Das Kondom

Ein Paar im Bett, Mann zieht Kondom aus der Hülle
Das Kondom schützt vor Krankheiten und vor einer Schwangerschaft (Photographee.eu - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Verhütung, Sexualität

Das Kondom (Präservativ) ist eine hauchdünne Gummihülle, die vor dem Sex über den steifen Penis gestülpt wird. Als einziges Verhütungsmittel schützt es vor sexuell übertragbaren Krankheiten und Infektionen.

Mit Kondom ist es sicherer: Es verhindert bei richtiger Anwendung recht zuverlässig eine ungewollte Schwangerschaft - auch wenn es bei der Verwendung anderer Verhütungsmittel zu Anwendungsfehlern gekommen ist (z.B. Pille vergessen). In einem Kondom wird der Samenerguss aufgefangen und gelangt nicht in die Scheide. Die meisten Kondome werden aus Naturkautschuk hergestellt und enthalten Latex - bei einer Latexallergie kann auf latexfreie Kondome ausgewichen werden. Ebenso gibt es Kondome in unterschiedlichen Größen und Weiten für den perfekten Sitz.

Für wen ist das Kondom geeignet?

Kondome sind für alle sexuell aktiven Menschen sinnvoll, egal ob hetero-, homo- oder bisexuell. Es ist das einzige Verhütungsmittel, das bei richtiger Anwendung ohne Nebenwirkungen vor sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV, Syphilis, Tripper oder Chlamydien und gleichzeitig vor ungewollten Schwangerschaften schützt.

Wichtig dabei: Nach dem Orgasmus muss der Penis aus der Scheide gezogen werden, bevor die Erektion nachlässt. Damit das Kondom nicht abrutscht und keine Samenflüssigkeit austritt,  beim Herausziehen am besten am Gliedansatz festhalten.

Es ist auch sinnvoll, mit Kondom zu verhüten, wenn es bei einem hormonellen Verhütungsmittel zu einem Anwendungsfehler gekommen ist (z.B. Pille vergessen) bzw. bei Durchfall oder Erbrechen nach der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln.

Achtung bei Latexallergie!

Ungefähr 2 % der Österreicher sind von einer Latexallergie betroffen. Herkömmliche Kondome sind meist aus Latex gefertigt. Drogerien, Apotheken und Erotikfachhandel bieten auch latexfreie Kondome an.

Wie sicher sind Kondome?

Der Pearl-Index von Kondomen liegt bei 2 bis 12. Das heißt, in unterschiedlichen Untersuchungen wurden im Verlauf eines Jahres 2 bis 12 von 100 Frauen schwanger. Zum Vergleich: Der Pearl-Index der Pille liegt bei 0,1 - 0,9 (Minipille bei 0,14 - 3). Auch Geschlechtsverkehr ohne Anwendung von Verhütungsmitteln hat einen Pearl-Index, er liegt bei 60 - 80.

Vorteile/Nachteile

Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen kann:

Vorteile des Kondoms

Nachteile des Kondoms


Als einziges Verhütungsmittel schützt das Kondom vor sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV, Herpes, Syphilis, Tripper (Gonorrhoe), Chlamydien und Trichomonaden und bei richtiger Anwendung auch vor einer Schwangerschaft

Hat keine Nebenwirkungen

Ist ohne Verschreibung erhältlich

Greift nicht in den Hormonhaushalt ein

Anwendung während der Stillzeit problemlos möglich

Ein Kondom ist nur bei richtiger Anwendung sicher

Anwender müssen unmittelbar vor jedem sexuellen Kontakt an Verhütung denken

Manche Menschen empfinden Kondome beim Sex als störend

Anwendung

Scharfe Fingernägel oder andere spitze Gegenstände sollten nicht mit dem Kondom in Berührung kommen. Auch das Aufreißen der Verpackung mit den Zähnen ist tabu. Dadurch könnte das Kondom einen kleinen Riss oder ein Loch bekommen und die empfängnisverhütende Wirkung ist dann nicht mehr gegeben. Da es bei der Verwendung häufig zu Anwendungsfehlern kommt, ist es sinnvoll, das Überziehen des Kondoms vor dem "ersten Mal" zu üben (z.B. am eigenen Penis oder an einem penisähnlichen Gegenstand).

Das Kondom überziehen - so geht‘s

Wenn Sie das Kondom vorsichtig aus der Packung genommen haben, kann es über den Penis gezogen werden. Dafür halten Sie es am oberen Ende fest, an dem sich ein kleines Reservoir für das Sperma befindet. Dieses Reservoir drücken Sie mit Daumen und Zeigefinger zusammen (dadurch entweicht die Luft und es wird "Platz" geschaffen für das aufzunehmende Sperma), mit der anderen Hand formen Sie mit Daumen und Zeigefinger einen Ring und streifen das Kondom vorsichtig über den steifen Penis.

Achten Sie darauf, das Kondom von der richtigen Seite abzurollen. Falls Sie es doch einmal falsch herum verwendet haben, drehen Sie es nicht einfach um - es könnte bereits mit Samenflüssigkeit in Kontakt gekommen sein, eine Schwangerschaft könnte die Folge sein. Nehmen Sie daher ein neues.

Nach dem Samenerguss sollten Sie darauf achten, das Kondom festzuhalten, wenn Sie den Penis aus der Vagina ziehen. Die Samenflüssigkeit sollte mit der Scheide nicht in Berührung kommen.

Ein Kondom darf niemals 2 Mal verwendet werden, sondern gehört nach dem Sex in den Mülleimer. Werfen Sie das gebrauchte und zugeknotete Kondom der Umwelt zuliebe nicht in die Toilette. Was sonst noch zu beachten ist:

  • Verwenden Sie nie 2 Kondome auf einmal. Durch die Reibung könnten Löcher entstehen.
  • Falls Sie ein Gleitmittel verwenden, verwenden Sie nur wasserlösliche, fettfreie Gleitgele oder ein Silikongel. Gleitmittel, die Fett enthalten (z.B. Vaseline, Cremen, Lotionen oder Öl) können das Kondom beschädigen.
  • Die Anwendung chemischer Verhütungsmittel (z.B. Scheidenzäpfchen oder Schaum) gemeinsam mit einem Kondom sollte vermieden werden. Das Kondom könnte durch die Inhaltstoffe dieser Substanzen porös und durchlässig werden. Somit schützt das Kondom nicht mehr vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
  • Auch Medikamente wie Vaginalzäpfchen zur Behandlung einer Pilzerkrankung der Vagina können das Kondom beschädigen.

Kondom gerissen - was tun?

Wenn das Kondom gerissen oder abgerutscht ist, bemerken die Sexualpartner dies normalerweise sofort, spätestens aber nach dem Geschlechtsverkehr. Falls im aktuellen Zyklus nicht zusätzlich mit einem anderen Verhütungsmittel verhütet wird, könnte es zu einer Schwangerschaft kommen. Für solche Fälle gibt es die sogenannte Pille danach. Sie ist in Österreich rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und muss je nach Wirkstoff bis spätestens 120 Stunden nach der Verhütungspanne eingenommen werden.

Falls der Verdacht besteht, dass es zur Übertragung von HIV gekommen sein könnte, wenden Sie sich schnellstmöglich entweder an eine Aids Hilfe Beratungsstelle in Ihrer Nähe oder in einem spezialisierten Krankenhaus. Dort erhalten Sie Informationen zum Ansteckungsrisiko und allen anderen offenen Fragen. Außerdem können Sie sich über die Durchführung einer Postexpositionsprophylaxe informieren. Das ist eine Therapie, die am besten gleich bis spätestens 48 Stunden nach dem Sexualkontakt begonnen und für 4 Wochen fortgesetzt werden muss. Das Infektionsrisiko kann so deutlich vermindert werden. Da diese Therapie aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist, stellt sie keinesfalls eine Alternative zu safer sex dar!

Worauf beim Kauf achten?

Kondom ist nicht gleich Kondom! Einige Dinge sollten Sie beim Kauf von Kondomen unbedingt beachten. Nur das richtige Kondom bietet Schutz vor einer Schwangerschaft oder vor sexuell übertragbaren Krankheiten:

Auf die Größe kommt's an

Beim Kauf des Kondoms unbedingt auf die richtige Größe achten, das erleichtert das Überziehen. Das Kondom sollte nicht zu eng oder zu weit sein.

Die richtige Größe  ist aus 2 Gründen wichtig

  • Ist das Kondom zu groß, kann es während des Liebesspiels vom Penis rutschen.
  • Ist das Kondom zu klein, wird das Überziehen erschwert. Außerdem kann es mit einem zu engen Kondom schwierig sein, die Erektion beizubehalten.

Ablaufdatum

Auch Kondome haben ein Ablaufdatum. Achten Sie beim Kauf daher auf das Haltbarkeitsdatum. Kondome sollten außerdem vor Hitze, Reibung und Druck geschützt aufbewahrt werden und kühl und trocken gelagert werden. Die Geldbörse ist nicht der richtige Ort für eine dauerhafte Aufbewahrung des Kondoms.

CE-Kennzeichnung

Qualitätskondom haben eine CE-Kennzeichnung (CE + angefügte Nummer), die auf die Verpackung aufgedruckt ist. Kondome gelten in der EU als Medizinprodukte und unterliegen deshalb gesetzlichen Bestimmungen. Verwenden Sie daher keine Kondome ohne CE-Kennzeichnung.

Ist die Kondomhülle dicht?

Durch die sogenannte "Fingerprobe" (das verpackte Kondom zwischen Daumen und Zeigefinger ein wenig drücken, um den Luftpolster zu spüren) kann man erkennen, ob die Kondomhülle beschädigt ist - wenn es zu kleinen Rissen oder Beschädigungen gekommen ist, kann das Kondom austrocknen und ebenfalls porös werden. In all diesen Fällen unbedingt ein neues Kondom verwenden.

Wo kaufen?

Kaufen Sie Kondome am besten nicht aus einem Automaten. Das Ablaufdatum könnte überschritten sein. Aber auch Temperaturschwankungen können Kondome brüchig werden lassen.

Kondome sollten Sie daher nur in einer Apotheke, einem Drogeriemarkt oder im Erotikfachhandel besorgen.

Auch bei Kondomen, die z.B. auf Festivals verteilt werden, sollten diese Kriterien beachtet werden. Wichtig ist dabei auch immer, darauf zu achten, dass die Verpackung nicht beschädigt wurde.

Kosten

Die Kosten für ein Kondom liegen zirka zwischen 50 Cent bis 1 Euro pro Stück.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Mag.a Deborah Klingler-Katschnig

Prävention für Jugendliche, Aids Hilfe Wien

www.aids.at

Quellen

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