So gelingt der Rauch-Stopp

So gelingt der Rauch-Stopp: Frau zerbricht lächelnd eine Zigarette
Ärger, Frust, Ruhelosigkeit, Angst, Konzentrationsschwäche bis hin zu Schlafstörungen sind Entzugserscheinungen nach dem Rauch-Stopp. (PhotoSG - Fotolia.com)

Jeder 3. Österreicher greift regelmäßig zur Zigarette. Warum, das wissen Raucher oft selbst nicht genau. Die gewohnte Zigarette gehöre zum Kaffeeritual, sie entspanne und ließe Stresssituationen besser ertragen.

Die Argumente pro Rauchen sind ebenso vielfältig wie fadenscheinig. Immerhin gibt jeder 2. Raucher zu, dass er gerne mit dem Qualmen aufhören möchte. 70 % aller, die diesen Versuch starten, scheitern aber beim ersten Anlauf. Die Rate, erfolgreich zum Neo-Nichtraucher zu werden, liegt unter 10 %. Der restliche Anteil der Entwöhnungswilligen gibt sich bereits nach einer Woche dem alten Laster erneut hin.

Überblick:

Rauchstopp: Warum soll ich aufhören?

Rationale Argumente, dass man als Nichtraucher an Lebensqualität gewinnt, verhallen wie Schall und Blauer Dunst. Statistisch betrachtet verringert jede Zigarette das Leben um etwa 11 Minuten. Raucher sterben also früher als Nichtraucher, so etwa sind 9 von 10 Lungenkrebs-Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.

Wie der Körper reagiert - Die Vorteile des Rauchstopps

Zeit Vorteil
nach 20 Minuten Die Herzfrequenz sinkt
nach 12 Stunden Der Kohlenmonoxid-Level sinkt auf den Normbereich
nach 2 Wochen bis 3 Monaten Das Risiko eines Herzinfarkts beginnt zu sinken, die Lungenfunktion verbessert sich
nach 1 bis 9 Monaten Kurzatmigkeit und Husten verschwinden
nach 1 Jahr Das Risiko eine Herzerkranung zu erleiden sinkt auf die Hälfte des Risikos eines Rauchers. Kein Husten, das Immunsystem hat sich regeneriert, die Infektanfälligkeit ist verringert.
nach 5 Jahren Schlaganfallrisiko sinkt um die Hälfte
nach 10 Jahren Lungenkrebsrisiko ist um 50 % geringer
   

Die schlechte Nachricht: Rauchen begünstigt

Die gute Nachricht: Wer noch nicht 50 ist und sich fürs Aufhören entscheidet, verringert z.B. das Risiko, in den nächsten 15 Jahren an einer Lungen- oder Herzkreislauferkrankung zu sterben schon innerhalb des ersten rauchfreien Jahres um 50 %.

Video zum Rauchstopp

Rauchstopp: Starker Wille ist gefordert

Um das Rauchen aufzugeben bedarf es in erster Linie eines starken Willens. Viele Rückfällige kennen die "Entzugssymptome", die schon in den ersten Tagen nach Zigarettenkarenz auftreten und den Plänen für ein rauchfreies Leben im Wege stehen. Sie reichen von Ärger, Frust, Ruhelosigkeit, Angst, Konzentrationsschwäche bis hin zu Schlafstörungen. Nach etwa 4-6 Wochen können sich noch andere Begleiterscheinungen hinzugesellen: Depressionen, Lustlosigkeit und Heißhunger auf Süßigkeiten sind nur einige der Probleme, die der Nikotinverzicht mit sich bringen kann.

Rauchstopp: Wie geht das?

Aufzuhören ist leicht gesagt, aber schwer umzusetzen. Voraussetzung ist immer der ehrliche Wille, dem Laster nachhaltig zu entsagen. Die ersten Schritte für eine erfolgreiche Therapie sind daher:

  • Schritt 1 - Eingeständnis
    Ich bin Raucher. Rauchen ist eine Sucht. Ich möchte sie für immer stoppen.
  • Schritt 2 - Mein Weg zum Nichtraucher
    Ich schaffe es, selbst mit einem vollen Zigarettenpackerl in der Tasche, nicht zu rauchen. Ich schaffe es alleine nicht, ich brauche Unterstützung
  • Schritt 3 - Ich wähle die für mich passende Begleitung
    Für den Weg zum Nicht-Raucher gibt es mehrere Möglichkeiten.

Rauchstopp: Hilfe auf dem Weg zum Nichtraucher

Unterstützung versprechen verschiedene Raucher-Entwöhnungsprogramme, meist eine Kombination aus Verhaltensunterstützenden Therapien, sowie Medikamente.

Medikamente

Eine Reihe von medikamentösen Therapien (Kaugummi, Pflaster, Nasenspray, Inhalator, Sublingual-Tabletten) können die Sucht stoppen.

Das Rauchfrei Telefon

Das österreichweite Rauchfrei Telefon unterstützt professionell und ohne bürokratischen Aufwand bei der Nikotinentwöhnung.

Üblicherweise sind 6 telefonische Beratungsgespräche geplant, die folgendermaßen ablaufen:

  1. Gespräch (Anamnese, etwa 30 Minuten)

Zunächst werden Ihre Rauchgewohnheiten, ihr körperlicher Zustand (Nikotinabhängigkeit) und Ihre persönliche Motivation erhoben. Sie erhalten Informationen über Medikamente, die Sie bei der Entwöhnung unterstützen könnten, sowie eine "Aufgabe" für die nächste telefonische Sitzung: ein Rauchprotokoll zu führen.

2. Gespräch (Vorbereitung, individuelle Dauer)

Nun wird Ihr Rauchprotokoll besprochen, Ihr Rauchverhalten und der Grund, warum Sie rauchen analysiert. Danach werden individuelle Möglichkeiten erarbeitet, die das Rauchverhalten verändern können (z.B. Kaffeepause: welche Alternative gibt es zur Zigarette?). Weiters erfolgt eine Definition, wie Sie Ihr Ziel erreichen können (kategorischer Rauchstopp, Reduktion etc.)

3. Gespräch (Rauchstopp-Alternativen, individuelle Dauer)

Im Zuge dieses Gesprächs sprechen Sie über Ihre Erfahrungen, wie z.B. welche Alternativen haben Sie gefunden, was könnte beim Entwöhnen weiter helfen? Im Anschluss planen Sie gemeinsam mit dem Berater einen Rauchstopp- bzw. einen rauchfreien Tag.

  1. Gespräch (Rauchstopp-Erfahrungen, individuelle Dauer)

Wenn es Ihnen möglich ist, sollten Sie dieses Gespräch gleich nach Ihrem ersten Tag ohne Rauchen führen. Im Mittelpunkt stehen Ihre Erfahrungen, d.h. wo gab es Probleme, wie geht es Ihnen körperlich, psychisch? Was hilft Ihnen - gibt es noch andere hilfreiche Möglichkeiten, um "stabil" zu bleiben?

5. und 6. Gespräch (Analyse, individuelle Dauer)

Hat es mit dem Aufhören geklappt? Sie berichten über Ihre Erfahrungen, wie können Sie sich weiter motivieren? Welche Möglichkeiten gibt es, um einen Rückfall zu verhindern?

Haben Sie es noch nicht geschafft, so ist das keine Niederlage. Vielleicht brauchen Sie noch weitere Hilfe, Motivation oder "Belohnungen", die Ihnen den Ausstieg erleichtern. Sie sollten sich nicht entmutigen lassen, denn die meisten Raucherinnen schaffen es beim ersten Versuch. Doch selbst wenn Sie einen 4. oder 5. Versuch unternehmen, schmälert dies den Erfolg nicht, wenn Sie letztendlich aufhören.

Ärztliche Begleitung

Raucher, die sehr stark abhängig sind oder schon sehr lange rauchen, haben die Möglichkeit, sich von Ärzten bei der Entwöhnung begleiten zu lassen. Spezielle stationäre Programme können Ihnen helfen, in 3 Wochen zum Nichtraucher zu werden.

Psychologische Hilfe

In Österreich stehen speziell auf Raucherentwöhnung spezialisierte Psychologen zur Verfügung, die Sie auf Ihrem Weg zum Nichtraucher individuell begleiten.

Online-Entwöhnung

Für Raucher, die sich von einem interaktivem Begleitprogramm angesprochen fühlen, gibt es die Möglichkeit, eine Raucherentwöhnung auch online durchzuführen.

Rauchstopp: Problematische E-Zigaretten

Als Alternative zur "richtigen" Zigarette bietet eine Reihe von Hersteller so genannte "elektrische Zigaretten" an. Sie sollen das Rauchen in Nichtraucherzonen ermöglichen und bei der Raucherentwöhnung eingesetzt werden. Die Wissenschaft sieht diese Entwicklung kritisch. Die einer Zigarette nachgebildeten "E-Zigaretten" enthalten Propylenglykol, einen Zusatzstoff, der für Nahrungsmittel und Kosmetika verwendet werden darf und den "Nebeleffekt" des Rauchens hervorruft. Andererseits verursacht diese Substanz Reizhusten. Eine Vielzahl der E-Zigaretten-Hersteller geben die Inhaltsstoffe nicht an, daher ist es schwierig, eine Risikobewertung vorzunehmen. Mediziner empfehlen daher, E-Zigaretten weder als Raucherersatztherapie, noch zur Raucherentwöhnung einzusetzen.

Rauchstopp: Genussfaktoren

Geschmackssinn: Viele Raucher salzen die Suppe, ehe sie sie gekostet haben. Sie wissen bereits, dass feine Speisen ihrem Gaumen als "zu mild" oder "geschmacklos" erscheinen. Das liegt daran, dass mit dem Zigarettenkonsum die Geschmacksempfindlichkeit abnimmt. Wissenschafter haben herausgefunden, dass sich durch Rauchen nicht die Dichte der Geschmacksknospen verringert, sondern diese sich verändern. Die Rauchinhaltsstoffe wirken sich auf die Blutversorgung und damit auch auf die Durchblutung der feinen Geschmacksknospen aus. Diese reagieren und ändern ihre Struktur. Die Folge: Raucher haben ein reduziertes Geschmackserlebnis. Wie und in welchem Zeitraum sich die Geschmacksknospen wieder regenerieren, ist wissenschaftlich noch nicht erklärt werden.

Rauchstopp: Mythen ums Rauchen

  • Mythos 1 - Leichte Zigaretten sind unschädlich

Stimmt nicht. Um auf die Nikotindosis zu kommen, wird kräftiger am Glimmstängel gezogen.

  • Mythos 2 - Gelegentlich rauchen schadet nicht

Falsch. Jede Zigarette verkürzt das Leben um durchschnittlich 11 Minuten.

  • Mythos 3 - Langsames Reduzieren ist leichter als ein akuter Rauchstopp

Rauchen ist Willens- und Gewohnheitssache. Effektiver ist es, mit dem Rauchen sofort aufzuhören.

  • Mythos 4 - Wenn ich nicht mehr Rauche, nehme ich zu

Falsch. Zwar braucht der Körper eine gewisse Zeit, um sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen, der Stoffwechsel stellt sich um. Die gefürchtete Gewichtszunahme ist jedoch durchwegs ein Resultat daraus, dass andere Verhalten (Süßigkeitenkonsum, unkontrolliertes Essen, Heißhunger) das Rauchen ersetzen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Carmen Hiertz, BA
  • Erstellungsdatum

Quellen

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