Bluthochdruck (Hypertonie)

Bluthochdruck: Jeder 4. ist unter Druck

Bluthochdruck (Hypertonie): Hand, die ein Messgerät hält
Bluthochdruck ist der Hauptrisikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt. (pearl - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Bluthochdruck

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, jeder 4. Österreicher ist betroffen.

Laut WHO spricht man von Bluthochdruck (arterielle Hypertonie oder kurz Hypertonie) bei Messwerten, die 140 mmHg bzw. 90 mmHg überschreiten. Mögliche Ursachen für Bluthochdruck sind Übergewicht, wenig Bewegung, Stress oder auch Vererbung. Bluthochdruck verursacht lange keine Symptome und wird oft erst entdeckt, wenn sich Folgeerkrankungen bemerkbar machen. Ein gesunder Lebensstil kann viel dazu beitragen, den Blutdruck zu senken.

Übersicht

Häufigkeit von Bluthochdruck

Hypertonie gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen: Mehr als jeder 4. Erwachsene in Österreich erkrankt daran, Männer etwas häufiger als Frauen. Bei den über 50-Jährigen sind weit über die Hälfte aller Menschen von Bluthochdruck (über 140/90 mmHg) betroffen, bis zu 70 % der über 70-Jährigen weisen Hypertonie auf. Aber auch jüngere Menschen kommen zunehmend unter "Druck", ohne es zu wissen. Daher sollten auch sie mindestens einmal jährlich ihren Blutdruck kontrollieren lassen.

Ursachen/Symptome/Verlauf von Bluthochdruck

Das Herz pumpt das Blut mit Druck durch den Körper- und Lungenkreislauf. Wie hoch der Druck ist, lässt sich mit einer Blutdruckmessung ermitteln: Der Wert, der während der Pumpphase des Herzens gemessen wird, wird als systolisch bezeichnet, jener der während der Erschlaffungsphase des Herzens ermittelt wird als diastolisch.

Welche Blutdruckwerte sind normal?

Ein Blutdruck im Körperkreislauf von 120/80 mmHg und darunter wird als ideal angesehen.

Laut WHO spricht man von Bluthochdruck (Hypertonie), wenn der systolische Wert über 140 mmHg und der diastolische Wert über 90 mmHg liegt.

Wenn der Blutdruck steigt…

Die Höhe des Blutdrucks wird über Hormone und das sympathische Nervensystem reguliert. Bei körperlicher Anstrengung oder seelischen Belastungen wie z. B. Ärger, steigt der Sauerstoffbedarf des Gewebes, die Pumpleistung des Herzens nimmt zu. Die Gefäße verengen sich und somit steigt auch der Blutdruck. In der Ruhephase muss er sich wieder im Normalbereich einpendeln. Die auslösenden Ursachen, warum er das insbesondere mit zunehmendem Alter nicht mehr tut oder auch bei Belastung zu stark ansteigt, lassen sich bei rund 90 % bis 95 % der Betroffenen nicht herausfinden (primäre oder essentielle Hypertonie).

Allerdings gibt es Risikofaktoren, die das Auftreten der Hypertonie stark begünstigen:

  • Höheres Alter: besonders häufig sind Männer ab dem 55. Lebensjahr und Frauen ab dem 65. Lebensjahr betroffen. Im Alter steigt besonders der systolische Wert an, dies ist durch die Alterung der Gefäße bedingt.
  • Familiäre Veranlagung: wenn bei den Eltern bzw. Geschwistern Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall auftreten, sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden.
  • Übergewicht: Besonders das Körperfett im Bauch begünstigt die Entstehung der Hypertonie.
  • Bewegungsmangel
  • Fett- und kochsalzreiche Ernährung, zu wenig Obst und Gemüse
  • Erhöhter Alkoholkonsum
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen: Wenn Bluthochdruck vorliegt, erhöht Rauchen das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung
  • Hormone: Auch Phasen von Bluthochdruck während der Schwangerschaft bzw. die Menopause können die Entstehung von Bluthochdruck begünstigen.
  • Chronischer Stress

Bei rund 5 % der Betroffenen mit Bluthochdruck lösen Erkrankungen wie jene der Nieren, Nebennieren oder Schilddrüse, Schlafapnoe oder bestimmte Medikamente erhöhte Blutdruckwerte aus (sekundäre Hypertonie).

Mögliche Bluthochdruck-Symptome

Das Heimtückische am Bluthochdruck: Er verursacht oft lange Zeit keine spürbaren Beschwerden. Er macht sich dann erst bemerkbar, wenn Gefäße und Organe schon Schaden genommen haben. Anzeichen wie rotes Gesicht, Klopfen an den Schläfen, Schwindel, Luftnot, Schlaflosigkeit oder Ohrensausen können auf solche Langzeitfolgen hinweisen.

Verlauf von Bluthochdruck

Bluthochdruck beschleunigt den Prozess der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), es kommt zu Verengungen der Herzkranzgefäße, mögliche Folgen sind Angina pectoris, Herzinfarkt und Schlaganfall, auch Gefäßschäden an den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit): Wer jahrelang unbehandelt unter Bluthochdruck leidet, hat ein doppeltes bis vierfaches Risiko für diese Erkrankungen im Vergleich zu Personen mit normalem Druck in den Adern.

Zusätzlich führt eine langjährige Hypertonie oft zu Herzrhythmusstörung, Nierenstörungen, Demenz, Impotenz und Sehstörungen. Ein Anstieg des Blutdrucks trägt auch zur Genese der Herzinsuffizienz bei.

Diagnose von Bluthochdruck

Auch beim Arzt reicht eine einzige Messung des Blutdrucks nicht aus, um Bluthochdruck sicher festzustellen. Dazu können mindestens 3 Blutdruckmessungen an 2 verschiedenen Tagen hilfreich sein.

Hilfreich für den Arzt sind auch Messungen, die der Betroffene selbst zu Hause durchführt. Dafür sollten über mehrere Tage verteilt 30 Messungen durchgeführt werden. Wenn davon 7 höher als 130/85 mmHg sind, ist die Diagnose der Hypertonie gesichert.

Die Blutdruckwerte werden in verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Optimal: Der systolische Wert liegt unter 120 und der diastolische Wert unter 80.
  • Normal: Der Blutdruckwert liegt unter 130/85 mmHg.
  • Hoch normal: Der systolische Wert liegt zwischen 130 und 139, der diastolische zwischen 85 und 89.

Als Zielblutdruckwerte unter Therapie gelten - auch für Personen mit Vorerkrankungen wie Herz- oder Nierenschäden - Werte unter 140/90 mmHg (der diastolische Wert sollte bei Patienten mit Diabetes etwas tiefer sein).

Unterschieden werden noch die Schweregrade 1 bis 3 der Hypertonie:

  • Grad 1 - "leichte Hypertonie": die Blutdruckwerte liegen bei 140-149 / 90-99 mmHg
  • Grad 2 - "mittelschwere Hypertonie": die Blutdruckwerte liegen bei 160-179 / 100-109 mmHg
  • Grad 3 - "schwere Hypertonie": Der systolische Wert liegt über 180 und der diastolische über 110 mmHg

Einmal im Jahr sollte der Augenarzt bei schwerem Bluthochdruck den Augenhintergrund kontrollieren. Der Zustand der Augenarterien spiegelt sehr gut die Beschaffenheit der übrigen Arterien im Körper wider. Auch Nierenkontrollen und Herzuntersuchungen können bluthochdruckbedingten schweren Organschäden vorbeugen.

Bluthochdruck - Was tun?

Die Absenkung des Blutdrucks in den Normalbereich reduziert das Risiko von Organschäden an Gefäßen, Herz, Niere und Auge deutlich. Sofern die Blutdruckwerte nur geringfügig erhöht sind und keine weiteren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen, können folgende lebensstiländernde Allgemeinmaßnahmen die Blutdruckwerte verbessern.

Blutdruck senken

  • Gewichtsreduktion: Wer 10 kg abspeckt, kann den Blutdruck um bis zu 20/10 mmHg senken. Der Bauchumfang sollte bei Männern nicht mehr als gemessene 102 cm, bei Frauen nicht mehr als 88 cm betragen.
  • Mehr Bewegung: Besonders zielführend ist Ausdauertraining - mindestens dreimal pro Woche sollte man mindestens 30 Minuten lang schnell gehen, joggen, Fahrrad fahren oder schwimmen. Sport bewirkt eine Blutdrucksenkung, eine Herzdurchblutungssteigerung, eine verbesserte Insulinwirkung, einen Blutzuckerabfall, einen Anstieg von HDL-Cholesterin, einen Abfall von Triglyzeriden, freien Fettsäuren und von LDL-Cholesterin.
  • Umstellung der Ernährung: Empfohlen wird eine Obst-, Gemüse- und Getreidereiche Ernährung mit dem Schwerpunkt auf Milchprodukten mit niedrigem Fettgehalt sowie magerem Fleisch, Geflügel und Fisch. Nüsse, Hülsenfrüchte und der Verzehr von kaliumreichen Früchten (z.B. Bananen) wirken sich ebenfalls positiv aus. Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang auch die sogenannte DASH-Diät. Dahinter verbirgt sich ein blutdrucksenkender Ernährungsplan und keine Diät im landläufigen Sinn.
  • Beschränkung von Kochsalz auf unter 5 Gramm pro Tag. Fertiggerichte, gepökelte Fleischwaren und Räucherwaren meiden! Auch in vielen Gebäcksorten ist viel Kochsalz enthalten.
  • Reduktion des Alkoholkonsums auf ein Achtel Wein oder ein kleines Bier pro Tag.
  • Stress abbauen: Mit Hilfe von Bewegung, Yoga etc..

Wenn diese Maßnahmen allein nicht zur Blutdruckregulierung reichen, werden zusätzlich Medikamente verabreicht. Als mögliche Medikamente der ersten Wahl gelten heute ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker, Calcium-Antagonisten sowie Diuretika. Bei bestimmten Konstellationen kann auch ein Beta-Blockereingesetzt werden. Bei der medikamentösen Therapie werden Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg angestrebt.

Normalisieren sich die Blutdruckwerte unter der Medikamenteneinnahme, so dürfen die Wirkstoffe nicht eigenmächtig abgesetzt werden, da sonst gefährliche Blutdruckschwankungen auftreten.

Unter der Therapie sind regelmäßige Arzt-Kontrollen der Blutdruckwerte notwendig, um die passende Einstellung zu finden. Auch andere Risikofaktoren wie erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte, Übergewicht und das Rauchverhalten müssen regelmäßig überprüft werden. Wichtig ist auch, (in Ruhephasen) selbst regelmäßig Blutdruck zu messen.

Wenn auch eine Kombination verschiedener Medikamente keine Wirkung zeigt und eine sekundäre Hypertonie durch eine ausführliche Untersuchung durch einen Spezialisten ausgeschlossen wurde, kann ein invasives Verfahren - die renale Denervierung - helfen, den Blutdruck nachhaltig zu senken. Dabei werden mit einem Katheterverfahren Nervengeflechte der Nierengefäße zerstört. Diese Nervenendigungen der Nierenarterien sind an der Blutdruckregulierung beteiligt.

Fragen an den Arzt

  • Wie messe ich selbst richtig Blutdruck?
  • Woran erkenne ich, dass ich medikamentös richtig eingestellt bin?
  • Mir wird manchmal schwarz vor den Augen, soll ich die Medikamente absetzen?
  • Was bedeutet es wenn mein Blutdruck zu hoch ist?
  • Was passiert im Körper wenn der Blutdruck zu hoch ist?
  • Worin unterscheidet sich der Blutdruck vom Puls?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof. Dr.

Dr. Gert Mayer

Innere Medizin

Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin, Innsbruck

Quellen

ICD-10: I10.0, I10.1, I10.9

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