Borreliose

16.000 Menschen in Österreich werden jährlich von Zecken infiziert

Zeck auf Haut, Umkreis ist gerötet.
Neben FSME ist Borreliose die häufigste Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. (Smileus - Fotolia.com)
Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die in Europa am häufigsten durch Zecken übertragen wird, die sich mit Vorliebe im Gras, Büschen und niedrigem Gehölz, nicht aber auf Bäumen aufhalten.

Im Gegensatz zu der ebenfalls von Zecken übertragbaren viralen FSME gibt es für Borreliose noch keine Impfung. Typische Symptome sind eine ringförmige Rötung rund um die Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen und grippeähnliche Zustände können mit der Borreliose-Infektion einhergehen. Eine Infektion beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Stichstelle, sondern kann ohne Behandlung auch die Gelenke, das Nervensystem oder den Herzmuskel betreffen. Um eine Infektion zu vermeiden, ist eine rasche Entfernung des Zecks innerhalb von 24-36 Stunden erforderlich. Borreliose kann, im Falle einer Infektion, jedoch gut mit Antibiotika behandelt werden. Dadurch sind auch mögliche Spätfolgen vermeidbar.

Häufigkeit

Etwa 10 % der österreichischen Bevölkerung wird jährlich von einem Zeck gestochen. 2 % davon, also etwa 16.000 Österreicher, erkranken in der Folge an Borreliose. Vor allem waldreiche Gegenden in Zentral- oder Nordeuropa sind Aufenthaltsorte von Zecken, von denen es weltweit mehr als 850 verschiedene Arten gibt. Am häufigsten (90 %) wird der Europäer vom Gemeinen Holzbock (Ixodes rizinus) befallen, er gehört zur Gruppe der Schildzecken. Nicht jede Zecke ist jedoch eine potenzielle Gefahr: Je nach Region schwankt die Rate der mit Borrelien infizierten Zecken zwischen 10 und 30 %.

Ursache und Verlauf

Neben FSME ist Borreliose die häufigste Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Borreliose ist eine systemische Erkrankung, d.h. sie kann sich, bleibt sie unbehandelt, im Körper unter Umständen auf andere Organe ausbreiten.

Der Erreger von Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato, ein spiralförmiges Bakterium, das der Gruppe der Spirochäten angehört. Während in Nordamerika ausschließlich B. burgdorferi s.l. die Borreliose hervorruft, sind es in Europa mehrere Borrelienstämme, die auch leicht unterschiedliche klinische Verlaufsformen verursachen.

Zecken und ihre Lebensräume

Zecken, wie der Gemeine Holzbock, leben vorzugsweise in Wäldern, Wiesen und Büschen am Waldrand. Bei einer Temperatur zwischen 5 und 10 Grad C werden sie aktiv und klettern bis in Höhen zu 1 Meter über dem Boden, nie jedoch auf Bäume. In ihrem etwa zweijährigen Leben sind die Spinnentiere von einem Wirt abhängig, der sie mit Blutmahlzeiten "versorgt". Vorzugsweise befällt die Zecke Nagetiere, Wild- und Haustiere, Vögel oder Menschen, von deren Blut sie sich ernährt.

Die Borrelien stammen aus dem Wirtstier, das von der Larve während der Blutmahlzeit aufgenommen wird und in den Darm der Zecke gelangt. Bis es zu einer Infektion des Menschen kommt, können etwa 24-36 Stunden vergehen, da es solange dauert, bis die Borrelien, aktiviert durch die Blutmahlzeit, aus dem Zeckendarm in den Zeckenspeichel kommen. Erst dann kann eine Infektion stattfinden. Wichtig ist es daher, eine Zecke sofort und fachgerecht innerhalb von zirka 36 Stunden zu entfernen, um eine Infektion zu verhindern. Im Gegensatz dazu wird das FSME-Virus sofort bei einem Zeckenstich übertragen, weshalb hier die Schutzimpfung die einzig gut wirksame Prophylaxe darstellt.

Stadien der Lyme-Borreliose

Borreliose verläuft in 2 Stadien:

Stadium 1 – Frühstadium: In der Hälfte aller Fälle tritt einige Wochen nach der Infektion der typische rote Hautausschlag, das sogenannte Erythema chronicum migrans, auf, ein Nachweis, dass eine Infektion vorliegt. Für diese Diagnose, welche etwa 90 % der Borrelioseinfektionen ausmacht, ist keine Blutabnahme (Serologie) notwendig.

Weitere mögliche, sehr seltene Symptome im Frühstadium sind:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Probleme beim Sehen (Doppelbilder)
  • Nervenschmerzen
  • Schleimbeutel- und Sehnenentzündungen

Stadium 2 – Spätstadium (chronisches Stadium): Symptome treten mehr als 6 Monate nach der Infektion auf und befallen unterschiedliche Organe. Am häufigsten in diesem Stadium sind:

  • Herzerkrankungen
  • Hauterkrankungen (Acrodermatitis chronica atrophicans, ACA)
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Augenerkrankungen u.a.

Symptome einer Borrelien-Infektion

Ein typisches Symptom nach einer Infektion mit Borrelia burgdorferi ist ein schießcheibenförmiger Hautausschlag, der sich nach einigen Tagen rund um die Einstichstelle bildet. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann es nach einigen Wochen oder Monaten zu Entzündungsreaktionen im Körper kommen, vor allem an der Haut, gelegentlich im Zentralnervensystem (z.B. Gehirnhautentzündung), zu einer Entzündung des Herzmuskels oder zu Gelenksentzündungen (Arthrose).

Symptome im Frühstadium

  • Wanderröte (Erythema migrans)

Etwa 30 Tage nach einer Infektion entsteht bei etwa 80 % der Betroffenen an der Stichstelle eine ringförmige, erhabene Rötung der Haut. Sie breitet sich nach außen hin aus, ist deutlich abgegrenzt und kann bis zu 5-10 cm Durchmesser haben. Man bezeichnet dieses klinische Erscheinungsbild als Wanderröte, medizinisch „Erythema chronicum migrans“. Hervorgerufen wird sie durch eine Entzündung durch die wandernden Borrelien, die vom Immunsystem bekämpft werden. Hinzu können Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Fieber kommen. Die Rötung bildet sich nach einigen Tagen wieder zurück, die Borrelien wandern jedoch über den Blutstrom im Körper weiter und können zu anderen Organen vordringen.

Symptome im fortgeschrittenen Stadium:

  • Bläulich-rote Hautverfärbung

Als Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) wird eine Infektion der Haut bezeichnet, sie ist an der bläulich-roten Hautverfärbung erkennbar. Sie tritt erst Wochen, Monate oder sogar Jahre nach dem Zeckenstich auf und zählt zu den Spätfolgen. Am häufigsten sind die Extremitäten betroffen, sowie die Gelenksbereiche. Ohne Therapie schreitet die Erkrankung fort und verursacht flächige Hautveränderungen. Diese sind zwar schmerzlos, doch meist fühlt sich die Haut in diesen Bereichen übermäßig warm an, auch eine bleierne Schwere der Extremitäten kann Anzeichen für eine Infektion mit Borrelien sein. Grund dafür ist, dass das Binde- und Fettgewebe langsam abgebaut wird, in der Folge kann z.B. die Achillessehne verdickt hervortreten, die Haut wird immer dünner und durchscheinend, an den Gelenken können sich Knoten bilden.

Bei fortgeschrittener Erkrankung kann sich die Infektion auf verschiedene Organe ausbreiten, betroffen sind vor allem:

  • Gelenke: Gelenksschmerzen oder –schwellungen (Lyme-Arthritis), Muskelschmerzen (diese Symptome treten bei etwa der Hälfte aller mit Borrelien infizierten Menschen auf, die unbehandelt sind)
  • Herz: Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung (etwa 15 % aller mit Borrelien Infizierten entwickeln später derartige Symptome)
  • Nervensystem: Gehirnhautentzündung (bei etwa 10 % der Infizierten), Entzündungen des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln (bei zwei Drittel der Infektionen)
  • Augen: Bindehautentzündung (bei zirka 20 % der Infizierten), die sich erst Tage oder Wochen nach dem Zeckenstich bemerkbar macht.

Diagnose

Um eine Infektion diagnostizieren zu können, wäre es hilfreich, wenn der Betroffene die Zeckeneinstichstelle bezeichnen kann. Etwa die Hälfte der Betroffenen bringt jedoch die Erkrankung nicht in Zusammenhang mit einem Zeckenstich. Nach einem Stich verhakt sich die Zecke an ihrem Wirt und saugt sich mit Blut voll. Das kann einige Tage dauern, danach fällt sie von selbst ab. Um das nicht zu übersehen, sollten Sie nach Spaziergängen oder Aufenthalt im Freien gründlich nachsehen, ob Sie von einer Zecke befallen wurden.

Diagnosemöglichkeit je nach Stadium und Erscheinungsbild der Erkrankung

Blickdiagnose

Vor allem bei der charakteristischen Wanderröte kann eine Diagnose der Infektion ohne weitere Zusatzuntersuchungen vom Haut- oder Hausarzt gestellt werden. Eine Blickdiagnose reicht aus, weitere Untersuchungen sind möglich, aber nicht erforderlich, eine Therapie kann sofort eingeleitet werden.

Diagnostische Möglichkeiten, die jedoch üblicherweise nicht erforderlich sind, bietet eine Blutuntersuchung (verschiedene IgM- oder IgG-Antikörpertestverfahren). Dieses serologische Verfahren ist jedoch nicht aussagekräftig, da der Titerwert auch wochenlang positiv sein kann und keine Rückschlüsse darauf gezogen werden können, ob eine Infektion vorliegt. Die Serologie ist daher generell kritisch zu sehen.

Neuro-Borreliose

Besteht Verdacht auf Neuro-Borreliose, muss neben einer Blutuntersuchung auch eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) durchgeführt werden. Die Laboruntersuchung zeigt, ob Borrelien vorliegen.

Therapie

Bei Verdacht auf Borreliose sollte sofort ein Haut- oder der Hausarzt hinzugezogen werden. Dieser leitet eine Antibiotika-Therapie ein. Bei akuter Infektion werden die Medikamente üblicherweise für 2 Wochen oral verabreicht. Bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien über 3-4 Wochen. Spricht der Betroffene auf die Therapie nicht an oder ist die Erkrankung weit fortgeschritten, muss die Behandlung weitergeführt werden.

In der Antibiotikatherapie werden nachstehende Substanzen eingesetzt:

  • Amoxicillin (für Kinder geeignet)
  • Cefotaxim
  • Ceftriaxon
  • Cefuroxim (für Kinder geeignet)
  • Doxycyclin (Therapie der Wahl, nicht für Kinder unter 8 Jahren)
  • Penicillin

Üblicherweise ist die Erkrankung - je nach Ausgangsstadium - nach 1 bis 6 Monaten ausgeheilt.

Was Sie selbst tun können

Nach Waldspaziergängen, Gartenarbeit etc. sollten Sie gründlich kontrollieren, ob Sie von Zecken befallen wurden. Entfernen sollten Sie Zecken unverzüglich, idealerweise mit einer feinen Pinzette oder einem speziellen Zeckenskalpell. Ein "Herausdrehen" mit Öl und anderen Substanzen ist nicht sinnvoll, denn die Zecke sollte in keinem Fall zerquetscht werden, um zu vermeiden, dass etwaige Krankheitserreger freigesetzt werden. Liegt ein Verdacht auf eine Borrelien-Infektion vor, sollten Sie sofort einen Arzt konsultieren. Eine Borrelien-Infektion ist mit einer entsprechenden Antibiotika-Therapie gut behandelbar und heilbar. Die FSME-Impfung schützt nicht vor Borrelien. Ein Impfstoff gegen Borrelien ist derzeit noch in Entwicklung.

Fragen an den Arzt

  • Ich habe eine Rötung an der Haut, ist eine Antibiotikatherapie erforderlich?
  • Ich habe seit langem Gelenksbeschwerden, wie kann ich Borreliose ausschließen?
  • Wie zuverlässig sind die Testverfahren und wie lange braucht es zur Heilung?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Florian Thalhammer

1. stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien - AKH Wien

Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten & Tropenmedizin (ÖGIT)

Quellen

ICD-10: A69.2

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