Die Lust wiederentdecken

Mann küsst lustvoll Frau
Lust lässt sich nicht erzwingen, aber sie lässt sich mit einfachen Mitteln wiederentdecken. (WavebreakMediaMicro - Fotolia.com)

In der verliebten Phase ist die Lust meist von ganz alleine stark ausgeprägt und trägt uns von einem Höhepunkt zum nächsten. Wir möchten verführen und verführt werden, können kaum vom anderen lassen, alles finden wir toll.

Von inniger Zärtlichkeit und Hingabe eingehüllt, spüren wir uns selbst und den anderen intensiv und wünschen, dass dieser Zustand ewig anhält. Nach einiger Zeit ist die Situation oft eine ganz andere. Die Lust wird zu oft vom Alltag verschluckt und wir würden so gerne dem Partner bzw. der Partnerin die Schuld an mangelndem und unbefriedigendem Sex geben. Doch es gibt Mittel und Wege die Lust wiederzuentdecken.

Vom Verliebtsein zur Liebe

Wenn das Verliebtsein in Liebe "übergeht", eröffnet dies meist völlig neue Möglichkeiten. Man lässt sich mehr und mehr auf einander ein und genießt mit der Zeit mehr Vertrauen und Sicherheit, Gewohnheiten, Rituale und Zuverlässigkeit. Es entwickelt sich eine individuelle und tragfähige Basis, auf die man bauen kann, man hat sich gegenseitig besser kennen gelernt. Mit der Zeit kennt man die Zuckerseiten und Macken, die liebenswerten und unmöglichen Schrullen des Partners und weiß meist, wie man damit umgehen soll.

Wenn die Lust auf der Strecke bleibt

Zu Beginn der Beziehung ist der Sex aufregend und neuartig. Doch mit der Zeit lässt das  Erobern und Verführen, das Ausprobieren und sich von seiner verführerischen Seite zeigen nach, und wird zur vertrauten und geliebten Gewohnheit. Man weiß, was der Partner mag, was ihm Freude und Lust bereitet und was gar nicht geht. Man kennt die besten Uhrzeiten und beliebtesten Stellungen. Viele Fantasien und Träume sind ausgetauscht, erotische Vorlieben schon längst zur Gewohnheit geworden. Oft kann man nichts Neues mehr erzählen, also wird geschwiegen. Viele Paare haben ihre Sexualität - meist unbewusst - auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert.

Lustkiller "Los, mach mir Lust"!

Was einige Zeit zuverlässige Befriedigung vermittelt, kann auch langweilig werden. Die Lust wurde viel zu oft vom Alltag der Gewohnheit verschluckt und viele würden so gerne dem Partner bzw. der Partnerin die Schuld an mangelndem und unbefriedigendem Sex geben. Immerhin war er oder sie früher viel aktiver, oft stimmt das Timing nicht mehr.

Wenn die Tage durch Gewohnheiten und Alltagskram immer dieselben sind oder durch oft mehrfache Belastungen sehr straff organisiert sind - wie soll da "von ganz alleine" Sex stattfinden? Geschweige denn lustvoller, aufregender Sex! Da können Vorwürfe wie "jetzt verführ mich doch mal wieder!" oder "mach was Neues, aber mach es richtig!" schnell viel kaputt machen. Eine verbale Bestellung wie "du, ich hätte gern mal wieder Sex" kann als vorwurfsvolles "also mach du mal" ankommen. Das sind richtige Lustkiller. Auch, wenn einer viel öfter will als der andere und Druck ausübt, kann es sehr kontraproduktiv sein. Druck erzeugt Gegendruck. Doch es gibt Methoden aus dieser bedrückenden Endlosschleife auszusteigen.

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Klar Kommunizieren

Schweigen ist ein Beziehungs-Killer. Ein Gespräch über die mangelnde Lust kann schon der erste Schritt sein, das Problem zu lösen. Vorwürfe und Forderungen sind hier Fehl am Platz - lieber ruhig über Gefühle sprechen und ausführlich zuhören. (Jenner - Fotolia.com)

Entscheidung für die Lust

Es gibt kein 08/15-Rezept, das für alle gilt. Allerdings braucht es immer eine bewusste Entscheidung zu einem "ja, ich will wieder lustvollen Sex mit meinem Partner erleben!". Es braucht eine Entscheidung, selbst Verantwortung für die Lust zu übernehmen und aktiv zu werden. Ein gewisses Fingerspitzengefühl um die Bedürfnisse und Vorlieben beider zu berücksichtigen ist sinnvoll und erwünscht. Diese Entscheidung gibt augenblicklich Möglichkeiten selbst etwas zu tun und Sie können endlich aus der Warteposition oder der vorwurfsvollen Rolle aussteigen.

Was möchten Sie selbst?

Beginnen Sie im ersten Schritt bei sich selbst. Nehmen Sie sich Zeit um sich selbst wieder zu spüren und einen wohlwollenden Blickwinkel auf die Begehrlichkeiten des eigenen Körpers zu finden. Sind es Berührungen, die sinnliche Bedürfnisse wecken oder Worte? Optische Eindrücke oder Gerüche? Fantasien oder Erinnerungen? Alles zusammen? Vergessen Sie, was Ihnen bisher routinemäßig Lust produziert hat und probieren Sie unbedingt neue Spielvarianten. Denn wer immer tut, was er immer getan hat, darf sich nicht wundern, wenn er das bekommt, was er immer bekommen hat.

6 Anregungen für lustvolle Spielräume

  • Ich wünsche mir...: Führen Sie ernsthafte Gespräche über Sex besser nicht im Bett und auch nicht zwischen Tür und Angel. Nehmen Sie sich Zeit und finden Sie einen guten Zeitpunkt, z.B. bei einem Spaziergang. Bleiben Sie bitte unbedingt bei motivierenden Ich-Botschaften wie etwa "ich genieße es, wenn...". "es macht mich heiß, wenn...". Tabu sind Phrasen wie "es nervt mich, wenn...", "lass das...".
    Meiden Sie generelle Wörter wie immer, nie, dauernd - und formulieren Sie Wünsche statt Vorwürfe.
  • Lust braucht Gelegenheit, Spielräume und Zeit: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für einander. Wie wäre es, wenn Sie jetzt beginnen und zu einem Rendezvous einladen? Nehmen Sie sich Zeit, lassen Sie Ihre Fantasie spielen und erwarten Sie nicht gleich intensiven Körperkontakt beim ersten bewussten Date. Freuen Sie sich über den ersten bewussten Schritt in Richtung Lust.
  • Einladungen sind viel erfolgreicher als Vorwürfe: Womit waren Sie schon früher erfolgreich beim Partner? Was turnt ihn bzw. sie an? Womit können Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin jetzt einladen und positiv überraschen? Was möchten Sie gerne mit Ihrem Partner erleben, wonach sehnen Sie sich? Und wie können Sie das so vermitteln, sodass Ihr Gegenüber es bemerkt?
  • Lustvolle Rituale: Schön wäre es, wenn Sie einander abwechselnd zu Verabredungen einladen. Dies will fix vereinbart werden (z.B.: alle 7/14/21 Tage ein Date, immer abwechseln). Damit statt einer neuen Verpflichtung oder neuen Vorwürfen Vorfreude entstehen kann, ist eine klare Verabredung wichtig. Wenn Sie Lust haben, teilen Sie Ihrem Partner z.B.: nur den "Dresscode" mit, alles andere wird eine Überraschung. Es geht weniger um teure Einladungen als um genussvolle gemeinsame Erlebnisse und neue Impulse.
  • Bewusste zärtliche Annäherung: Berühren Sie einander bewusst anders (langsamer, fester, zärtlicher, ...) und spüren Sie, wie es sich anfühlt. Schauen Sie einander bewusst mit Blickwinkel auf das Positive an und sagen Sie dem anderen, was Ihnen schon immer gefallen hat oder heute besonders auffällt, bemerken Sie wieder die wunderschönen Augen oder sinnlichen Lippen, die erotische Stimme, den Schwung der Augenbrauen. Je mehr Zeit Sie sich lassen, desto mehr fällt Ihnen auf.
  • Manchmal kommt der Appetit auch erst beim Essen: Lassen Sie sich ein. Tatsächlich kommt auch beim Sex die Lust oft erst durch Aktivität und durch angenehme sexuelle Erlebnisse. Sagen Sie, was Sie möchten, vielleicht zu Beginn eine langsamere Annäherung?

Hierzu ein sportlicher Vergleich - wer nach langer Pause neu mit dem Laufen beginnt, braucht auch ein wenig Durchhaltevermögen und Regelmäßigkeit, bis er wieder Freude, Erfolge und ein Hochgefühl verspürt.

Wer sich für ein Leben mit Lust und Sexualität entscheidet, wird sich immer wieder aktiv zeigen müssen und auch wollen. Auf der anderen Seite ist es auch notwendig, die Signale des anderen zu lesen und wahrzunehmen, auch kleine Hinweise wollen wahrgenommen und liebend gerne aufgegriffen werden. Tauschen Sie sich wohlwollend aus. Fragen Sie nach und finden Sie klare Worte, sonst können Interpretationen irreführend sein. Mit Achtsamkeit und Überraschungsmomenten gelingt die für Sie richtige Mischung aus Lust, Hingabe, Geben und Nehmen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

  • Sex & Achtsamkeit, S. Rescio, J. Kamphausen, 1. Auflage, Bielefeld, 2014
  • Guter Sex trotz Liebe, U. Clement, Ullstein, 1. Auflage, Berlin, 2015
  • Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe, J. Gottman, Ullstein, 11. Auflage, Berlin, 2012

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