Das Gehirn

Man sieht die beiden Gehirnhälfte und ein Nervengeflecht in einem schematisch blauen Kopf
Das Gehirn besteht aus vielen Nervenzellen, die sehr spezialisiert sind und für verschiedene Aufgaben zuständig sind (JohanSwanepoel - Fotolia.com)
Das Gehirn steuert zentrale überlebensnotwendige Funktionen, wie den Kreislauf, die Atmung oder das Schlafverhalten, sowie auch sehr spezielle und komplexe Abläufe und Reflexe.

Es produziert Hormone und ist als "Geist" in Lern- und Denkabläufe involviert. Ohne das Gehirn könnten wir Seh-, Riech- oder Höreindrücke nicht verarbeiten. Kein Wunder, dass das Gehirn also gut geschützt durch eine harte Knochendecke in der Schädelhöhle liegt. Erkrankungen des Gehirns können nur bedingt vorgebeugt werden.

So ist eine ausgewogene Ernährung mit viel ungesättigten Fettsäuren und pflanzlichen Ölen förderlich für eine gute Gedächtnisleistung bis ins hohe Alter. Auch Bewegung und ein niedriger Blutdruck können etwa einen Schlaganfall verhindern. Andere Erkrankungen, wie etwa Parkinson, können hingegen nur symptomatisch medikamentös behandelt werden.

Wie funktioniert das Gehirn?

Die Funktion des Gehirns ist sehr komplex und wird von dem Zusammenspiel vieler Strukturen bestimmt. Dabei spielen sowohl chemische (Neurotransmitter) als auch elektrophysiologische und morphologische Prozesse (neuronale Netze) eine Rolle. Das Gehirn wird zusammen mit dem Rückenmark unter dem Begriff des zentralen Nervensystems zusammengefasst. Im Feinbau besteht das Gehirn aus ganzen vielen Nervenzellen, die sehr spezialisiert sind und für verschiedene Aufgaben zuständig sind. Es gibt beispielsweise Nervenzellen, die für die Verarbeitung von Schmerzreizen oder Sinneseindrücken zuständig sind. Manche Nervenzellen übernehmen aber auch die Aufgabe, Handlungsabläufe zu koordinieren oder Blutdruck und Körpertemperatur zu regulieren.

Reflexe schützen vor Gefahr

Gelangt etwa ein Schmerzreiz, der beispielsweise durch den Griff auf eine zu heiße Herdplatte entstanden ist, ins Gehirn, verläuft er zuerst über einen Nerv bis zum Rückenmark und von dort zum zuständigen Gehirnareal. Hier erfolgt die Erkennung des Schmerzes und als Resultat das Zurückziehen der Hand von der heißen Herdplatte. Diese komplexe Reflexabfolge wird zum größten Teil durch das Gehirn gesteuert und dient auch dem Schutz vor Gefahren.

Wie ist das Gehirn aufgebaut?

Das Gehirn besteht aus 2 Hälften, auch linke und rechte Hemisphären genannt. Die beiden Hälften sind in der Mitte durch einen Balken verbunden. Funktionell kann das Gehirn in 4 Bereiche aufgeteilt werden:

  • Das Großhirn: ist der größte Teil und macht in etwa 80 % der gesamten Hirnmasse aus. Es besteht aus Furchen und Windungen, wodurch sich die Oberfläche des Großhirns noch einmal vergrößert. Man kann mikroskopisch die graue und die weiße Substanz unterscheiden.
  • Das Kleinhirn: nimmt eine wichtige Funktion in der Koordination und Steuerung der Feinmotorik und der Reflexe ein.
  • Das Zwischenhirn: enthält den Thalamus und Hypothalamus, die eine wichtige Schaltzentrale für den Hormonhaushalt sind.
  • Der Hirnstamm: liegt unterhalb des Zwischenhirns und besteht aus dem verlängerten Rückenmark, der Brücke und dem Mittelhirn.

Welche Aufgaben hat das Gehirn?

Jeder Bereich des Gehirns ist für eine andere Aufgabe zuständig. Das Zusammenspiel vieler Strukturen gewährleistet einen reibungslosen Ablauf vieler Körperfunktionen.

Großhirn

Das Großhirn wird in verschiedene Lappen unterteilt, von denen jeder eine andere Aufgabe hat.

  • Frontallappen: Hier werden Bewegungsabläufe koordiniert und kognitive Prozesse ausgeführt. Er kontrolliert auch unsere Affekte.
  • Parietallappen: Hier werden sensorische Informationen und Reize verarbeitet. Auch die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit, das räumliche Denken, Lesen und Rechnen werden hier ermöglicht.
  • Temporallappen: Hier befindet sich das Sprachzentrum, das für das Sprachverständnis zuständig ist. Außerdem liegt im Temporallappen auch der Hippocampus, der für Gedächtnis und Lernen verantwortlich ist und die Amygdala, die Gefühle reguliert.
  • Okzipitallappen: Im Okzipitallappen liegt das Sehzentrum. Hier werden Seheindrücke gesammelt und verarbeitet.

Kleinhirn

Das Kleinhirn (Zwischenhirn) hat die Aufgabe, Bewegungsabläufe abzustimmen und zu koordinieren.

Die wichtigsten Berreiche des Zwischenhirns sind der Thalamus und der Hypothalamus:

  • Der Thalamus: Er leitet sensibel-sensorische Impulse an das Großhirn weiter und macht sie diesem erst zugänglich, indem sie so verarbeitet werden, dass das Großhirn sie bearbeiten kann. So werden etwa Schmerzen und sensible Reize über die Nervenfasern zum Thalamus geleitet, dort verschaltet und weiter an das Großhirn gesendet.
  • Der Hypothalamus: Er regelt wichtige Vorgänge des Hormonhaushalts, wie etwa den Schlafrhythmus, das Temperaturempfinden, die Nahrungs- und Wasseraufnahme oder das Sexualverhalten.

Hirnstamm

Der Hirnstammkontrolliert verschiedene Reflexe, etwa den Hustenreflex, den Harndrang, Schlucken und Erbrechen. Außerdem werden hier die Atmung, die Kreislauffunktion und die Bewusstseinslage koordiniert. Eine Schädigung in diesem Bereich des Gehirns ruft sehr schwerwiegende Syndrome hervor, die mit einer komatösen Bewusstseinslage einhergehen können.

Welche Erkrankungen können auftreten?

Je nachdem welcher Abschnitt des Gehirns betroffen ist, können ganz verschiedene Erkrankungen auftreten.

Schlaganfall

Eine der häufigsten Erkrankungen des Gehirns ist der Schlaganfall. Er entsteht durch den Verschluss eines Gehirngefäßes gefolgt von einer Unterversorgung mit Sauerstoff des betroffenen Gebiets. Die Unterversorgung kann entweder durch ein Blutgerinnsel hervorgerufen werden, das das Gefäß verstopft, oder durch eine Blutung, ausgelöst durch ein geplatzes Gefäß. In beiden Fällen gelangt zu wenig Sauerstoff in den betroffenen Gehirnabschnitt bzw. wird Gehirnsubstanz zerstört.

Die Ursachen für einen Schlaganfall sind sehr vielseitig. Eine häufige Ursache sind Herzerkrankungem, wie etwa Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck. Embolien können auch zu einer Verstopfung der Hirngefäße führen. Es kann sich hierbei um Fett-, Luft- oder arterielle Embolien handeln. Einen besonderen Risikofaktor stellt die Arteriosklerose dar, die die Bildung von Plaque in den Gefäßen begünstigt. Diese Ablagerungen in den Gefäßen können sich unter bestimmten Umständen lösen und eine Embolie auslösen. Entzündliche Gefäßverschlüsse sollten ebenfalls in Betracht gezogen werden. Jedes Gehirngefäß versorgt einen bestimmten Gehirnabschnitt und je nachdem, welches Gefäß von dem Schlaganfall betroffen ist, treten unterschiedliche Symptome auf.

Parkinson

Parkinson entsteht durch den Untergang bestimmter Neuronen, also Nervenzellen, im Gehirn. Dadurch kommt es zu einer verminderten Ausschüttung von Dopamin, einem Botenstoff im Gehirn. Die Folge sind Symptome, die unter dem klassischen Parkinson-Trias zusammengefasst werden: Ruhetremor, Rigor und Akinese. Als Rigor wird eine Anspannung der Muskulatur ohne Widerstand bezeichnet. Von Ruhetremor spricht man, wenn eine Zitterbewegung der Extremität in Ruhe erfolgt und Akinese bezeichnet einen langsameren Bewegungsablauf, mit kleineren Schritten.

Behandelt wird die Parkinson-Erkrankung mit bestimmten Medikamenten, die die Dopamin-Freisetzung unterstützen oder die Wirkung des Botenstoffes Dopamin nachahmen.

Demenz

Unter dem Begriff der Demenz versteht man eine Verminderung der kognitiven Leistungen, die durch verschiedene Erkrankungen des Gehirns verursacht wird. Die bekannteste Form der Demenz ist die Demenz vom Alzheimer-Typ, die 69% aller Demenz-Erkrankungen ausmacht. Typisch für diese Form der Demenz ist die Beeinträchtigung des abstrakten Denkens, sowie die Persönlichkeitsveränderung, die mit depressiven Verstimmungen und euphorischen Gemütslagen einhergehen kann.

Tumore

Die Vielfalt der Tumore, die das Gehirn betreffen, ist sehr groß. Generell sind Gehirntumore aber eine seltene Erkrankung. Lediglich 8 bis 9 von 100.000 Einwohnern sind betroffen. Man unterscheidet zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren.

Zu den Symptomen zählen psychische Veränderungen, Sehstörungen, epileptische Anfälle und starke Kopfschmerzen. Tumore, wie etwa das Medullablastom, das Ependymom oder das pilozytische Astrozytom kommen vermehrt im Kindes- und Jugendalter vor. Glioblastome, Meningeome oder Neurinome hingegen treten hauptsächlich im Alter von über 50 Jahren auf.

Die Prognose hängt von der Art des Tumors ab. Glioblastome haben meistens eine sehr schlechte Prognose, da sie schnell wachsen und eine Operation meistens keine Heilung verschafft. Meningeome hingegen sind in den meisten Fällen gutartig und können ohne bleibende Schäden gut operativ entfernt werden.

Risikofaktoren

Für jede Gehirn-Erkrankung gibt es verschiedene Risikofaktoren.

Meist sind es Kombinationen aus genetischen und psychosozialen Faktoren. Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind hohe Blutdruckwerte und Arteriosklerose, die durch Rauchen, Übergewicht und fettreiche Ernährung begünstigt werden kann.

Demenzerkrankungen sind teilweise erblich bedingt. Sie können aber durch Vereinsamung im hohen Alter, depressive Verstimmungen oder bestehende Vorerkrankungen, wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Niereninsuffizienz, begünstigt werden

So bleibt das Gehirn gesund

Bestimmte degenerative Erkrankungen, wie etwa Demenz oder Alzheimer, können vorgebeugt werden. Die richtige Ernährung spielt hierbei eine wichtige Rolle. Vitamin B, das in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Salat, Milch, Eiern und Käse enthalten ist, fördert die Gedächtnisleistung. Außerdem sind auch Kohlenhydrate wichtig, die das Gehirn mit Zucker versorgen. Tierische Fette sollten durch Pflanzenöle ersetzt werden. Außerdem sind Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch und Pflanzenölen enthalten sind, sehr wichtig für eine gute Gedächtnisleistung. Nicht zuletzt sollte auch auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder Tee geachtet werden.

Das Gehirn ist auf eine ausreichende Sauerstoffzufuhr angewiesen. Sport und Bewegung fördern die Durchblutung und auf vielen Ebenen die Gesundheit des Gehirns. Durch Sport wird auch das Arterioskleroserisiko verringert und dadurch die Schlaganfallwahrscheinlichkeit gesenkt.    

Demenzerkrankungen können durch Gehirntraining, in Form von Kopfrechnen, Kreuzworträtseln, Lesen oder Pflege sozialer Kontakte vorgebeugt werden.

Da sich das Gehirn im Schlaf erholt, sollte auf eine ausreichende Schlafdauer geachtet werden. Hierbei sind 7 Stunden das Minimum an Schlaf. Schlafstörungen sollten mit dem Arzt abgeklärt werden.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Doz.

Dr. Gerald Gatterer

Psychologe und Psychotherapeut

Leiter der psychologisch-psychotherapeutischen Ambulanz und der Abteilung für psychosoziale Rehabilitation Geriatriezentrum am Wienerwald, www.gatterer.at

Quellen

ICD-10: C71, G93, I63, I64

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