Fatigue-Syndrom

Frau ist müde
Beim Fatigue-Syndrom kommt es zu bleierner Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit. (Andrzej Wilusz - Fotolia.com)
Anhaltende Müdigkeit selbst am Tag sowie eine geminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sind die deutlichsten Symptome des Fatigue-Syndroms (chronisches Erschöpfungssyndrom).

Betroffen sind häufig Krebskranke und Patienten neurologischer Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose). Obwohl die Ursachen des chronischen Erschöpfungssyndroms noch nicht ausreichend geklärt sind, geht man davon aus, dass Blutarmut (Anämie) häufig Auslöser der Symptome ist, die am späten Nachmittag zunehmen. Um die körpereigene Produktion roter Blutkörperchen anzuregen, sind Hormonspritzen daher eine verbreitete Therapiemethode.

Wie häufig tritt Fatigue auf?

Fatigue tritt als begleitendes Symptom häufig bei neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) oder Parkinson auf. 90 % der Betroffenen MS-Patienten berichten, mindestens unter leichten Ausprägungen des Erschöpfungssyndroms zu leiden. Sie beschreiben, dass die Tagesmüdigkeit und das dauerhafte Gefühl der Erschöpfung und Antriebslosigkeit sehr belastend sind.

Auch unter Krebspatienten ist das Syndrom weit verbreitet. Rund drei Viertel der Erkrankten berichten nach einer Strahlentherapie oder Chemotherapie über das Auftreten typischer Fatigue-Symptome.

Ursachen des Fatigue-Syndroms

Die Entstehung des Fatigue-Syndroms ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht aber davon aus, dass die häufigste Ursache der Erschöpfung Blutarmut (Anämie) ist. Dabei ist die Anzahl der roten Blutkörperchen, der sogenannten Erythrozyten, stark gesenkt. Aufgabe der roten Blutkörperchen ist es, den Sauerstoff in unserem Körper zu transportieren und damit die Organe zu versorgen.

Bei Krebskranken kann die Ursache daher sowohl in der Krankheit selbst, also am Tumor liegen, der die gesunden Zellen des Menschen angreift und den Körper damit schwächt, als auch an seiner Therapie. Bei der Chemo- und der Strahlentherapie, zur Behandlung krebskranker Patienten, werden nicht nur die Tumorzellen bekämpft, gleichzeitig gehen auch gesunde Zellen zugrunde. Blutarmut ist häufig eine Folge, sodass im weiteren Verlauf die Sauerstoffversorgung gemindert ist und sich der Betroffene schlapp fühlt.

Auch eine Mangelernährung an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure kann zu Blutarmut führen. Solch ein Mangel lässt sich anhand eines Bluttests feststellen und mit Hilfe entsprechender Ernährungsergänzungs-Präparate behandeln.

Zudem werden ernährungsbedingte und psychologische Faktoren als Ursachen für das Erschöpfungssyndrom diskutiert. Depressionen, frühere Traumata durch die Diagnose und Therapie einer schweren Erkrankung und posttraumatische Belastungsreaktionen können Auslöser des Fatigue-Syndroms sein, indem sich Ängste und Depressionen negativ auf die Lebensqualität auswirken.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Nebenwirkungen von Medikamenten, vor allem Schmerzmittel
  • Hormonmangel
  • Muskelabbau

Folgende Symptome sind charakteristisch für das Erschöpfungssyndrom:

  • anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, oft unabhängig von der Dauer des Schlafes
  • abnehmende Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • depressive Grundstimmung
  • Tagesmüdigkeit, die Aktivitäten stark einschränkt

Betroffene fühlen sich oft einer unbesiegbaren Krankheit ausgeliefert, ohne sich dagegen wehren oder auf den Verlauf Einfluss nehmen zu können. Das Erschöpfungsgefühl nimmt besonders am Nachmittag und am Abend zu, sodass Arbeit unerledigt liegen bleibt und Unternehmungen und soziale Kontakte kaum noch möglich sind.

Diagnose

Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Müdigkeit sind subjektive Empfindungen, für die es keine objektiven, ersichtlichen oder messbaren Veränderungen geben muss. Ein intensives Gespräch mit dem Arzt ist daher das grundlegende Diagnoseverfahren, um Fatigue festzustellen.

Zusätzlich dazu sollten aber zumindest die Blutwerte ermittelt werden. Ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure kann so gemessen und mit Hilfe entsprechender Ernährungs-Ergänzungs-Präparate behandelt werden. Von großem Interesse ist außerdem der Wert des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Dabei handelt es sich um einen eiweißhaltigen Blutfarbstoff, der Teil der roten Blutkörperchen ist und maßgeblich für den Transport des Sauerstoffs verantwortlich ist.

Therapie bei Fatigue

  • Bluttransfusion: Um der Blutarmut entgegenzuwirken, können Bluttransfusionen durchgeführt werden. Diese Maßnahme wirkt aber aufgrund der kurzen Lebensdauer der Blutkörperchen nur für rund 3 Wochen und müsste bei andauernden Symptomen daher häufig wiederholt werden.
  • Hormonspritze: Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Patienten 1 bis 2 Mal pro Woche das Hormon Erythropoetin zu spritzen, um die Produktion der roten Blutkörperchen im Knochenmark anzuregen.
  • Körperliche Aktivität: Ärzte verschreiben häufig eine langfristige Ergo- oder Physiotherapie. Auch andere körperliche Aktivitäten wie Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen wirken den Symptomen des Fatigue-Syndroms entgegen. Durch die Bewegung wird die Herzfrequenz erhöht, das Blut zirkuliert schneller durch den Körper, Endorphine werden freigesetzt, das Risiko für Depressionen wird dadurch gesenkt und vor allem erleben die Patienten ein Gefühl der Selbstbestimmung und des bewussten Umgangs mit der Krankheit.
  • Arzneimittel überprüfen: Erschöpfung und Tagesmüdigkeit können als Nebenwirkung verschiedener Schmerzmittel auftreten. Daher ist es sinnvoll, mit dem Arzt die Probleme zu besprechen, Medikamente unter Umständen abzusetzen oder durch andere Arzneimittel auszutauschen.

Was kann der Betroffene selber tun?

Betroffene sollten bewusst leben, auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung achten und auf die Signale des Körpers hören. Da man die Ermüdungserscheinungen nicht von heute auf morgen in den Griff bekommt, sollte man den Tag anhand der Befindlichkeit ausrichten.

Mit Hilfe eines Energie-Tagebuchs können Betroffene ihre leistungsstarken und leistungsschwachen Phasen festhalten und in die Planung des Tagesablaufes einbeziehen. Die Aufgaben sollten dabei über den Tag verteilt werden. Zeiten für kleine Pausen oder ein kurzes Nickerchen (20-30 Minuten) sollten unbedingt eingerechnet werden. Das Ermüdungssyndrom kann auch nach einer Krebstherapie noch über Monate oder sogar Jahre anhalten. Eine stufenweise Wiedereingliederung am Arbeitsplatz mit langsamer Erhöhung der täglichen Arbeitszeit könnte eine Hilfe sein.

Wer schnell erschöpft ist sollte mit leichtem Training versuchen, Ausdauer und Fitness auf Dauer zu erhöhen. Um den Alltag aber möglichst ohne Leistungseinbußen bei persönlich wichtigen Aktivitäten zu überstehen, müssen Betroffene lernen, ihre Kraftreserven gut einzuteilen. Anstatt Treppen zu steigen, den Fahrstuhl nutzen. Auf dem Weg zum Einkaufen kann ein Rollstuhl, Rollator oder Gehstock helfen, Energie zu sparen, um sie an anderer Stelle einzusetzen.

Um den Blutkreislauf in Schwung zu halten, können eine kalte Dusche oder kalte Getränke hilfreich sein. Außerdem sollten Betroffene für eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff sorgen, zum Beispiel durch regelmäßiges Stoßlüften.

Fragen an den Arzt

  • Wie kann ich mit Ernährung dem Fatigue-Syndrom entgegensteuern?
  • Wie können Medikamente unterstützen?
  • Gibt es alternative Methoden, die helfen können?
  • Wie soll ich bei chronischer Müdigkeit Sport betreiben, was ist überhaupt sinnvoll?
  • Ich bin oft sehr depressiv, dazu kommt die Müdigkeit, wie komme ich wieder zu mehr Elan?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Alexander Gaiger

Univ. Klinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Hämatologie und Psychoonkologe

Medizinische Universität Wien

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: G93, F43

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