Reha bei ständigen Rückenschmerzen

Reha bei ständigen Rückenschmerzen: Masseur massiert Schulter des Patienten
In der Reha bei Rückenschmerzen werden unter anderem Massagen angewandt, um die oft alltagseinschränkenden Beschwerden zu lindern. (RioPatuca Images - Fotolia.com)
Jeder 5. Österreicher hat Rückenschmerzen. Betroffen sind vor allem Menschen zwischen 35 und 55 Jahren. Während bei 80 % der Betroffenen diese nach 4 bis 6 Wochen wieder verschwinden, werden sie für 5 bis 10 % zum ständigen Begleiter.

Ein Kur- oder Rehabilitationsaufenthalt kann bei chronischen Schmerzen Linderung verschaffen. Aber auch nach Unfällen oder Operationen an der Wirbelsäule empfiehlt sich eine solche stationäre - oder auch ambulante - Therapie, um die Leiden zu kurieren und den Rücken wieder schmerzfreier zu machen.

Viele Langzeitkrankenstände wegen Rückenschmerzen

Rehas haben das Ziel, Personen, die durch Unfälle oder Erkrankungen nicht mehr arbeitsfähig sind oder die auf die Hilfe von anderen angewiesen sind, wieder zu einem selbstständigen Leben zu verhelfen und sie möglichst zurück ins Arbeitsleben zu führen. Im Unterscheid dazu ist eine Kur eine Vorsorgemaßnahme mit dem Zweck, den Gesundheitszustand des Patienten zu erhalten und chronische Leiden zu lindern.

Die Krankheitsbilder bei beiden Maßnahmen sind zum Teil sehr ähnlich. So können sowohl im Rahmen von Kuren als auch von Rehas entzündliche degenerative Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates oder Funktionseinschränkungen nach Operationen behandelt werden. Allerdings finden Rehas immer nach akuten Krankheitsgeschehen wie z.B. Verschlechterungen des Krankheitsbildes statt und beinhalten mehr Behandlungen.

Bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (z.B. Arthrose, Arthritis) können Betroffene um eine Kur ansuchen, Betroffene nach Unfällen oder Operationen können um eine Reha ansuchen. Die Zahl der Personen, die solche Maßnahmen in Anspruch nimmt, ist in den letzten 20 Jahren konstant am Steigen. Viele Patienten mit ständigen (chronischen) Rückenschmerzen sind über lange Zeiträume im Krankenstand. Nach Beendigung eines Rehabilitationsprogramms können 50 % der Teilnehmer sofort wieder ins Berufsleben einsteigen. Nach Ablauf eines Jahres sollen sogar 90 % wieder arbeitsfähig sein.

Gründe für eine Reha bei Rückenschmerzen

Bei akuten Rückenschmerzen hilft vor allem Wärme, dabei sollte der Rücken mit Wärmekissen über einen Zeitraum von zumindest 4 Stunden warm gehalten werden. Im Notfall sind auch leichte Schmerzmedikamente erlaubt. Nicht förderlich ist Bettruhe. Stattdessen sollten Betroffene ihrem gewohnten Alltag nachgehen.

Nach Unfällen sowie bei sämtlichen chronischen Erkrankungen von Rücken- und Wirbelsäule kann um eine Reha angesucht werden, darunter:

  • muskuläre Rückenschmerzen
  • Abnützung der Wirbelkörper. Dabei handelt es sich um jene dicke Scheibe aus Knochen, die in Kontakt mit den Bandscheiben stehen
  • bei einer Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose)
  • Wirbelkörperschäden, die durch Osteoporose (Knochenschwund) ausgelöst wurden
  • bei/nach Bandscheibenschäden oder -vorfällen (Abnützung bzw. Verschiebung der Bandscheiben)

Ziele der Reha

Bei den Betroffenen werden die Schmerzen gelindert und sie bekommen Informationen, wie sie mit ihrer Erkrankung umgehen sollten. Viele Schmerzen werden nämlich durch falsches Verhalten im Alltag chronisch, etwa weil sich der Betroffene zu wenig bewegt, falsch sitzt, liegt oder hebt. Aber auch Übergewicht und Rauchen begünstigen ständige Schmerzen. Nicht zuletzt spielen auch psychische Faktoren eine große Rolle. Ein Hauptziel der Reha ist es, eine Rückkehr zum Arbeitsplatz zu ermöglichen.

Dauer der Reha

Rehaaufenthalte dauern 3 Wochen. Bei Bedarf können die Aufenthalte aber auch länger dauern. Eine ambulante Rehabilitation kann sogar über einen Zeitraum von 3 bis 18 Monaten gehen. Um eine Kur oder Reha können Betroffene beim Arzt bzw. im Krankenhaus ansuchen.

Therapien im Überblick

Zu Beginn jedes Aufenthaltes steht eine ärztliche Untersuchung und ev. Laboruntersuchungen, die die Basis für den Therapieplan bilden. Der Therapieplan bei einer Reha für den Rücken setzt sich unter anderem aus folgenden Behandlungen zusammen:

Physiotherapie

Mittels Physiotherapie soll die Beweglichkeit und nach Möglichkeit auch Schmerzfreiheit wieder voll hergestellt werden. Dazu lernen die Teilnehmer bei der Heilgymnastik (siehe unten) in Einzel- und Gruppentherapien mit Physiotherapeuten, die Muskeln zu kräftigen. Denn damit die Wirbelsäule den Oberkörper gut tragen kann, ist sie auf die Mitarbeit der Muskeln angewiesen. Bewegungsmangel, falsche Bewegungen oder Haltungsschäden führen häufig dazu, dass diese verkümmern oder einseitig ausgeprägt sind und somit den Rumpf nicht ausreichend stützen.

Unterwassergymnastik kommt vor allem bei Übergewicht zum Einsatz, da das Körpergewicht durch den Auftrieb des Wassers verringert wird und die Bewegungen somit die Gelenke weniger belasten.

Aber auch eine manuelle Therapie kann zum Einsatz kommen.Dabei beheben die Physiotherapeuten Funktionseinschränkungen durch spezielle Handgriffe. Auch physikalische Therapien wie Massagen, sowie Bäder- oder Hydrotherapie (siehe weiter unten), zählen zu den physiotherapeutischen Maßnahmen.

Heilgymnastik

Die Heilgymnastik, auch Bewegungstherapie genannt, ist ein Teil der Physiotherapie. Dabei werden bestimmte Bewegungsabläufe immer wieder wiederholt, um dadurch Koordination und Haltung zu verbessern und eventuelle Schäden wieder zu beheben. Bei akuten Problemen werden durch passive Mobilisation im Rahmen der Bewegungstherapie die Schmerzen gelindert, sprich der Physiotherapeut bewegt die Gelenke der Betroffenen. Später werden durch Dehnen, Stärken und Gleichgewichtsübungen die großen und kleinen tiefer liegenden Muskeln gestärkt.

Elektrophysikalische Behandlungen

Bei den elektrophysikalischen Therapien werden Elektroden auf die Haut geheftet und ungefährliche Stromstärken übertragen. Da Nerven und Blutgefäße auf die Stromstöße reagieren, können so Schmerzen oder Lähmungserscheinungen, wie sie zum Beispiel nach Bandscheibenvorfällen der Fall sind, behandelt werden.

Auch mit Magnetfeldern lassen sich Schmerzen in Gelenken, Muskeln und Nerven erfolgreich therapieren. Allerdings tritt die Wirkung etwas verspätet ein.

Massagen

Durch Massagen können Verspannungen in der Muskulatur gelockert und die Durchblutung sowie der Lymphfluss verbessert werden. Manchmal wird diese spezielle manuelle Therapie mit Infrarotbestrahlungen kombiniert, um durch die zusätzliche Wärme Entzündungen zu behandeln. Bei Kreuzschmerzen kommen am häufigsten folgende Massagen zum Einsatz:

  • Klassische Massage: Bei dieser Massage löst der Therapeut Verspannungen mit einer Kombination von Streichen, Kneten, Reiben, Klopfen und Vibrationen
  • Bindegewebsmassage: Dabei geht man davon aus, dass Krankheiten zu Verspannungen in den tieferen Bindegewebsschichten führen, die gelöst werden müssen. Periostmassage: Dabei wird die Haut um die Knochen beeinflusst
  • Unterwassermassage/Hydro-Jet-Massage: Mit einem Wasserstrahl erfolgen Massagen im warmen Wasser, um die  Muskulatur zu lockern. Wirbel, Bandscheiben und Gelenke werden entlastet, da das Gewicht im Wasser durch den Auftrieb geringer ist
  • Lymphdrainage: Bei dieser Massage wird durch spezielle Griffe der Lymphfluss angeregt
  • Reflexzonenmassage: Zwischen den inneren Organen und der Haut gibt es Nervenverbindungen, sodass durch eine Behandlung der Haut auch das entsprechende Organ mitbehandelt wird

Rückenschule

Im Rahmen einer Rückenschule lernen die Teilnehmer, Haltungsfehler und falsche Bewegungsabläufe im Alltag wie z.B. beim Sitzen, Stehen, Bücken, Heben, Tragen zu vermeiden.

Wirbelsäulen-Training

Das David-System (im Moorheilbad Harbach) funktioniert mit speziellen Geräten, die einerseits helfen, einen Ist-Zustand zu erheben und mögliche Funktionseinschränkungen beim Beugen, Dehnen, Strecken und zur Seite Neigen festzustellen. Beim Training an den Geräten wird die Beweglichkeit der Wirbelsäule verbessert.

Extension der Wirbelsäule

Dabei wird die Rückenmuskulatur mit Übungen gedehnt und entspannt, um so die Beweglichkeit zu verbessern und die Bandscheiben zu entlasten, da die Zwischenwirbelräume vergrößert werden und so der Druck in den Wirbelgelenken sinkt.

Hydrotherapie nach Kneipp

Bei der Hydrotherapie nach Sebastian Kneipp wird die Wassertemperatur zur Heilung eingesetzt. Wärme kann Verspannungen der Muskulatur mäßigen, bei akuten Schmerzen hilft oft Kälte. Aber auch mit einem Ansteigen der Temperatur von Warm auf Heiß lässt sich eine Linderung von Beschwerden erzielen.

Heilbäder und Heilpackungen

Bäder und Packungen mit folgenden Inhaltsstoffen kommen bei der Behandlung von Problemen mit dem Kreuz zum Einsatz:

  • Fango: Der mineralische Schlamm ist ein guter Wärmespeicher, der vor allem bei Krankheiten von Muskeln, Knochen und Gelenken eingesetzt wird und schmerzlindernd wirkt. Wird in Form von Packungen verabreicht.
  • Heilerde: Diese soll einerseits beim breitflächigen Hautkontakt über Auflagen, Wickel und als Badezusatz Krankheitsstoffe einfangen, aber auch die Kombination von kaltem Wasser und Heilerde wirkt schmerzlindert.
  • Moor: Moor enthält Wirkstoffe wie Schwefel, Mineralien und pflanzliche Bestandteile. Wie Heilerde wird dieses äußerlich bei Bädern, Wickeln und Auflagen angewendet. Das Moor selbst soll aufgrund der pflanzlichen Bestandteile die Durchblutung verbessern und durch den Kältereiz mit kaltem Wasser lindernd wirken.

Ernährung

Gesunde Ernährung ist gerade bei Problemen mit dem Rücken ein großes Thema, da Übergewicht oft zu Haltungsfehlern oder Problemen mit den Bandscheiben führt. Bestehende Ernährungsmuster werden analysiert und die Betroffenen lernen in Vorträgen und Workshops, auf gesunde Alternativen umzusteigen.

Psychotherapie

Rückenprobleme stehen oft in engem Zusammenhang mit psychischen Faktoren, da seelische Probleme zu Verkrampfungen führen können. Aus diesem Grund wird im Rahmen einer Reha auch immer psychologische Beratung angeboten sowie Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jacobsen oder sogar Meditation.

Infos über die Erkrankung

In Gesprächen werden die Betroffenen über ihre Erkrankung und krankheitsspezifische Probleme informiert. Auch der richtige Umgang mit Schmerzen ist dabei ein wichtiges Thema.

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Johannes Püspök

Ärztlicher Leiter des Lebens.Resort Ottenschlag

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • Bandscheiben- und Rückenschmerzen, G. Leibpold, Jopp und Oesch -Verlag, 2. Auflage, Zürich, 2003
  • Der Brockhaus Gesundheit, Verlag F.A. Brockhaus, 7. Auflage, Leipzig, Mannheim, 2006
  • Integrative Kurmedizin, W. Foisner (Hg.), Verlagshaus der Ärzte, 1. Auflage, Wien, 2011
  • Rückhalt für den Rücken, M. Friedrich, H. Mezei, Verlagshaus der Ärzte, 1. Auflage, Wien, 2007
  • Rückenschmerzen - Hilfe zur Selbsthilfe, Wiener Gebietskrankenkasse, Wien, 2011
  • Wirksamkeit und Kosteneffektivität eines multimodalen ambulanten Rehabilitationsprogramms beim chronischen Rückenschmerz, C. Grunt-Göschl, W. Habelsberger, Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, Linz, 2005, In: Schmerz Nachrichten, Zeitschrift der österreichischen Schmerzgesellschaft, 2012, 3, S. 10-12
  • Zeitschrift der Österreichischen Schmerzgesellschaft (06.05.2014)
  • Österreichischer Heilbäder- und Kurorteverband (06.05.2014)
  • Moorheilbad Harbach (06.05.2014)