Hormonelle Verhütung

die Pille und ein Erinnerungszettel am Spiegel
Die Pille zählt zu den hormonellen Verhütungsmitteln, sie ist die beliebteste Verhütungsmethode. (thingamajiggs - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Verhütung

Hormonelle Verhütungsmittel greifen in den Hormonaushalt der Frau ein, anders als z.B. die Kupferspirale, das Diaphragma oder das Kondom. Sie täuschen dem Körper gewissermaßen eine Schwangerschaft vor.

Je nach Verhütungsmethode werden Eisprung und Befruchtung bzw. das Einnisten der Eizelle in die Gebärmutter verhindert. Bei vielen Frauen treten neben diesen Wirkungen auch noch andere unerwünschte Nebenwirkungen (z.B. Gewichtszunahme) auf. Werden hormonelle Verhütungsmittel abgesetzt, dauert es meist mehrere Wochen oder Monate, bis sich der natürliche Rhythmus des weiblichen Zyklus wieder eingestellt hat. Dennoch ist auch in dieser Zeit möglich schwanger zu werden. Hormonelle Verhütungsmittel für Männer z.B. in Form der Pille für den Mann gibt es nicht.

Übersicht

Hormonelle Verhütung: Künstliche Hormone

Je nach Methode kommen bei der hormonellen Verhütung entweder die künstlich hergestellten Hormone Östrogen und Gestagen zusammen oder nur das Hormon Gestagen zum Einsatz:

  • Wirkung von Östrogen: Senkt die Absonderung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) und unterdrückt dadurch den Eisprung
  • Wirkung von Gestagen (Gelbkörperhormon): Hemmt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, verdickt den Schleim am Gebärmutterhals, sodass Spermien nicht eindringen können

Wie sicher ist hormonelle Verhütung?

Je nach Methode ist hormonelle Verhütung unterschiedlich sicher. Wie sicher ein Verhütungsmittel ist wird mit dem sogenannten Pearl Index angegeben. Je kleiner diese Zahl ist, umso sicherer ist die Verhütungsmethode. Ein Pearl Index von 1 beispielsweise besagt, dass 10 von 1000 Frauen, die diese Verhütungsmethode 1 Jahr lang angewendet haben, schwanger werden.

Was hormonelle Verhütung nicht kann

Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wird durch hormonelle Verhütung nicht gewährleistet, da es sich dabei um keine Barriere-Methode handelt. Vor Krankheiten wie HIV, Chlamydien, Herpes genitales, Syphilis, Tripper und anderen Krankheiten die durch Sex übertragen werden schützt nur ein Kondom!

Kosten hormoneller Verhütungsmittel

Die Kosten für hormonelle Verhütung werden in Österreich nicht von der Sozialversicherung übernommen und sind privat zu bezahlen. Je nach Verhütungsmethode können die Kosten stark variieren.

Verschiedene hormonelle Verhütungsmethoden

Anti-Baby-Pille

Die Pille enthält Östrogen und Gestagen. Durch das Östrogen wird der Eisprung verhindert, Gestagen hemmt das Wachstum der Eizelle aber auch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Gestagen bewirkt eine Veränderung des Schleims am Gebärmutterhals. Dieser wird so zäher und für Spermien undurchlässig,

Die Pille ist heute das am häufigsten angewendete Verhütungsmittel, bei richtiger Einnahme zählt es auch zu den sichersten. Derzeit sind in etwa 70 verschiedene Pillen-Präparate auf dem Markt. Die wesentlichen Unterschiede bestehen in der Dosierung des Östrogens sowie der unterschiedlichen Art der Gestagene.

Manche Pillenpräparate haben auch "angenehme" Nebenwirkungen für die Frau: Neuere Pillen sind wirksam gegen z.B. Hautunreinheiten, fettige Haut und vermindern Körperbehaarung.

Bei der Einnahme der Pille ist darauf zu achten, sie täglich möglichst zur gleichen Uhrzeit zu schlucken. Falls Sie die Pille vergessen haben erhalten Sie Informationen über das weitere richtige Vorgehen aus der Packungsbeilage, auch Ihr Arzt kann darüber Auskunft geben.

Vorteile der Anti-Baby-Pille

Nachteile der Anti-Baby-Pille

Bei richtiger Einnahme zählt sie zu den sichersten Verhütungsmitteln

Eventuell Gewichtszunahme

Regelmäßiger Zyklus (28 Tage)

Bei manchen Frauen führt die Einnahme der Pille zu einem Spannungsgefühl in der Brust, zu Übelkeit oder Kopfschmerzen

Weniger Blutungsstörungen

Depressive Verstimmungen sind möglich

Weniger Eileiterentzündungen

Manche Frauen haben durch die Einnahme der Pille weniger Lust auf Sex

Senkt das Risiko für Krebs der Gebärmutterschleimhaut oder der Eierstöcke

 

Verbessert das Hautbild

 

Kürzere, leichtere Regelblutung

 

Weniger Schmerzen während der Regel

 

Prämenstruelles Syndrom (PMS) bessert sich

 

Pearl Index: 0,1 - 0,9

Kosten: Die Kosten variieren je nach Präparat zwischen 5 und 15 Euro pro Monat.

Minipille

In der Minipille ist ausschließlich das Hormon Gestagen enthalten. Im Körper der Frau werden also das Heranreifen eines Eis und der Eisprung nicht verhindert. Da Gestagen aber den Schleim am Gebärmutterhals verdickt wird dieser für Spermien undurchlässig. Auch der stark verminderte Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verhindert ein Einnisten des Eis.

Bei der Anwendung der Minipille ist es äußerst wichtig, dass die jeweilige Tablette täglich zur exakt gleichen Uhrzeit eingenommen wird, damit die verhütende Wirkung gegeben ist. Wird auf die Einnahme der Minipille vergessen muss für den restlichen Zyklus mit einer Barrieremethode (z.B. Kondom oder Diaphragma) verhütet werden.

Vorteile der Minipille

Nachteile der Minipille

Geringere Hormonbelastung als bei der "herkömmlichen" Pille

Zuverlässiger Schutz vor einer Schwangerschaft ist nur gegeben wenn sie täglich zur exakt gleichen Zeit eingenommen wird

Für Frauen geeignet die Östrogen nicht vertragen

 

Für Raucherinnen geeignet

 

Geeignet auch für Frauen mit Risiko für Thrombose oder Herzkreislauferkrankungen

 

Bei längerer Einnahme wird die Regelblutung schwächer und dauert weniger lang

 

Pearl Index: 0,5 - 3

Kosten: Je nach Präparat variieren die Kosten zwischen 5 und 15 Euro pro Monat.

Verhütungspflaster

Das Verhütungspflaster ist ein transdermales Pflaster, das heißt es gibt Wirkstoffe über die Haut an den Körper ab. Konkret handelt es sich dabei um eine Kombination der Hormone Östrogen und Gestagen. Einmal wöchentlich klebt die Frau ein etwa 4,5 x 4,5 cm großes Pflaster auf die Haut, es gibt auch eine rundes Minipflaster, mit dem verhütet werden kann. Es kann entweder auf den Bauch, den Po oder den Oberkörper (nicht auf die Brust) geklebt werden. Drei Wochen hintereinander muss das Pflaster einmal wöchentlich immer am gleichen Wochentag gewechselt werden. Anschließend folgt eine "pflasterfreie" Woche. In dieser Woche setzt die Monatsblutung ein.

Durch einen speziellen Klebstoff dem Hormone beigemengt sind, haftet das Pflaster meist gut. Nach einigen Tagen kann sich ein unschöner schwarzer Rand um das Pflaster herum bilden, dadurch wird die Wirkung aber nicht eingeschränkt. Schwimmen, Saunabesuche oder Sport sind kein Problem. Manchmal kann es aber doch passieren, dass sich das Pflaster von der Haut ablöst. Innerhalb von 12 Stunden sollten Sie dann ein neues Pflaster aufkleben.

Wichtig ist, vor dem Aufkleben des Pflasters darauf zu achten, dass die Haut sauber ist. Cremen Sie die Stelle nicht mit Köperlotion oder -öl ein, bevor Sie das Pflaster aufkleben.

Pearl-Index: 0,72 – 0,9

Mini-Verhütungspflaster

Seit Oktober 2015 gibt es ein neues Mini-Verhütungspflaster. Dabei handelt es sich um ein kleines, transparentes, niedrig-dosiertes Matrix-Pflaster. Die Wirkstoffe Gestoden und Ethinylestradiol werden über die Haut ins Blut abgegeben, der Eisprung so verhindert. Gleichzeitig wird der Schleim im Gebärmutterhals verdickt, sodass Spermien nicht mehr zur Eizelle gelangen können. Die Wirkstoffkombination wird langsam und kontinuierlich freigesetzt – das ermöglicht eine niedrige Dosierung bei gleichbleibender Wirksamkeit und eine gute Aufnahme über die Haut

Pearl-Index: 0,4

Vorteile des Verhütungspflasters

Nachteile des Verhütungspflasters

Frau muss nur 1 Mal wöchentlich an die Verhütung denken

Die Größe des Pflaster (5x5 cm) stellt für einige Frauen ein kosmetisches Problem dar. Es gibt aber auch ein kleineres, rundes Minipflaster.

Konstante Abgabe von Hormonen wodurch "Hormonspitzen" vermieden werden

Ev. Hautreizungen an der Klebestelle

Bietet auch bei Erbrechen oder Durchfall zuverlässigen Schutz

Ev. Kopfschmerzen, Übelkeit, Brustspannen

 

Bei einigen Frauen nehmen die Menstruationsbeschwerden zu

Verhütungsring/Vaginalring

Der Verhütungsring ist ein Kunststoffring mit einem Durchmesser von zirka 5 cm. Leicht zusammengedrückt wird er ähnlich wie ein Tampon in die Vagina eingeführt. Anders als z.B. das Diaphragma ist der Verhütungsring keine Barrieremethode, weshalb die exakte Lage des Rings unwichtig ist. Anwendungsfehler sind kaum möglich. Der Verhütungsring bleibt für 3 Wochen in der Vagina und gibt kontinuierlich Hormone an den weiblichen Körper ab. Diese werden über die Scheidenhaut aufgenommen. Frau muss 2 Mal im Monat an die Verhütung denken: wenn sie den Ring einsetzt und wenn sie ihn nach 3 Wochen wieder aus der Vagina entfernt. Danach folgt eine "ringfreie" Woche, in der die Monatsblutung eintritt.

Der Verhütungsring enthält Östrogen und Gelbkörperhormone (Gestagen) und wirkt somit ähnlich wie die Antibabypille. Der Verhütungsring ist einfach in der Anwendung und gibt nur eine geringe Menge Hormone an den Körper ab. Er eignet sich daher für Frauen jeden Alters - egal ob Teenager, nach der Geburt oder vor der Menopause.

Beim Sex fühlen sich die meisten Frauen und deren Partner nicht vom Verhütungsring gestört. Falls er aber im Weg ist kann er während des Geschlechtsverkehrs auch herausgenommen werden. Zu berücksichtigen ist dabei, den Ring während der 3 Wochen in denen er angewendet wird, nicht länger als 3 Stunden außerhalb der Scheide zu lassen. Möglicherweise kann dann die verhütende Wirkung herabgesetzt sein, wenn die Anwendung länger unterbrochen wird.

Vorteile des Verhütungsrings

Nachteile des Verhütungsrings

Frau muss nur 2 Mal im Monat an die Verhütung denken

Ev. Kopfschmerzen, Übelkeit, Spannen der Brust

Hormonspitzen werden vermieden

Ev. Scheidenreizung oder Ausfluss

Schutz auch bei Erbrechen oder Durchfall

Manche Frauen oder deren Partner fühlen sich beim Sex vom Vaginalring gestört

Auftreten von Scheideninfektionen ist weniger wahrscheinlich

 

Enthält weniger Hormone als die Pille, deshalb sind Nebenwirkungen geringer

 

Pearl Index: 0,4 - 0,65

Kosten: etwa 20 Euro pro Monat

Drei-Monats-Spritze/Depotspritze

Die Drei-Monats-Spritze ist ein Langzeitverhütungsmittel, das das Hormon Gestagen enthält. Wie der Name schon sagt, wird alle 3 Monate eine größere Menge des Hormons vom Arzt in den Oberarm oder den Po injiziert und hemmt so für 12 Wochen den Eisprung.

Die erste Spritze wird in den ersten 5 Tagen nach der Regelblutung verabreicht und im 3 Monatsrhythmus wiederholt.

Da es nach der Anwendung der Drei-Monats-Spritze möglicherweise bis zu 2 Jahre dauert, bis eine Schwangerschaft wieder möglich ist, empfehlen Gynäkologen diese Verhütungsmethode eher für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung.

Vorteile der Drei-
Monats-Spritze

Nachteile der
Drei-Monats-Spritze

Zuverlässige Verhütung für 3 Monate

Alle 3 Monate ist ein Arztbesuch nötig

Einnahmefehler sind ausgeschlossen

Wenn Nebenwirkungen auftreten kann man nicht einfach von heute auf morgen mit der Anwendung stoppen

Gebärmutterkrebs- und Brustkrebsrisiko sinken

Ev. Zyklusstörungen (z.B. häufigere oder stärkere Blutungen, Schmierblutungen)

Kann auch während der Stillzeit verabreicht werden

Ev. Gewichtszunahme, Akne, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Depression

 

Lust auf Sex kann abnehmen

 

Bei längerer Anwendung kann es unter Umständen bis zu 2 Jahre dauern bis eine Schwangerschaft wieder möglich wird

 

Bei Medikamenteneinnahme (z.B. Antibiotika) kann u.U. eine zusätzliche Verhütung (Kondom) nötig sein

Pearl Index: 0,3 - 0,88

Kosten: Etwa 30 Euro pro Spritze.

Verhütungsstäbchen/Hormonimplantat

Das Verhütungsstäbchen ist ein 4 cm langes und 2 mm dickes Kunststoff-Stäbchen, das Gestagen enthält. Es wird vom Gynäkologen unter die Haut auf der Innenseite des Oberarms eingesetzt. Dafür ist lediglich ein dünner Hautschnitt nötig. Mit Hilfe eines Applikators platziert der Gynäkologe das Stäbchen und legt anschließend einen Druckverband an. Die Schmerzen, die auftreten können, während das Verhütungsstäbchen eingesetzt wird, sind mit jenen bei einer Blutabnahme vergleichbar. Von außen ist das Implantat nicht sichtbar, es kann aber ertastet werden. Das Gestagen wird direkt in den Blutkreislauf abgegeben, weshalb die Menge der Hormone äußerst gering ist.

Das Verhütungsstäbchen kommt ohne das Hormon Östrogen aus, daher ist das Risiko für Krampfadern und Thrombosen nicht erhöht.

Das Verhütungsstäbchen ist für Frauen die einen langfristigen Verhütungsschutz wünschen geeignet, vor allem für Raucherinnen, Frauen mit Problemen bei der Blutgerinnung oder Fettstoffwechselstörungen.

Vorteile des Verhütungsstäbchens

Nachteile des
Verhütungsstäbchens

Zuverlässiger Empfängnisschutz für 3 Jahre

Ev. Kopfschmerzen, depressive Verstimmung, Spannen der Brust, Gewichtszunahme, Hautunreinheiten oder Haarausfall

Anwendung ist auch während Stillzeit möglich

In den ersten Monaten nach dem Einsetzen kann es zu unregelmäßigen Monatsblutungen kommen

Schutz auch nach Erbrechen oder Durchfall

 

Entfernen ist jederzeit möglich (z.B. bei Nebenwirkungen)

 

Pearl Index: 0,0 - 0,08

Kosten: Etwa 300 bis 400 Euro für 3 Jahre inklusive Einsetzen und Entfernen.

Hormonspirale

Die Hormonspirale vereint die Vorteile hormoneller Verhütung mit jenen der Kupferspirale. Die Hormonspirale besteht aus einem Kunststoffzylinder in T-Form, der in die Gebärmutterhöhle eingelegt wird. In geringen Dosen wird das Gelbkörperhormon Levonorgestrel direkt in die Gebärmutterhöhle abgegeben. Dadurch wird weniger Gebärmutterschleimhaut aufgebaut, so kann sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten. Ein Vorteil der Hormonspirale liegt darin, dass die Monatsblutung nur sehr schwach ist. Bei einigen Frauen bleibt sie sogar ganz aus.

Vorteile der Hormonspirale

Nachteile der Hormonspirale

Zuverlässige Verhütung für 5 Jahre

Ev. unregelmäßige Blutungen oder Krämpfe während der ersten 3 Monate der Anwendung

Der natürliche Hormonzyklus wird kaum beeinflusst

 

Sofort nach der Entfernung kehrt die Fruchtbarkeit zurück

 

Kürzere und schwächere Monatsblutungen, ev. bleibt sie ganz aus

 

Weniger häufige Infektionen

 

Pearl Index: 0,16

Kosten: Etwa 300 bis 400 Euro für 5 Jahre inklusive Einsetzen und Entfernen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Doris Stolzlechner

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Wien

Gesundheitskompass Website

Quellen

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