Schlafräuber Vollmond?

Vollmond: Ein Vollmond gibt der nächtlichen Dunkelheit Farbe und erhellt auch die darunter liegenden Wolken.
Der Vollmond macht die Nacht zum Tag. (suppakij1017 - Fotolia.com)
Viele Mythen ranken sich um den Vollmond, unter anderem auch, dass er uns schlaflos macht. Doch im Grunde ist der Erdtrabant nicht schuld daran, wenn wir nicht schlafen können, wie nun auch aktuelle Auswertungen von Münchner Wissenschaftern zeigen.

Besonders in klaren Vollmond-Nächten fühlen sich Viele durch das helle Mondlicht in ihrer Nachtruhe gestört. Das hat in erster Linie mit dem Hormon Melatonin zu tun. Ist es beim Schlafen zu hell, wird zu wenig Melatonin ausgeschüttet, Ein- bzw. Durchschlafen wird erschwert.

Nicht immer ist der Vollmond schuld…

Wer hingegen in einem abgedunkelten Raum schläft, kann seine Schlafprobleme nicht auf den Vollmond schieben: Wissenschafter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München konnten in einer aktuellen Studie mit 1.265 Teilnehmern aus 2.097 Nächten keinen Zusammenhang zwischen dem Schlaf und den Mondphasen finden. "Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen", sagt Mitautor und Neurowissenschafter Martin Dresler. "Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen." Nichtsdestotrotz räumen die Experten aber ein, dass viele Menschen angeben, sich bei Vollmond generell aufgekratzter zu fühlen und deshalb auch schlechter zu schlafen.

Schlafstörer Alkohol und Hitze

Jenseits des Vollmondes gibt es erwiesene "Schlaf-Störer": Große Hitze, zu viel Alkohol oder Nikotin. Auch körperliche und psychische Krankheiten können Gründe für gestörten Schlaf sein - und umgekehrt: "Für viele somatische Krankheiten und die meisten psychiatrischen Krankheiten ist gestörter Schlaf ein Risikofaktor", erklärt Martin Dresler. Das reiche von Angststörungen über Schizophrenie bis zu Depression und - im körperlichen Bereich - Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Darüber hinaus gibt es laut Martin Dresler Hinweise, dass die Menschen in den Industrienationen immer weniger schlafen. Ob es am Stress im Job liege, an der steigenden Reizüberflutung, an immer mehr Unterhaltungsangeboten oder einfach durch Partylaune, sei unklar.

Quellen

  • Lunar cycle effects on sleep and the file drawer problem. M. Dresler, S. Ackermann et al., Current Biology. Vol 24/ 2014, Nr. 12, doi: 10.1016
  • APA med

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