Wenn Mann keine Lust hat

Lustloser Mann, Frau sitzt daneben
Lustlosigkeit kann viele Gründe haben, meist sind Stress und Beziehungsprobleme schuld daran (Henry Schmitt - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Sexualität

Sexuelle Lustlosigkeit kann auch bei Männern verstärkt auftreten. Die Ursachen der Lustlosigkeit sind vielfältig: Zwar können auch körperliche Faktoren eine Rolle spielen, häufig sind es aber Probleme in der Partnerschaft, Stress am Arbeitsplatz oder Depressionen.

Darüber hinaus kann der bei Männern im Alter langsam abnehmende Testosteronspiegel zu Libidomangel führen. Sexuelle Lustlosigkeit kann aber auch als eine Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Die Diagnose erfolgt mittels ausführlicher Anamnese, körperlicher (urologischer) Untersuchung und gegebenenfalls Blutabnahme. Nach Ausschluss oder Behandlung organischer Ursachen, können psychologische und psychotherapeutische Therapieansätze erfolgversprechend sein.

Wie äußert sich Lustlosigkeit?

Sexuelle Lustlosigkeit - auch als mangelnde Libido, verminderte sexuelle Appetenz oder Appetenz-Störung bezeichnet - kann verschieden stark ausgeprägt sein. Sie kann sowohl generell, als auch situationsbedingt vorliegen: Eine generelle Lustlosigkeit bedeutet komplettes Desinteresse. Der Betroffene fühlt sich absolut lustlos, er hegt keinerlei sexuelle Phantasien oder Interesse an sexuellen Aktivitäten.

Die Lustlosigkeit des Mannes kann bis zu einer sexuellen Aversion reichen - das heißt, dass sexueller Kontakt aktiv vermieden wird: Die Vorstellung von Sex ist negativ behaftet und löst mitunter Furcht oder Ekel aus. Diese extreme Form kommt nicht selten bei Missbrauchsopfern vor.

Lustlosigkeit: ein immer häufigeres Phänomen

Der lustlose Mann ist ein Phänomen, das in den letzten 20 Jahren an Häufigkeit zugenommen hat. Während in den 1970er Jahren nur etwa jeder 25. Mann betroffen war, macht Lustlosigkeit heutzutage rund 15 Prozent aller Männer zu schaffen. Dies hat mehrere Gründe:

  • Alter: Generell nimmt die Appetenz-Störung bei Männern mit fortschreitendem Alter zu. Durch die gestiegene Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten tritt eine derartige Störung entsprechend häufiger auf.
  • Krankheit: Eine höhere Anzahl älterer Männer bedeutet zugleich oft auch krankere Männer und damit mehr Medikamente, die eingenommen werden. Als Neben- und Wechselwirkung kann Libidoverlust auftreten.
  • Aktiv Hilfe suchen: Früher war die Dunkelziffer von lustlosen Männern höher. Insgesamt ist das Bewusstsein bei Männern gestiegen, dass Hilfe möglich ist. Daher ist auch eher die Bereitschaft vorhanden, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
  • Höherer Erwartungsdruck: Gestiegene Bedürfnisse einer aufgeklärteren Generation erzeugen auch höhere Erwartungen und in weiterer Folge mehr Druck, diese Erwartungen zu erfüllen.

Ursachen der Lustlosigkeit

Lustlosigkeit kann beim Mann sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben. Da Testosteron maßgeblich für den Sexualtrieb ist, kann ein Mangel dieses Hormons sexuelles Desinteresse zur Folge haben. Testosteronmangel kann wiederum durch einen Überschuss an Prolaktin entstehen. Das sogenannte "Lustkiller-Hormon" hemmt die Produktion von Testosteron.

Allerdings ist ein verminderter Testosteron-Spiegel allein nicht aussagekräftig. Auch verschiedene Medikamente wie Blutdrucksenker, Antidepressiva oder Schmerzmittel können als Nebenwirkung eine Appetenz-Störung auslösen. Oft ist diese Störung auch auf Wechselwirkungen von Medikamenten zurückzuführen - nicht wenige ältere Männer (meist über 70 Jahre) nehmen krankheitsbedingt eine Vielzahl verschiedener Medikamente, die einander bezüglich Wirkung und Nebenwirkungen stark beeinflussen. Schmerzen beim Sex können generell die Lust schmälern.

Bei jungen Männernliegen die Ursachen einer Appetenz-Störung vor allem im psychischen Bereich. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen, eine wichtige Rolle spielen:

Diagnose von Lustlosigkeit

Um eine verminderte sexuelle Appetenz zu diagnostizieren, muss der Arzt das sexuelle Verlangen des Untersuchten unter Berücksichtigung von Lebensalter und den Lebensumständen beurteilen. Außerdem wird der Arzt eine Nebenwirkung von Medikamenten oder eine andere psychische Erkrankung (ausgenommen sexuelle Störung) als Ursache ausschließen. Dies erfolgt üblicherweise durch ein eingehendes Gespräch.

Therapie von Lustlosigkeit

Die Therapie richtet sich nach der diagnostizierten Ursache und muss individuell erfolgen. Erster Ansprechpartner ist der Urologe, vor allem um mögliche körperliche Ursachen aufzudecken; diese sind meist rasch und wirksam zu beheben (medikamentöse Behandlung des Testosteronsspiegels, gegebenenfalls Medikamentenwechsel z.B. bei Buthochdruck, Depression…), bei psychischen Problemen ist oft eine Behandlung bei einem Psychiater sinnvoll, auch psychotherapeutische Behandlungsansätze (evtl. auch eine Paartherapie) sind vielversprechend.

Was können Sie gegen die Lustlosigkeit tun?

Wenn Sie unter sexueller Lustlosigkeit leiden und in einer Paarbeziehung leben, sollten Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner darüber zu sprechen. Wenn keine körperliche Ursache (bspw. Medikamente) zu Grunde liegt, wissen Sie mitunter schon, was der Auslöser ist. Möglicherweise sind Sie unzufrieden damit, wie Sie Ihre Sexualität ausleben. In so einem Fall ist eine Sexualtherapie ratsam. Diese hilft Ihnen gemeinsam mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner eine Form der Sexualität zu entwickeln, die an die Bedürfnisse des Einzelnen angepasst ist.

Vielleicht stört Sie aber auch etwas anderes in Ihrer Beziehung - abseits von Sex. Auch solche Faktoren können zu Lustlosigkeit führen. Eine Paartherapie hilft, an Ihrer Beziehung und Verhaltensweise zu arbeiten.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Florian Wimpissinger FEBU, MBA

Facharzt für Urologie und Androglogie

Urologische Abteilung Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien

Website

Quellen

  • Interview mit Dr. Florian Wimpissinger am 15.12. 2014
  • Sexualtherapie bei Störungen des sexuellen Verlangens, H. S. Kaplan, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, Stuttgart-New York, 2013
  • Praxisbuch Sexuelle Störungen, P. Briken et al., Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, Stuttgart-New York 2013

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