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Von Schwerhörigkeit sind auch Angehörige betroffen

Tinnitus: Nahaufnahme Ohr
Schwerhörigkeit kann zur Isolation führen. (Piotr Marcinski - Fotolia.com)

Jeder fünfte Österreicher hört schlecht. Was das insbesondere für alte Menschen und ihr soziales Umfeld bedeutet, wurde bei der Präsentation eines Ratgebers für Angehörige thematisiert.

Ein zunehmender Hörverlust ohne Therapie durch ein Hörgerät kann über kurz oder lang zur seelischen Vereinsamung führen, da sich Betroffene aus Scham lieber zurückziehen. Angehörige könnten die ersten sein, diese davon zu überzeugen etwas gegen den Hörschaden zu unternehmen, um wieder an geselligen Runden teilzunehmen und sich nicht zu isolieren. Vorausgesetzt, dass sie die Schwerhörigkeit als solche erkennen.

Angehörige wichtig bei Früherkennung

Oft verkennen sie aber den Hörschaden und tun die daraus entstehende Charakteränderung als "Macke" ab. Bis es zu einer Therapie kommt, vergehen im Schnitt bis zu 10 Jahre. Für Angehörige sind die daraus entstehenden Diskussionen schwierig, sie verstehen oft nicht warum die Großmutter, der Großvater oder die alternde Mutter plötzlich "so schwierig" ist. Dabei hört der Betroffene nur schlecht was um ihn herum gesprochen wird, fühlt sich in seiner Wahrnehmung alleine, im Stich gelassen. Wenn Angehörigen dann nicht in den Sinn kommt, dass es sich um einen Hörschaden handeln könnte, kann ein Teufelskreis aus gegenseitigem Unverständnis entstehen.

Charakteränderung durch Hörminderung

"Erst sind die Funktionen, die zu Beginn ausfallen, z.B. Nebengeräusche, für den Betroffenen gar nicht so unangenehm", so Prim. Univ. Doz. DDr. Antonius Kierner, HNO-Facharzt über Schwerhörigkeit. Wird das Gehör noch schlechter, gewöhnen sich die Betroffenen daran, meiden aber lieber gesellschaftliche Anlässe vor Angst sich zu blamieren. Ein Hörverlust verändert den Charakter des Betroffenen wesentlich. Normale Gespräche werden als geflüstert wahrgenommen, dadurch stellt sich das Gefühl ein, es würde über ihn gesprochen werden. "Das führt in weiterer Folge zur Isolation", so der Experte.

Immer noch tabu: Das Hörgerät

Abhilfe kann ein Hörgerät schaffen. Dieses wird immer noch klischeehaft als die "Riesenspange hinter dem Ohr" gesehen. Dabei gibt es heute moderne, hochtechnisierte Möglichkeiten: von bunt, winzig bis hin zu unsichtbar. Aus Angst vor Stigmatisierung tendieren aber viele Betroffene dazu ihre Hörminderung zu ignorieren. So verstreichen im Schnitt bis zu 10 Jahre, bevor sie sich zu einem Hörgerät entschließen. Ein Gehirn, das jahrelang weniger Töne verarbeitet, stellt sich dann trotz des Hörbehelfs schlechter um. Umso wichtiger ist es, bei Verdacht auf Hörminderung rechtzeitig zu handeln und Betroffene zu unterstützen.

Tipps für Angehörige im Umgang mit Schwerhörigen

  • Direkte Gespräche: Wenden Sie sich Ihrem Gesprächspartner direkt zu. Wenn Sie ihn von der Seite oder von hinten ansprechen, tippen Sie ihm auf die Schulter, damit er die Gelegenheit hat, sich in Ihre Richtung zu drehen.
  • Deutlich sprechen: Es ist nicht nötig zu schreien, eine Hörminderung bedeutet nicht automatisch leiser zu hören, sondern bestimmte Töne zu "verhören". Deshalb: Langsam und deutlich reden.
  • Durchhaltevermögen: Der Entschluss zu einem Hörgerät fällt nicht von heute auf morgen. Sie müssen sich auf längere Überzeugungsarbeit einstellen.
  • Vorwürfe vermeiden: Eine Formulierung wie "Du willst uns nicht verstehen" erzeugt Ablehnung. Besser: "Es wäre schön, wenn wir uns wieder unterhalten könnten".

Quellen

  • Pressekonferenz "Menschen mit Hörbeeinträchtigung: Neuroth hilft den Angehörigen"

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