9 häufige Fragen zur Brustkrebsvorsorge

Die Brustkrebsvorsorge zielt darauf ab, Tumorerkrankungen rechtzeitig zu erkennen, um so die Heilungschancen zu verbessern. (aydemori - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei der Frau. Rechtzeitig erkannt und behandelt ist die Erkrankung meist heilbar. Was sollten Sie zur Brustkrebsvorsorge wissen?

In Österreich erkranken jedes Jahr rund 5.000 Frauen an Brustkrebs. Mit fortlaufendem Alter steigt das Krebsrisiko an. Vorsorgemaßnahmen können Brustkrebs nicht verhindern. Eine Früherkennung steigert jedoch die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung. Erfahren Sie, was Sie selbst zur Brustvorsorge tun können.

Übersicht

1. Frage: Was kann ich selbst zur Früherkennung einer Erkrankung beitragen?

Die Brustkrebsvorsorge zielt darauf ab, bösartige Veränderungen in der Brust frühzeitig zu erkennen. Dabei gilt: Je eher ein Tumor diagnostiziert wird, desto besser sind die (dauerhaften) Heilungschancen.

Zu den wichtigsten Früherkennungsmethoden zählen

2. Frage: Was sollte ich zur Mammographie wissen?

Bei der Mammographie wird die Brust mithilfe eines Röntgengeräts in zwei bis drei Ebenen durchleuchtet. Auf diese Weise können auch kleinste, nicht spürbare Veränderungen sichtbar gemacht werden.

  • Ab wann? Spätestens ab dem 45. Lebensjahr sollten Frauen regelmäßig zu Mammographie gehen. 
  • Zu welcher Zeit? Für Frauen vor dem Wechsel liegt der günstigste Zeitpunkt dafür in der ersten Zyklushälfte. 
  • Wie oft? Sofern keine familiären Vorbelastungen sowie keine auffälligen Befunde vorliegen, sollte die Mammographie in einem Intervall von 24 Monaten wahrgenommen werden. Für Risikopatienten sind unter Umständen engmaschigere Kontrollen sinnvoll. 
  • Wie hoch ist die Strahlenbelastung? In Relation zum tatsächlichen Brustkrebsrisiko ist das Strahlenrisiko sehr gering. Zum Vergleich: Die Strahlenbelastung bei einer Mammographie ist in etwa gleich niedrig wie bei einem 4 Stunden Flug oder einem einwöchigen Urlaub im Hochgebirge. Moderne Geräte halten die Strahlendosis zusätzlich gering. 
  • Wie treffsicher ist die Mammographie? Bis zu 90% der Brustkrebsfälle werden über die Mammographie aufgedeckt. Bei Risikopatienten und bei unklaren Befunden sind ergänzende Untersuchungsmethoden indiziert. 

3. Frage: Warum ist der Ultraschall wichtig und welche ergänzenden Diagnoseverfahren gibt es noch?

Bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe sowie bei unklaren Befunden wird die Mammographie mit einer Ultraschall-Untersuchung kombiniert. Die sogenannte Mammasonografie ermöglicht eine präzisere Unterscheidung zwischen harmlosen Zysten und Tumoren. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist ein weiteres ergänzendes Diagnoseverfahren.

Erhärtet sich der Verdacht auf ein bösartiges Geschehen, so wird unter Kontrolle eines bildgebenden Gerätes eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und im Labor untersucht.



4. Frage: Wie oft sollte ich die Brust selbst kontrollieren und wann ist der beste Zeitpunkt dafür?

Etwa ab dem 25. Lebensjahr sollten Frauen ihre Brust einmal im Monat auf mögliche Veränderungen abtasten. Der beste Zeitpunkt dafür ist unmittelbar nach der Regel, am besten zwischen dem sechsten und dem zwölften Zyklustag. Um Auffälligkeiten besser wahrnehmen zu können, empfiehlt es sich für die Selbstuntersuchung immer denselben Tag im Monatszyklus zu wählen.

5. Frage: Worauf sollte ich bei der Selbst- und Tastuntersuchung achten?

Um tastbare Knoten zu erspüren, sollte die Brust mit kreisenden Fingerbewegungen abgesucht werden. Stellen Sie sich dazu aufrecht hin und führen Sie die Hand an den oberen äußeren Bereich der Brust. Tasten Sie sich nun mit mehreren Fingern und kreisenden Bewegungen in Richtung Brustwarze vor. Den unteren Bereich der Brust untersuchen Sie am besten im Liegen. Variieren Sie den Druck der Finger, um das Brustgewebe in unterschiedliche Tiefen zu ertasten.

Statistisch gesehen treten die meisten Karzinome im Bereich der Achselhöhle auf. Insofern ist es wichtig, diese Körperregion besonderes gründlich zu untersuchen. Überprüfen Sie Sie auch, ob in den Achselhöhlen vergrößerte Lymphknoten spürbar sind.

6. Frage: Welche Brustveränderungen müssen mit dem Arzt abgeklärt werden?

Leichte Brustschwellungen am Ende des Zyklus gehören zu den harmlosen Brustveränderungen. Daneben gibt es jedoch auch äußere Veränderungen, die unbedingt ärztlich abgeklärt gehören. Dazu zählen:  

  • (Neu) Ertastete Knoten in Brust oder Achsel
  • Asymmetrie: Beispielsweise wenn eine Brust plötzlich größer als die andere erscheint.  Wenn sich die Brüste beim Heben der Arme unterschiedlich verhalten, sollte ebenfalls ein Arzt zurate gezogen werden.   
  • Eingezogene Brustwarzen
  • Hautrötungen an der Brust
  • Nicht verschiebbare Verhärtungen in der Brust
  • Austritt von Flüssigkeit oder Blut aus einer oder beiden Brustwarze(n) 

7. Frage: Welche Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken?

Vorweg: Brustkrebs entwickelt sich nicht aufgrund einer Einzelursache. Einige Faktoren stehen jedoch überdurchschnittlich häufig im Zusammenhang mit Brustkrebs. 

Alter

Die Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken steigt ab dem 30. Lebensjahr. Mit jedem weiteren Lebensjahrzehnt nimmt das Risiko erheblich zu. Bis zu 80 Prozent der Brustkrebsfälle treten nach dem 50. Lebensjahr auf.

Hormonsituation

Tumorzellen im Brustgewebe reagieren auf Hormone. Je länger weibliche Hormone wie Östrogen und Gestagen auf den Körper einwirken, desto größer ist daher auch das Brustkrebsrisiko. Dies ist im Speziellen dann der Fall, wenn die erste Regelblutung vor dem 11. Lebensjahr einsetzt und die Frau erst nach dem 54. Lebensjahr in den Wechsel kommt. 

Kinderlosigkeit

Sie trägt ebenfalls zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko bei. Eine Ursache hierfür: Nach der Geburt bewirkt ein hormoneller Impuls, dass die Milchdrüsenzellen ihre Funktion in der Milchproduktion aufnehmen. Wird beispielsweise im Falle einer Kinderlosigkeit keine Milch produziert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Zellen bösartig entarten. Umgekehrt reduzieren Schwangerschaften und längere Stillperioden die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken. 

Genetische Vorbelastung

In manchen Familien tritt Brustkrebs gehäuft auf. Dies ist unter vor allem folgenden Familienkonstellationen der Fall: 

  • Wenn in der Familie mindestens zwei verwandte Frauen 1. Grades (Mutter oder Schwester) an Brust- und/oder Eierstockkrebs erkrankt sind.
  • Wenn die Krebserkrankung bei einer Verwandten 1. Grades vor dem 50. Lebensjahr auftritt.  
  • Wenn ein männlicher Verwandter unter Brustkrebs leidet.

Allerdings sollte man wissen: Nur 5-10 von 100 Erkrankungen sind genetisch bedingt. 

8. Frage: Was kann ich tun, wenn ich ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs habe?

Bei familiärer Prädisposition sind intensivere Vorsorgemaßnahmen als üblicherweise empfohlen angeraten. Diese sind individuell mit dem behandelnden Arzt abzuklären und beinhalten in der Regel folgende Vorkehrungen:

  • Mammographie bereits ab dem 35. Lebensjahr
  • MRT bereits ab dem 25. Lebensjahr
  • BRCA-Gentest: Unter bestimmten Voraussetzungen schafft eine genetische Untersuchung Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit einer Tumorbildung. 

9. Frage: Welche Lebensstilmaßnahmen reduzieren das Brustkrebsrisiko?  


Vermeidung von Übergewicht
Je höher der Körperfettanteil einer Frau ist, desto mehr Sexualhormone werden gebildet. Dadurch wird auch die Zellteilung in der Brust angeregt – die Wahrscheinlichkeit für bösartige Zellentartungen steigt. Die Reduktion von Übergewicht sowie das Anstreben eines normalen Körpergewichts zählt demnach zu den wichtigsten Bausteinen in der Brustkrebsprophylaxe.

Regelmäßige Bewegung

Körperliche Aktivität senkt den Östrogenspiegel in Blut und Gewebe und verringert damit das Brustkrebsrisiko bei Frauen. Auch im Falle einer bereits vorhandenen Tumorerkrankung reduziert Sport nachweislich die Gefahr eines Rückfalls und erhöht so die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Heilung. 

Alkoholkonsum einschränken

Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Brustkrebsrisiko um bis zu 40 Prozent. Zu einer signifikanten Risikosteigerung kommt es bei einer regelmäßigen Zufuhr von mehr als 50 Gramm Alkohol pro Tag. Das entspricht in etwa einem halben Liter Wein oder 2 Flaschen Bier.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof. Dr. MPH

Christian Singer

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Klinische Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie

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Quellen

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