Die Geburt: Wo und wie gebären?

Die Geburt: Wo und wie gebären?: Paar beim Entscheidungen treffen
Die Entscheidung über den Geburtsort ist nicht nur eine Typfrage. (Johannes Hloch)
Klinik, Hausgeburt oder Geburtshaus - Wo die Geburt stattfinden soll, will gut überlegt sein. Das eigene Zuhause ist der Mutter zwar vertrauter, dafür bietet ein Krankenhaus eine bessere medizinische Betreuung für den Fall, dass etwas nicht ganz nach Plan verläuft und ein Kaiserschnitt notwendig wird.

Die Entscheidung ist aber nicht nur eine Typfrage, sondern hängt auch von medizinischen Kriterien ab. So oder so: Die werdenden Eltern sollten sich möglichst zu Beginn der Schwangerschaft um einen Platz in ihrem Wunschkrankenhaus oder eine Wunschhebamme bemühen, denn viele Spitäler und Geburtshelfer sind in kurzer Zeit ausgebucht.

Die Geburt im Krankenhaus

Die meisten Geburten finden in öffentlichen Krankenhäusern statt die Mütter sind dort sehr gut aufgehoben. Die Tendenz geht auch in den großen Spitälern zu kleineren Zimmern mit weniger Zimmernachbarn und freundlich eingerichteten Kreißsälen. Meist steht zumindest in einem der Kreißsäle auch eine Wanne zur Verfügung, für Erleichterung während der Wehen oder um auf Wunsch eine Wassergeburt zu ermöglichen. Und auch sonst sind die öffentlichen Krankenhäuser top. Auch dort ist "Rooming in" längst kein Fremdwort mehr: Die Neugeborenen können rund um die Uhr bei ihrer Mutter bleiben.

Das passende Krankenhaus finden

Eine Führung durch die Geburtenstation des Wunschkrankenhauses verschafft meist Klarheit, ob das Bauchgefühl passt und das Baby in diesem Krankenhaus zur Welt kommen soll. Die meisten Kliniken bieten solche Führungen im wöchentlichen oder 2-wöchentlichen Rhythmus an. Ein solcher Besuch kann auch die Angst vor der bevorstehenden Geburt ein wenig lindern, denn dann ist zumindest die Umgebung schon bekannt.

Folgende Faktoren helfen bei der Auswahl wo die Geburt stattfinden soll:

  • Sind die Zimmer hell und freundlich? Wie viele Personen sind jeweils in einem Zimmer untergebracht?
  • Ist das Personal freundlich?
  • Wie viele Kreißsäle gibt es? Wie schauen die Kreißsäle aus?
  • Wie schaut der Operationssaal aus?
  • Wie viele Geburten finden pro Monat statt?
  • Gibt es alternative Möglichkeiten einer Geburt, wie etwa eine Wassergeburt?
  • Wie viele Hebammen und Ärzte haben immer Dienst? Wie häufig findet ein Schichtwechsel statt?
  • Werden Kinder bei einer Steiß- bzw. Beckenendlage (Kind sitzt mit den Füßen nach unten in der Gebärmutter statt umgekehrt) automatisch per Kaiserschnitt geholt oder sind dann auch normale Geburten möglich?
  • Wie häufig werden Dammschnitte gemacht?
  • Hat die Klinik eine Frühchen-Station (Perinatal-Station)? Sollte das Kind zu früh kommen oder treten Komplikationen auf, sind die Neugeborenen dort besser betreut. Ansonsten kann eine Verlegung in ein anderes Krankenhaus notwendig werden und je nach Zustand der Mutter kann es sein, dass diese nicht sofort mitverlegt wird.
  • Bleiben die Kinder nach der Geburt bei den Eltern, um ein so genanntes Bonding, eine Eltern-Kind-Bindung, zu ermöglichen? Oder werden die Kinder erst außer Sichtweite zum Waschen gebracht?
  • Gibt es ein "Rooming in", also kann das Kind rund um die Uhr im Zimmer der Mutter bleiben?
  • Gibt es Familienzimmer, so dass der Vater eine oder mehrere Nächte bei seiner kleinen Familie verbringen kann? Kosten pro Nacht?

Ist die Entscheidung gefallen, sollte zumindest in der Bundeshauptstadt Wien schnell gehandelt werden. Dort sollte die Anmeldung im Wunschkrankenhaus in den allerersten Schwangerschaftswochen erfolgen, am besten vor der 10. Viele Kliniken sind innerhalb kurzer Zeit schon voll belegt. Zur Anmeldung unbedingt die Überweisung vom Arzt und den Mutter-Kind-Pass mitnehmen.

In ländlicheren Gegenden ist manchmal eine Anmeldung für die Geburt gar nicht notwendig. Einige Krankenhäuser bieten ihren Patienten eine Nackentransparenzmessung und manchmal sogar ein Organscreening kostenlos an, daher kann sich eine Anmeldung vor der 10. Woche lohnen. In anderen Krankenhäusern muss für diese Untersuchungen gezahlt werden. Ein Anruf verschafft Klarheit.

Wahlmöglichkeiten im Krankenhaus

Wer seine eigene Hebamme, eine Doula (Geburtsbegleiterin) oder den eigenen Arzt mitbringen möchte, muss sich zuerst erkundigen, wo dies möglich ist und was das kostet. Meist arbeiten diese ohnehin mit speziellen Krankenhäusern zusammen, häufig sind das private Spitäler. In diesem Fall ist bei der Geburt eine fixe Betreuungsperson dabei, die man bereits kennt und zur persönlichen Betreuung zur Verfügung steht.

Bei einer Zusatzversicherung werden die Kosten für Aufenthalt und Behandlung in einer Privatklinik je nach Vertrag zum Teil oder meist sogar ganz von der Versicherung übernommen.

Die ambulante Geburt

Der Mittelweg zwischen Hausgeburt und Krankenhaus ist die ambulante Geburt. Das bedeutet, dass die Geburt im Krankenhaus stattfindet, und die neue Familie etwa 6 Stunden nach der Geburt nach Hause geht. Ist weitere Betreuung notwendig, ist eine stationäre Aufnahme noch immer möglich. Für eine ambulante Geburt meldet sich die Frau ganz normal vorab im Krankenhaus zu einer Geburt an. Sie gibt aber schon bei der Anmeldung bekannt, dass sie ambulant entbinden möchte.

Bei der ambulanten Geburt hat die Frau wie bei der Hausgeburt vom 1. bis zum 5. Tag nach der Geburt Anspruch auf je einen Hebammenbesuch pro Tag und auch danach noch auf weitere Besuche.

Die Hausgeburt

Früher war eine Geburt zu Hause etwas ganz Normales. Heute entscheiden sich in Österreich nur etwa 2 % für diese Geburtsmöglichkeit. Zu groß dürfte bei vielen die Angst sein, dass es im Verlauf der Geburt zu Komplikationen kommt und Mutter und Kind es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen. Anderen bereitet es vielleicht Unbehagen, dass die Nachbarn oder ältere Geschwisterkinder das Geburtsgeschehen mitbekommen könnten. Außerdem darf eine Hebamme keine Medikamente verabreichen, um die Schmerzen zu lindern.

Folgende Gründe machen eine Hausgeburt unmöglich:

  • ein den Muttermund verschließenden Mutterkuchen (Plazenta previa)
  • eine Mehrlingsschwangerschaft
  • Querlage oder Steiß- bzw. Beckenendelage (Kind sitzt mit den Füßen nach unten in der Gebärmutter statt mit dem Kopf voran)
  • Erkrankungen der Mutter wie etwa Diabetes, Schwangerschaftsvergiftung/ Präeklampsie oder Bluthochdruck
  • zu erwartende Erkrankungen oder Fehlbildungen des Kindes
  • wenn die Geburt zuvor eine Kaiserschnittgeburt war
  • wenn es bei der Geburt zuvor Komplikationen gegeben hat, wie das Abfallen der Herztöne des Kindes oder starke Nachblutungen
  • vorzeitige Wehen

Viele dieser Gründe sprechen für eine Geburt unter kontrollierter Umgebung im Krankenhaus oder sogar für einen Kaiserschnitt.

Vorbereitungen bei einer Hausgeburt

Sollte sich ein Paar für eine Geburt zu Hause entscheiden, heißt es sich möglichst früh um eine Hebamme seiner Wahl zu kümmern. Bis zur 20. Schwangerschaftswoche sollte diese feststehen. Die Frau meldet sich trotzdem in einem Krankenhaus an, um für den Fall, dass etwas schief geht, einen Platz zu haben. Hebamme und werdende Mutter sollten sich genug Zeit nehmen, um einander kennen zu lernen und Vertrauen aufzubauen.

Das Paar sollte sich auch bereits vor der Geburt nach einem Kinderarzt umhören, der die Erstversorgung des Neugeborenen übernimmt und möglichst Hausbesuche durchführt. Außerdem sollten Mutter und Kind in den ersten Tagen nach der Geburt vom Partner und/oder von zusätzlichen Personen betreut werden können. Die Kosten für eine Hausgeburt und die Vor- und Nachbetreuung werden von der Krankenkasse übernommen, bei einer Hebamme mit Kassenvertrag zur Gänze, bei einer Wahlhebamme teilweise.

Die Geburt im Geburtshaus

Im Geburtshaus ist vielleicht ein größeres Maß an Intimität als in einem Krankenhaus möglich, jedoch wiederum weniger als zu Hause, da sich zum selben Zeitpunkt auch andere Gebärende in anderen Räumen des Hauses befinden können.

Auch wenn die Entscheidung für ein Geburtshaus gefallen ist, ist parallel dazu eine Anmeldung in einem Krankenhaus notwendig, um für alle Eventualitäten abgesichert zu sein. Auch bei der Anmeldung im Geburtshaus heißt es: Je früher, desto besser, um fix einen Platz zu haben. Die Leistungen sind gleich wie bei einer Hausgeburt, eine Hebamme darf keine starken Schmerzmittel verabreichen. Manche Geburtshäuser arbeiten eng mit bestimmten Ärzten oder umliegenden Krankenhäuser zusammen, was eventuell eine medizinische Versorgung im Notfall leichter macht.

Nach der Geburt bleibt das Paar meist noch einige Stunden im Geburtshaus, um dann heimzugehen, manche Häuser bieten auch Wochenbettstationen an.

Wie bei einer Hausgeburt übernimmt die Krankenkasse nur einen Teil der Kosten.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Ilona Rost

Frauenheilkunde und Geburtshilfe / Allgemeinmedizin, Mödling

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • Bauchgefühl, L. Kaller, List, 1. Auflage, Berlin, 2011
  • Das große Buch zur Schwangerschaft, F. Kainer, A. Nolden, Gräfe und Unzer, 1. Auflage, München, 2009
  • Die Hebammensprechstunde, I. Stadelmann, Stadelmann Verlag, 8. Auflage, Wiggensbach, 2005
  • Warum Schwangere nicht umkippen, V. Ragosch, B. Zebothsen, Südwest, 1. Auflage, München 2009

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