Muskelkater - eine verspätete Überlastungsreaktion

Muskelkater: Patient massiert Schulter
Ein Muskelkater tritt meist 24 Stunden nach Belastung auf. (Kaarsten - Fotolia)

Immer wenn Muskeln stärker beansprucht werden als sie es gewohnt sind, rächen sie sich tags darauf mit dumpfen Schmerzen in den überstrapazierten Muskelpartien.

Es gibt kaum einen bewegungsfreudigen Menschen, der ihn nicht persönlich kennt - den Muskelkater. Sei es nach dem Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Klettern. Wie es zu diesem Muskelschmerz kommt und weshalb er erst so spät auftritt, blieb lange ein Rätsel. Mit einer Übersäuerung des Muskels hat er jedenfalls nichts zu tun. Zur Frage, was man gegen Muskelkater tun kann, grassieren viele Irrmeinungen. Was sind die Ursachen von Muskelkater und was kann man gegen das unangenehme Schmerzgefühl tun? 

Überblick

Grundlagen eines Muskelkaters

Ein Muskelkater ist ein Muskelschmerz, der in der Regel etwa 24 Stunden nach ungewohnter Belastung auftritt (Überlastungsmyopathie). Wie lange und wie stark ein Muskelkater spürbar ist, hängt davon ab, wie viele Muskelfasern innerhalb eines Muskels überbeansprucht wurden. Eine Muskelfaser ist die kleinste Einheit eines Muskels. Muskelfasern bündeln sich in motorische Einheiten, mit denen je nach Muskelfaser-Anzahl feinere und weniger feine Bewegungsabläufe möglich sind. Bei Muskelgruppen, die nicht so präzise arbeiten müssen, wie z.B. im Oberschenkel, bilden bis zu 2.000 Muskelfasern eine motorische Einheit. Bei den Augenmuskeln hingegen sind es weniger als 10. Wird ein Muskel überbeansprucht, entstehen kleinste Risse (Mikroläsionen) in einzelnen Muskelfasern.

Diese kleinen Läsionen setzen eine Entzündungsreaktion in Gang, denn der Körper reagiert immer dann mit einer Entzündung, wenn es zu Zell- oder Gewebsschäden kommt. Die Kardinalsymptome für Muskelkater sind

  • Schmerz
  • Rötung
  • Schwellung
  • Übererwärmung
  • gestörte Funktion

Beim Muskelkater dringt Wasser aus dem umliegenden Gewebe durch die undichte Stelle in die Zelle ein und führt zu einer Schwellung - einem Ödem. In der Zelle selbst sind keine schmerzempfindlichen Nerven, deshalb tut der Muskelkater nicht sofort weh. Erst wenn die Schwellung gegen Nerven drückt, die Durchblutung behindert und Entzündungsbotenstoffe aus der Zelle gespült werden, schmerzt die Schwellung. Der Muskel verspannt sich.

Hinreichend widerlegt ist die Theorie, dass es sich bei einem Muskelkater um eine Übersäuerung bzw. übermäßige Laktatansammlung handelt.

Muskelkater - Welche Regionen sind häufig davon betroffen? 

Besonders häufig tritt ein Muskelkater in den Waden, den Oberschenkeln, den Oberarmen und dem Bauch auf, da diese Muskelgruppen bei vielen gängigen Sportarten beansprucht werden.

Muskelkater betrifft eher quergestreifte Muskulatur

Prinzipiell kann ein Muskelkater in jedem Muskel entstehen. Im Zusammenhang mit Sport betrifft er allerdings nur die Skelettmuskulatur, auch quergestreifte Muskulatur genannt. Das sind all jene Muskeln, die bewusst gesteuert werden können.

In der glatten Muskulatur hingegen ist er prinzipiell unwahrscheinlich. Glatte Muskulatur findet sich zum Beispiel im Darm, in der Blase, in den Blutgefäßen und in den Bronchien. Die glatte Muskulatur wird nicht bewusst gesteuert und ermüdet auch nicht. Die einzige Möglichkeit, wie es hier zu einem Muskelkater kommen kann, ist nach Koliken bzw. Spasmen.

Muskelkater als Symptom

Da ein Muskelkater immer dann zustande kommt, wenn ein Muskel überbeansprucht wird, tritt er auch häufig nach Krampfanfällen auf, die krankheitstypisch für Epilepsie sind. Außerdem gehen eine Vielzahl an Stoffwechseldysregulationen (Sauerstoffmangel, Hypoglykämie, Hypokaliämie) und Mangelerscheinungen an diversen Mineralstoffen und Spurenelementen (z.B.: Natrium, Magnesium, Calcium, Eisen) mit Muskelkrämpfen oder -zuckungen einher, die ihrerseits wiederum zu einer Überbeanspruchung des Muskels und somit zu einem Muskelkater führen können.

Wenn es mehr als Muskelkater ist

Ein einfacher Muskelkater ist kein Grund zur Besorgnis und heilt nach spätestens 2 Wochen meist völlig aus. Betroffene beschreiben einen mehr oder weniger intensiven dumpfen Schmerz in einem bestimmten Muskel, der bei Dehnung und Druck der verkaterten Muskelregion stärker spürbar ist. Der Muskel ist für die Dauer des Muskelkaters weniger dehnfähig und belastbar, etwas steifer und druckempfindlich. Ein klares Zeichen, dass es sich um einen Muskelkater handelt, ist die verzögerte Symptomatik, d.h. der Schmerz tritt erst einige Zeit nach der Überbeanspruchung auf.

Muskelzerrung

Im Gegensatz dazu setzen bei einer Muskelzerrung, also einer extremen Überdehnung des Muskels, bei der meist auch einige Muskelfasern reißen, plötzlich starke Schmerzen ein, wobei die Funktionsfähigkeit des Muskels daraufhin eingeschränkt ist. Eventuell zeigen die Schmerzen krampfartigen Charakter, der zum Abbruch der Bewegung zwingt.

Muskelfaserriss

Auch der Muskelfaser- und Muskelriss, ausgelöst durch plötzliche, extreme Muskelanspannung bzw. direkte Gewalteinwirkung, äußern sich durch schlagartig auftretende, starke Schmerzen. Der betroffene Muskel ist augenblicklich funktionsunfähig. Schnell zeigt sich ein Hämatom, also ein großer blauer Fleck, an der Stelle des Risses, der durch Einblutung ins Gewebe entsteht. Beim vollständigen Muskelriss ist eine Lücke tastbar.

Medikamente als Auslöser für Muskelkater

Darüber hinaus können Viruserkrankungen und verschiedene Medikamente muskelkaterähnliche Symptome mit sich bringen. Medikamente, die häufig Muskelschmerzen nach sich ziehen, sind Kortison, Statine, Fibrate, antiretrovirale Substanzen, Immunsuppressiva, Kolchizin, Amiodaron, halogenierte Inhalationsnarkotika, Lokalanästhetika sowie Zytostatika.

Dem Muskelkater vorbeugen

Eine gute Prävention gegen Muskelkater ist regelmäßiges Training mit einer entsprechenden Umfang- und Intensitätssteigerung. Der Muskel ist bei regelmäßiger Beanspruchung besser gegen Läsionen dieser Art gewappnet. Bei jedem wirksamen Training der Muskulatur wird der Muskel leicht überbeansprucht und reagiert mit einer Leistungsverbesserung. Im Zuge der Reparaturvorgänge versucht der Körper, die Muskelfasern an ein höheres Belastungsniveau anzupassen. Ein Muskelkater deutet jedoch immer auf eine Überlastung hin und führt keines Falls zu einer besseren Trainingsentwicklung. Aufwärmübungen im Vorfeld der körperlichen Betätigung sind sinnvoll und können die Wahrscheinlichkeit, einen Muskelkater zu bekommen, deutlich verringern. Dabei wird der Kreislauf angeregt, die Sauerstoffversorgung des Körpers erhöht und das Verletzungsrisiko deutlich reduziert.

Dehnen beugt dem Muskelkater nicht vor

Dehnungsübungen hingegen dürften weder vor noch nach dem Training irgendeinen Vorteil zur Muskelkaterprophylaxe haben. Dynamische Dehnübungen vor dem Sport sind sinnvoll, statisches Dehnen vor dem Sport senkt jedoch die Leistungsfähigkeit der Muskeln und erhöht das Verletzungsrisiko. Auslockern beugt Muskelkater tatsächlich vor, im Gegensatz zum Dehnen.

Kälte als Muskelkater-Vorbeugung

Es gibt Hinweise, dass man einem Muskelkater durch kalte Bäder (zwischen 5 und 15 Grad Celsius Wassertemperatur für 1 bis 15 Minuten) direkt nach dem Training entgegenwirken kann. Der entsprechenden Theorie zufolge sollen die kalten Bäder die Entzündungsreaktion abmildern und die Schwellung bekämpfen. Wechsel- und Warmwasserbäder können prophylaktisch keinen Effekt zeigen, beschleunigen jedoch bei bereits bestehendem Muskelkater die Heilung.

Was (nicht) tun bei Muskelkater?

Wer einen Muskelkater hat, möchte ihn natürlich so schnell wie möglich loswerden. Medikamente gibt es dafür leider keine.

Ingwer hilft

In der traditionellen chinesischen Medizin wird die Ingwerknolle schon seit Jahrhunderten wegen ihrer antientzündlichen und schmerzlindernden Wirkung geschätzt. Die Schmerzen des Muskelkaters lassen sich durch den Verzehr der Knolle senken.

Massagen

Mit Massagen muss bei Muskelkater sehr vorsichtig umgegangen werden. Je nach Größe der Muskelverletzung können Massagen sinnvoll sein oder die Beschwerden sogar verschlechtern. Lassen Sie sich nur von einem qualifizierten Sportmasseur behandeln, der viel Erfahrung mit solchen Verletzungen hat.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Sylvia Neubauer
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Quellen

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