Wenn das Kind zum Zahnarzt muss

Kindergartenkind bei Zahnarztkontrolle
Nicht nur die zweiten Zähne, auch die Milchzähne sollten 2x im Jahr vom Zahnarzt kontrolliert werden. (Sergey Nivens - Fotolia.com)

Auch Milchzähne müssen gut gepflegt und vom Zahnarzt kontrolliert werden, weil sie als "Platzhalter" für die zweiten Zähne dienen und eine normale weitere Gesichts- und Gebissentwicklung unterstützen.

Ein gesundes Milchgebiss führt in der Regel zu einem gesunden bleibenden Gebiss, Störungen des Muskelgleichgewichts, der Kaufunktion und Kiefergelenksbeschwerden treten seltener auf. Sobald die Milchzähne durchblitzen, sollte der Zahnarzt 2x im Jahr einen Blick darauf werfen, um Karies und Zahnschäden vorzubeugen. Wie Sie Ihr Kind am besten auf seinen ersten Zahnarztbesuch vorbereiten und was üblicherweise dabei passiert, hat die Wiener Kinderzahnärztin, DDr. Karin Assadian, im Gespräch mit gesund.at zusammengefasst.

Ab wann sollten Eltern mit ihrem Kind zum Zahnarzt gehen?

DDr. Karin Assadian: Wichtig ist, dass man mit dem Kind rechtzeitig kommt, d.h. die kinderzahnärztliche Empfehlung lautet ab dem ersten Milchzahn. Hier geht es vor allem darum, die Verhaltensmuster der Eltern abzuklären. Kinder, die ununterbrochen an einer Flasche mit Saft nuckeln, bekommen durch dessen Zuckergehalt und die daraus durch bakteriellen Stoffwechsel entstehende Säure Zahnschäden. Auch das häufige Trinken von "gesunden" Fruchtsäften führt über die direkte Wirkung des Säuregehaltes der Getränke zum regelrechten "Auflösen" der Zähne, die gerade erst herausgekommen sind. Daher sollten Kinder so früh wie möglich daran gewöhnt werden Wasser zu trinken.

Wie können Eltern ihr Kind auf den ersten Zahnarztbesuch vorbereiten?

DDr. Karin Assadian: Am besten ist es, wenn das Kind unvoreingenommen zu uns kommt und die Eltern dem Kind nur erzählen, dass sie heute mit ihm zum Kinderzahnarzt gehen. Ein guter Satz ist zum Beispiel: "Der Zahnarzt wird deine Zähne zählen."

Wichtig ist, dass Eltern ihre eigenen Ängste und Gefühle im Vorfeld nicht auf das Kind übertragen. Aussagen wie: "Brauchst eh keine Angst haben, das ist vollkommen harmlos und wird sicher nicht wehtun" sollten deshalb unbedingt vermieden werden. Das Kind merkt sich nur "weh tun". Das Wort "harmlos" im Satz wird überhört. Je weniger Aufhebens Sie diesbezüglich machen, desto besser.

Was passiert beim ersten Zahnarztbesuch?

DDr. Karin Assadian: Beim ersten Zahnarztbesuch wird ein Röntgenbild der Zahnkontakte - für die Kinder "ein Foto der Zähne" - gemacht, das einen guten Blick auf den Gesundheitszustand der Zähne ermöglicht. Danach wird das Kind ins Behandlungszimmer begleitet. Wir lassen ihm Zeit, bis es dazu bereit ist, sich auf den Behandlungsstuhl zu legen. Kaum sieht es das Fernsehprogram an der Decke über dem Stuhl, ist meist das Eis gebrochen und wir können mit der Untersuchung beginnen. Ich erzähle dem Kind gerne, dass ich die Zähne im Licht "glitzern" und "funkeln" lasse und dann zähle ich die Zähnchen durch und kann dabei den Gesundheitszustand der Zähne feststellen und einen kieferorthopädischen Befund erstellen. Danach gibt’s eine kleine Belohnung.

Was passiert wenn ein Milchzahn von Karies befallen ist?

DDr. Karin Assadian: Die Behandlung findet bei uns nicht an jenem Tag statt, an dem ich den Kariesbefall entdecke. Wichtig ist, das Kind im Vorfeld auf die Behandlung vorzubereiten. Das machen wir in einer Prophylaxesitzung, in der das Kind spielerisch an die Zahnbehandlung herangeführt wird.

Wie die eigentliche Kariesbehandlung dann genau aussieht, hängt davon ab, wie weit sich Karies schon entwickelt hat. Meistens werden kleine Füllungen aus hoch- keramikhaltigen Füllmaterialien gemacht. Bei fortgeschrittenem Kariesbefall kann auch bei Milchzähnen die Durchführung einer Wurzelbehandlung und einer Überkronung notwendig sein oder der betroffene Zahn muss entfernt werden. Dort wo dann eine Zahnlücke entsteht, werden oft Platzhalter eingesetzt, um Zahnwanderungen zu verhindern.

Sie arbeiten auch mit Kinderhypnose. Wie funktioniert das genau?

DDr. Karin Assadian: Durch die Anwendung der Kinderhypnose wird das Kind von der eigentlichen Behandlung abgelenkt. Alles, was ich mache, begründe ich durch eine Geschichte. Wenn die Zähne betäubt werden, verwende ich z.B. nicht das Wort "Spritze", sondern ich erzähle dem Kind, dass ich die Zähnchen mit einem "Strohhalm" füttere. Der Schmerz bei der Anästhesie wird nicht durch den Einstich der Nadel, sondern durch den dabei entstehenden Druck im Gewebe ausgelöst. Wir verwenden spezielle Geräte, mit denen man diesen Druck über eine elektronische Drucksteuerung ganz langsam und zart dosieren kann, damit die Anästhesie vollkommen schmerzfrei abläuft. Dabei reden wir ständig mit dem Kind. Die Geschichten, die wir erzählen, klingen für die Eltern wahrscheinlich oft etwas konfus, dies geschieht aber mit voller Absicht.

Wie kann der Zahnarzt die Angst vor dem Bohrer nehmen?

DDr. Karin Assadian: Hypnose ist sicher eine gute Methode um die Aufmerksamkeit von der Behandlung wegzulenken. Bei Kindern mit sehr starker Angst hilft auch die Anwendung von Lachgas, um die erste Unsicherheit zu überwinden und die Kinder hypnosefähiger zu machen. Sie bekommen viel Sauerstoff und nur ein bisschen Lachgas über die Nase. Die Kinder sind für die gesamte Dauer der Behandlung gut ansprechbar. Häufig fangen sie sogar an zu lachen, werden sehr lustig und bekommen von der eigentlichen Untersuchung selbst nichts mit. Die Wirkung von Lachgas lässt nach der Behandlung gleich wieder nach.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

DDr. Karin Assadian

Kinderzahnärztin und Kieferorthopädin, 1180 Wien

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