Hernie (Weichteilbruch)

Sie kommt am häufigsten in Form des Leistenbruchs vor

Hernie: Betroffener fasst sich mit beiden Händen an den Bauch.
Die häufigsten Ursachen für einen Weichteilbruch sind Gewebeschwachstellen in der Bauchwand. (Kitty - Fotolia.com)

Eine Hernie, auch Bruch genannt, liegt vor, wenn Gewebe oder Teile eines inneren Organs ihren eigentlichen Platz in der Körperhöhle verändern und durch eine Gewebeschwachstelle der Bauchwand austreten.

Zu den häufigsten Hernienarten zählen die Hiatushernie und der Leistenbruch. Viele Hernien, die sich als weiche, hervorstehende Wölbungen der Bauchwand bemerkbar machen, verlaufen symptomlos, treten aber Schmerzen auf, ist das ein Zeichen dafür, dass die Abklemmung eines inneren Organs droht. Dann muss der Bruch operiert werden: Bei Kindern wird meist mit einer Naht die Öffnung der Bauchdecke geschlossen, bei Erwachsenen häufig die Bauchdecke an ihrer Bruchstelle durch ein Kunststoffnetz verschlossen.

Häufigkeit

Hernien sind die häufigste Ursache für Operationen - rund 10 bis 15 % aller allgemeinchirurgischen Eingriffe sind Hernienoperationen. Da im Alter das Bindegewebe generell schwächer wird, sind ältere Menschen anfälliger für Hernien.

Der Leistenbruch ist die häufigste Form der Hernie. Männer sind etwa 10-mal so häufig betroffen wie Frauen - das liegt daran, dass Samenstrang und Blutgefäße zur Versorgung der Hoden die Bauchdecke durchdringen müssen und somit eine natürliche Schwachstelle bilden. Bei Frauen besteht nur eine kleinere Schwachstelle durch das Mutterband.

Was ist eine Hernie?

Die Lücke, durch die das innere Organ (Darm, Magen,…) austritt, kann angeboren sein, aber auch als Folge einer Schwachstelle der Bauchwand oder des Zwerchfells auftreten. Je nachdem, wo die Hernie auftritt, wird sie unterschiedlich bezeichnet. Zu den häufigsten Hernien zählen:

  • Narbenhernie (Hernia cicatrica): Eine Operationsnarbe an der Bauchdecke bildet die Schwachstelle.
  • Nabelhernie (Umbilicalhernie): Eingeweide treten direkt am oder um den Nabel herum aus. Besonders häufig tritt diese Form der Hernie bei Kleinkindern und Frauen kurz nach der Entbindung auf.
  • Leistenbruch (Hernia inguinalis): Es kommt zu einer Vorwölbung in der Leiste. Man unterscheidet einen direkten und einen indirekten Bruch. Letzterer folgt beim Mann dem Samenstrang und bei der Frau dem Aufhängeband (Mutterband) der Gebärmutter. Als Sonderform tritt der Schenkelbruch unterhalb des Leistenbandes auf und bildet eine Wölbung in Richtung Schenkelinnenseite.
  • Zwerchfellhernie (Hiatushernie): Beim Zwerchfellbruch verschieben sich Teile des Magens oder der ganze Magen in den Brustbereich.

Als äußere Hernien werden jene Brüche bezeichnet, die durch die Bauchdecke austreten. Diese bilden eine sackartige Ausstülpung (Bruchsack) unter der Haut, die als kleine Wölbung zu erkennen ist. Aufgrund anatomischer Unterschiede (z.B. zwischen Männern und Frauen oder unterschiedliche Stärke des Bindegewebes) sind manche Menschen von bestimmten Formen der Hernie öfter betroffen als andere. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Bruchs allgemein zu.

Symptome

Die Symptome einer Hernie können verschieden und unterschiedlich stark ausgeprägt sein; oft treten aber auch gar keine Symptome auf. Ein Leistenbruch ist wahrscheinlich, wenn in Folge der Belastungen der Bauchdecke eines dieser Symptome auftritt:

  • stechender, ziehender Schmerz in der Leistengegend
  • Wölbung oder Rötung in der Leistengegend
  • Darmverschluss mit Erbrechen (bei Darmeinklemmung)

Die Hiatushernie

Die Hiatushernie ist die häufigste Form des Zwerchfellbruchs. Die Bruchstelle befindet sich auf Höhe des Übergangs zwischen Magen und Speiseröhre. Bei entsprechender Größe können Teile des Magens in den Brustkorb gelangen. Diese Form der Hernie hat als Leitsymptom Sodbrennen, Aufstoßen und Völlegefühl, zeigt aber in vielen Fällen auch keine Symptome. Manchmal setzen diese nur in bestimmten Körperhaltungen (Liegen oder Bücken) und nach reichhaltigen Mahlzeiten ein. Druck- und Blähgefühle in der Magengegend lassen oft nach einmaligem Aufstoßen nach. Bei Verdacht sollte eine Diagnostik durch einen Spezialisten zumindest mit einer Gastroskopie erfolgen.

Erster Behandlungsschritt ist die Umstellung der Ernährung: Kleinere und leicht verdauliche Mahlzeiten sowie der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Fett. Sollte diese Therapie auch in Kombination mit Medikamenten nicht zum gewünschten Erfolg führen, erfolgt eine Operation - minimal invasiv (laparoskopisch). Dabei wird der Zwerchfellbruch verschlossen und ein kleiner Teil des Magens als Manschette um die Speiseröhre geschlungen.

Ursachen von Hernien

Wie die meisten Hernien kann der Leistenbruch entweder angeboren oder erworben sein. Ein angeborener Leistenbruch entsteht durch eine Öffnung der Bauchdecke am Leistenkanal. Der erworbene Leistenbruch entsteht durch Überlastung oder altersbedingte Schwäche der Bauchdecke. Schließt sich die Bauchdecke nicht ausreichend, können Flüssigkeit und innere Organe wie Darmschlingen oder ein Eierstock aus der Bauchhöhle austreten. Belastend für die Bauchdecke sind:

Mögliche Folgen

Hernien können neben Beschwerden auch schwerere Komplikationen verursachen. Es kann zu Einklemmung oder gar Abklemmung des betroffenen Organs (oder eines Teils, z.B. einer Darmschlinge) kommen, wodurch die Durchblutung beeinträchtigt wird. Ein eingeklemmter Bruch ist ein medizinischer Notfall und muss rasch medizinisch versorgt werden. Insgesamt verursachen kleinere Brüche meist heftigere Beschwerden und neigen eher zur Einklemmung als große.

Therapie

Eine Hernie muss behandelt werden, wenn sie Beschwerden verursacht oder der Bruch nicht mehr leicht zurückgedrückt werden kann. Bei symptomlos verlaufenden Hernien ist kein Eingriff notwendig. Die einzige Therapiemöglichkeit ist eine Operation. Es gibt verschiedene Arten, eine Hernie zu operieren. Prinzipiell kann man zwischen 2 Methoden unterscheiden:

  • Netzfreie Techniken werden meistens bei Patienten im Kindes- und Jugendalter eingesetzt: Hierbei wird mittels einer Naht die Öffnung der Bauchdecke verengt, sodass sich der Bruch nicht nach außen wölben kann. Eine dieser Techniken ist das sogenannte "modifizierte Shouldice"-Verfahren. Im Erwachsenenalter werden meistens Techniken mit Kunststoff angewendet.
  • (Kunststoffverstärkende) Netzverfahren: Bei den Netzverfahren wird die Bauchdecke an ihrer Bruchstelle durch ein Kunststoffnetz verschlossen. Besonders gebräuchlich bei einer Hernie sind das Liechtenstein-Verfahren und die transabdominale präperitoneale Netzimplantation (TAPP). Beim Liechtenstein-Verfahren wird der Bruch durch einen Schnitt offengelegt und das Netz so aufgetragen. Die TAPP wird als laparoskopische Operation ("Schlüssellochoperation") durchgeführt. Dabei wird mittels Bauchhöhlenspiegelung die Bruchstelle gesucht und mit einem Kunststoffnetz verschlossen.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Wurde eine Hernie diagnostiziert, so müssen in erster Linie die Empfehlungen des Arztes genau befolgt werden - vor allem hinsichtlich schwerer körperlicher Betätigung/Arbeit und Sport. Alles, was den Druck in der Bauchhöhle erhöht, sollte möglichst gemieden werden. Menschen, die unter Obstipation (Verstopfung) leiden, sollten z.B. durch Ernährungsumstellung versuchen, einen normalen Stuhlgang zu erreichen. Prostataveränderungen, die das Wasserlassen erschweren, gehören behandelt. Übergewichtige sollten sich außerdem um eine Optimierung des Körpergewichtes bemühen.

Fragen an den Arzt

  • Muss mein Bruch operiert werden?
  • Falls ja: Wie schwer ist der Eingriff und wann kann ich danach wieder arbeiten/Sport betreiben?
  • Was kann ich tun, um einem erneuten Bruch vorzubeugen?
  • Schon vor Jahren wurde bei mir ein Bruch diagnostiziert. Kann dieser gefährlich werden?
  • Welche Sportarten kann ich trotz meines Bruchs betreiben?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Thomas Winkler

Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Wien

Quellen

ICD-10: K46; K46.0, K46.1, K46.9

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