, deren Herzrhythmusstörungen sich nicht genau beschreiben lassen. Ein Beispiel dafür sind Menschen, die einen plötzlichen Herzstillstand überlebt haben.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU):Über mehrere Elektrodenkatheter werden die elektrischen Signale an verschiedenen Stellen des Herzens registriert und die Herzrhythmusstörung mit Hilfe von nicht spürbaren Schrittmacherimpulsen ausgelöst.

Therapie von Herzrhythmusstörungen

Nicht jede Herzrhythmusstörung muss behandelt werden. Die Therapienotwendigkeit richtet sich nach der Diagnose und ist vor allem dann erforderlich, wenn Leistungsfähigkeit und Lebensqualität eingeschränkt sind, der Patient starke Beschwerden hat bzw. die Störung eine gesundheitliche Gefährdung darstellt. Medikamente oder eine Behandlung mit elektrischen Impulsen bringen das Herz wieder in Takt.

Behandlung mit Medikamente

Wirkstoffe aus der Gruppe der Antiarrhythmika

  • stellen den normalen Herzrhythmus wieder her
  • kontrollieren die Herzschläge in der Herzkammer und
  • wirken durch die Verdünnung des Blutes der Gefahr eines Schlaganfalls entgegen.

Behandlung mit elektrischen Impulsen

  • Herzschrittmacher: Ein Herzschrittmacher registriert die Herztätigkeit und gibt im Bedarfsfall elektrische Impulse ab. Diese bewirken eine Kontraktion des Herzens. Ein Herzschrittmacher wird unter anderem dann eingesetzt, wenn das Herz zu langsam schlägt oder zu lange Pausen macht.
  • Katheterablation: Dabei wird das Muskelgewebe, das die Rhythmusstörung verursacht entweder mit Hitze oder Kälte verödet. Die Weiterleitung der fehlerhaften Impulse wird so unterbunden.
  • Kardioversion: Ist die Bezeichnung für einen in Narkose durchgeführten Elektroschock, der den normalen Herzrhythmus wieder herstellt. Wird häufig durch medikamentöse Maßnahmen ergänzt.
  • Implantierbarer Kardioverter (Defibrillator, ICD) Ein Defibrillator ist ein kleines, batteriebetriebenes, chirurgisch implantiertes Gerät, das einen Elektroschock über eine zugehörige Elektrode ans Herz abgibt. Die Maßnahme wird unter anderem dann angewandt, wenn medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.

Fragen an den Arzt

  • Kommen auch bei einem Gesunden Herzrhythmusstörungen vor?
  • Wann muss ich Medikamente nehmen?
  • Kann ich mit einer Herzrhythmusstörung überhaupt Sport betreiben?
  • Sind Herzrhythmusstörungen erblich?
  • Inwiefern unterscheiden sich die Beschwerden bei Herzrhythmusstörungen und einem Herzinfarkt?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. M. Reza Talebzadeh

Kardiologe

Ambulatorium für Herz-Kreislauf Diagnostik und Therapie, Salzburg

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: I47; I48; I49

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