Risikoschwangerschaft: Zwillinge

Risikoschwangerschaft: Zwillinge: Mutter mit großem Babybauch
Weil Zwillingsmütter wahrlich "mehr" in sich herumtragen müssen, kann die Schwangerschaft sehr beschwerlich sein. (Johannes Hloch)
Zwillingsschwangerschaften kommen gar nicht so selten vor: Jede 64. Geburt in Österreich ist eine Zwillingsgeburt. Trägt eine Frau 2 Babys unter ihrem Herzen, gilt das medizinisch gesehen "automatisch" als Risikoschwangerschaft.

Denn Zwillinge sind im Bauch der Mutter etwas mehr Gefahren ausgesetzt. Deswegen werden diese Schwangerschaften engmaschiger überwacht - und weil man Probleme so frühzeitig feststellen kann, verlaufen sie auch meist ohne Probleme. Also müssen sich Zwillingsmütter nicht unbedingt als Risikopatientinnen fühlen und übertrieben ängstlich sein, sondern sollten sich auf das Glück im Doppelpack freuen.

Verschiedene Formen der Zwillingsschwangerschaft

Zwillinge sind entweder eineiig (identisch) oder zweieiig (wie Geschwister). Das wichtigste Unterscheidungskriterium ist jedoch, ob die Kinder sich eine gemeinsame Plazenta teilen (monochoriale Zwillinge) oder ob jedes Kind seine eigene Plazenta hat (dichoriale Zwillinge). Davon hängen die genauen Risiken ab, die sich zeigen können.

Zweieiige Zwillinge

Rund 2 Drittel der Zwillinge sind dichorial, d.h. jedes Kind hat seine eigene Plazenta. Diese Zwillinge sind meist zweieiig: Sie gehen aus 2 verschiedenen Eizellen hervor, die jede für sich von verschiedenen Spermien befruchtet wurden. Bei zweieiigen Zwillingen handelt es sich also praktisch um 2 Schwangerschaften, die zufällig zur selben Zeit stattfinden. Die Kinder sind also wie Geschwister - sie müssen nicht dasselbe Geschlecht haben und sich auch nicht ähnlich sehen, da sie unterschiedliche Erbanlagen in sich tragen. Nur ein kleiner Teil der dichorialen Zwillinge, die das gleiche Geschlecht haben, sind eineiig.

Eineiige Zwillinge

Monochoriale Zwillinge dagegen sind immer eineiig. Sie entstehen durch die Befruchtung einer einzigen Eizelle durch ein einziges Spermium. Aus noch ungeklärten Gründen teilt sich die befruchtete Eizelle in 2 Hälften, die sich unabhängig voneinander weiterentwickeln. Die daraus entstehenden Zwillinge haben die gleichen Gene: Sie haben beide dasselbe Geschlecht und gleichen sich wie "ein Ei dem anderen" - da kommen sie ja auch her.

Etwa bis zur 15. Schwangerschaftswoche kann man im Ultraschall sicher unterscheiden, ob es sich um eine dichoriale (2 Plazenten) oder eine monochoriale (eine gemeinsame Plazenta) Schwangerschaft handelt. Zu einem späteren Schwangerschaftszeitpunkt wird diese Unterscheidung immer schwieriger.

Dichoriale Zwillingsschwangerschaft: normalerweise unproblematisch

Dichoriale Zwillingsschwangerschaften, bei denen jedes der Kinder eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchtblase in Mamas Bauch zur Verfügung hat, verlaufen meist unproblematisch. Die häufigste Komplikation dieser Zwillingsschwangerschaften ist eine Frühgeburt: Das Frühgeburtsrisiko nimmt ab der 24. Schwangerschaftswoche zu. Dann wiegen die Zwillinge zusammen meist schon so viel wie ein einzelnes Baby bei der Geburt. Folglich steigt die Spannung auf die Gebärmutter und es kann zu vorzeitigen Wehen kommen. Da Mamas Bauch für 2 Kinder schneller zu eng wird als für eines allein, kommen dichoriale Zwillinge durchschnittlich schon in der 37. SSW zur Welt, was jedoch meist keine Probleme nach sich zieht. Auch Wachstumsrückstände der Kinder im Mutterleib können sich im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften eher zeigen, etwa weil eine Plazenta nicht so gut arbeitet wie die andere.

Monochoriale Zwillingsschwangerschaften: höheres Risiko für Komplikationen

Weil sich bei monochorialen Zwillingsschwangerschaften beide Kinder eine gemeinsame Plazenta teilen, haben diese Schwangerschaften ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen als dichoriale Zwillingsschwangerschaften: Oft ist die Plazenta nicht "gerecht" aufgeteilt. Ein Kind wird schlechter mit Blut aus der Plazenta versorgt - und damit mit Sauerstoff und Nährstoffen - und kann deshalb im Wachstum zurückbleiben. Das größte Risiko ergibt sich bei monochorialen Zwillingsschwangerschaften jedoch aus der Tatsache, dass die Blutkreisläufe der Kinder über Gefäßverbindungen auf der Plazenta indirekt verbunden sind. Dadurch kann es zum einseitigen Blutaustausch zwischen den Ungeborenen kommen. Mediziner sprechen dann vom fetofetalen Transfusionssyndrom (FFTS), auch Zwillingstransfusionssyndrom genannt. Es tritt bei ungefähr 10 % aller monochorialen Zwillingsschwangerschaften auf, meist zwischen der 16. und 24. Schwangerschaftswoche. Das Zwillingstransfusionssyndrom muss unbedingt rechtzeitig erkannt und behandelt werden, sonst führt es in den meisten Fällen zum Verlust beider Kinder.

Die Zahl der Schwangerschaften, die sehr früh (vor der 32. SSW) entbunden werden müssen, ist bei monochorialen Zwillingen fast doppelt so hoch (9 %) wie bei dichorialen Zwillingen (5,5 %).

Sonderfall Monochorial-monoamniote Zwillinge: Nabelschnurumschlingung

Wenn die befruchtete Eizelle sich erst nach dem 9. Tag nach der Befruchtung teilt, teilen sich die Zwillinge neben der Plazenta auch die Fruchtblase. Dann besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich die Babys mit ihren Nabelschnüren quasi verheddern (Nabelschnurumschlingung). Dies kann lebensgefährlich für beide Ungeborenen werden, weshalb dann oft zu einem Kaiserschnitt geraten wird.

Beschwerden in der Schwangerschaft

Weil Zwillingsmütter wahrlich "mehr" in sich herumtragen müssen, kann die Schwangerschaft leider sehr beschwerlich sein. Für ihren Körper bedeutet dieser Zustand doppelte Belastung; auch er bedarf einer besonderen Beobachtung. Nicht selten leiden werdende Zwillingsmütter verstärkt unter typischen Schwangerschaftsbeschwerden, wie Übelkeit, Bluthochdruck oder Eisenmangel. Aber auch ernstere Schwangerschaftskomplikationen (z.B. Gestose) treten bei ihnen häufiger auf. Mit einem Bauch, der bei Zwillingen ungeahnte Ausmaße annehmen kann, machen schon normale Tätigkeiten ganz schön zu schaffen. Darum sollten es Zwillingsmütter gerade zum Ende der Schwangerschaft hin ruhig angehen lassen. Ein paar Schwangerschaftsgymnastik-Übungen schaden aber nicht, sondern stabilisieren Rücken und Beckenboden, die das meiste Gewicht tragen. Zudem sollten werdende Zwillingsmütter keinesfalls "für 3" essen, sondern eine Ernährung in der Schwangerschaft pflegen, wie sie auch Frauen empfohlen wird, die nur ein Kind erwarten. Um jedoch sicherzugehen, dass dem Körper von Zwillingsmüttern genügend Vitamine, Mineralien und Spurenelemente "für 3" zugeführt werden, kann es gut sein, dass der Arzt Nahrungsergänzungspräparate empfiehlt.

Auch die Hebamme steht mit umfassender Beratung zur Seite: Sie unterstützt Frauen in ihrem Selbstbewusstsein, Zwillinge austragen zu können. Sie kennt spezielle Atmungs- und Entspannungsübungen, mit denen die gesteigerte Kontraktionstätigkeit des Uterus gezielt reduziert werden kann. Und sie weiß, was schon während der Schwangerschaft an Organisation wichtig ist, damit das Leben mit Zwillingen leichter wird.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA

Dr. Johannes Angleitner-Flotzinger

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Gesundheitskompass

Quellen

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