Neuerungen bei der Brustkrebsvorsorge

Neuerungen bei der Brustkrebsvorsorge: Ärzte sehen auf Befund einer Mammographie
Neu am Brustkrebs-Screening-Programm ist die Doppelbefundung. Die Bilder werden von 2 unabhängigen Radiologen beurteilt. (dalaprod - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Brustkrebs
Seit Jänner läuft das neue Brustkrebs-Screening-Programm in Österreich. Im Gespräch mit gesund.at erklärt der Radiologe Prim. Dr. Hans Peter Sochor die Neuerungen, die sich dadurch ergeben haben.

Bei einer Mammographie wird die Brust geröntgt, so kann Brustkrebs frühzeitig diagnostiziert werden. Eine Früherkennungsuntersuchung kann die Entstehung von Brustkrebs allerdings nicht verhindern, jedoch ist sie die effektivste Methode zur Diagnose. Umso früher Brustkrebs diagnostiziert wird, umso besser sind auch die Heilungschancen. Warum gerade Frauen zwischen 45 und 69 Jahren die Einladung zur Mammographie wahrnehmen sollten, wie die neuen Qualitätsvorgaben und der Ablauf des Brustkrebs-Screenings aussehen, erklärt Dr. Sochor im Interview.

gesund.at: Was wird beim Brustkrebs-Screening gemacht und was sind die Neuerungen?

Dr. Hans Peter Sochor: Bisher gab es kein Screening-Programm zur Brustkrebsvorsorge. Der Gynäkologe oder ein praktischer Arzt hat eine Überweisung ausgestellt, mit der eine Frau dann zur Mammographie gegangen ist. Am Vorgang der Untersuchung selbst hat sich durch das neue Früherkennungsprogramm nichts geändert. Neu ist, dass Frauen zwischen 45 und 69 Jahren ab 1. Jänner routinemäßig alle 2 Jahre automatisch dazu eingeladen werden. Diese Einladung ersetzt dann auch die Überweisung.

Die Hoffnung die hinter diesem Projekt steht, ist das Anliegen mehr Frauen dazu zu bewegen zur Mammographie zu kommen und so die Brustkrebssterblichkeit zu senken. Das Brustkrebs-Screening ist im Prinzip eine Massenuntersuchung für Frauen die die Brustkrebssterblichkeit senken soll. Dafür wurden auch neue Qualitätsvorgaben ins Leben gerufen.

gesund.at: Wie sehen diese neuen Qualitätsvorgaben aus?

Dr. Hans Peter Sochor: Jede Mammographie darf jetzt nur noch von Standorten durchgeführt werden, die das ÖAK-Zertifikat Mammadiagnostik haben. Der durchführende Radiologe muss mindestens 2.000 Befundungen von Mammographie-Aufnahmen vornehmen und spezielle Schulungen absolvieren um dieses Zertifikat zu erhalten. Auch Radiologieassistenten erhalten spezielle Schulungen. Die Mammographie-Geräte werden außerdem vom Uniklinikum überprüft. Neu ist auch, dass die Befundung der Mammographie-Aufnahmen durch 2 unabhängige, zertifizierte Radiologen erfolgt.

gesund.at: Warum ist es wichtig zur Mammographie zu gehen?

Dr. Hans Peter Sochor: Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebsart bei Frauen. Nur wenn Krebs früh erkannt wird kann er gut behandelt werden, die Mammographie ist die zuverlässigste Methode bei der Brustkrebsdiagnostik. Dank der Früherkennung liegt die Überlebensrate von Brustkrebs derzeit bei 84 %. Das bedeutet: nach 5 Jahren sind 84 % der Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs am Leben. Nach dieser Zeitspanne nimmt das Risiko für einen Rückfall erheblich ab.

gesund.at: Welche Frauen werden zum Brustkrebs-Screening eingeladen und warum gerade diese?

Dr. Hans Peter Sochor: Eine Einladung zum Screening erhalten alle Frauen mit gemeldetem Wohnsitz in Österreich zwischen 45 und 69 Jahren. Der Grund dafür, dass genau diese Frauen eingeladen werden ist, dass Brustkrebs vor allem in dieser Altersgruppe auftritt. Frauen zwischen 40 und 45 sowie zwischen 70 und 75 können selbstständig eine Einladung zum Screening unter der Serviceline 0800/500 181 anfordern.

Frauen unter 40 sowie ab 70 Jahre bzw. 75 Jahren, erhalten bei einem Verdacht auf Brustkrebs, wie auch schon zuvor eine Überweisung vom Gynäkologen oder praktischen Arzt mit der sie dann in einem radiologischen Institut einen Termin für eine Mammographie vereinbaren können. Zuweisungen zur Mammographie, die vor dem Start des neuen Brustkrebs-Screening-Programms ausgestellt wurden sind noch bis 30.06.2014 gültig. Es werden rund 63.000 Frauen monatlich zur Mammographie eingeladen. Es wird altersabsteigend eingeladen. Begonnen wurde mit den 69 Jährigen.

gesund.at: Welche Frauen sollten unbedingt an einem Brustkrebs-Screening teilnehmen?

Dr. Hans Peter Sochor: Am Brustkrebs-Screening sollten praktisch alle Frauen teilnehmen, die eine Einladung erhalten. Man untersucht asymptomatische Frauen, also gesunde Frauen, ohne Beschwerden oder Symptome um ‚zufällig‘ Brustkrebs zu diagnostizieren. Werden so viele Fälle entdeckt, kann die Sterberate gesenkt werden.

gesund.at: Wie kommt das Brustkrebs-Screening bei den eingeladenen Frauen an?

Dr. Hans Peter Sochor: Derzeit schlecht. Im Moment kommen nur 3 % der eingeladenen Frauen zur Mammographie. Das Problem könnte an den Altersgruppen liegen, die im Moment eingeladen werden (68 – 69 Jährige). Das Ziel des Gesundheitsministeriums ist, dass 70 % der eingeladenen Frauen am Screening-Programm teilnehmen.

gesund.at: Wenn man eine Einladung zur Mammographie erhält und diese auch in Anspruch nehmen möchte - wie sieht das weitere Vorgehen aus?

Dr. Hans Peter Sochor: Die Einladung ist für 3 Monate gültig. Wenn man eine Mammographie machen lassen möchte, soll die Frau einfach in einem zertifizierten Röntgeninstitut in ihrer Nähe anrufen und einen Termin vereinbaren. Falls die Einladung verloren geht, muss keine neue Einladung angefordert werden. Diese Informationen sind auch auf der e-card gespeichert.

gesund.at: Wer informiert die Frauen über die Ergebnisse?

Dr. Hans Peter Sochor: Neu an diesem Programm ist auch die Befundung. Sobald der Befund vorliegt wird die Frau informiert und zu einer Befundbesprechung mit dem Radiologen eingeladen. Ist der Befund unauffällig wird die Frau erst in 2 Jahren wieder zur Mammographie eingeladen. Sind auf der Röntgenaufnahme kleine Veränderungen erkennbar, deren Verlauf beobachtet werden sollte so legt der Radiologe einen Termin z.B. in 6 oder 12 Monaten fest an dem die Frau zu einer Kontrolluntersuchung eingeladen wird. Bei einem unklaren Befund erfolgt außerdem eine Ultraschalluntersuchung, die weiteren Aufschluss gibt.

Bedarf es bei einem Befund einer weiteren Abklärung wird er direkt an die Patientin übermittelt und nicht wie bisher an den zuweisenden Arzt, mit der Einladung zur Befundbesprechung. Diese erfolgt dann mit dem Radiologen.

gesund.at: Welche Frauen kommen dadurch verstärkt?

Dr. Hans Peter Sochor: Derzeit kommen keine speziellen Gruppen verstärkt. Allerdings liegt die Broschüre in vier Sprachen (Türkisch, Kroatisch, Slowenisch und Englisch) auf, wodurch auch Migrantinnen mit weniger guten Deutschkenntnissen über das Screening-Programm informiert werden.

gesund.at: Welche Frauen kommen überhaupt nicht zum Brustkrebs-Screening und warum?

Dr. Hans Peter Sochor: Wir haben Ende 2011, Anfang 2012 eine Patientinnen-Befragung durchgeführt bei der wir mehr als 500 Frauen befragt haben. Neben solchen Dingen wie Zeitmangel, Stress, Vergesslichkeit oder das die Frauen keine Schmerzen haben, spielt die Angst vor der Strahlenbelastung eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung nicht zur Mammographie zu gehen.

Diese Angst der Frauen ist jedoch unbegründet. Bei den neuen Mammographie-Geräten ist die Strahlenbelastung äußerst gering. Die Strahlendosis bei einer Mammographie ist in etwa so hoch wie bei einem 4 Stunden Flug oder eine Woche in einer Seehöhe von 2500 m und das wird auch nicht als hohe Strahlenbelastung empfunden. Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken ist höher als das Risiko das von der Strahlenbelastung ausgeht.

gesund.at: Wie kann man den Frauen die Angst vor dem Brustkrebs-Screening nehmen?

Dr. Hans Peter Sochor: Sachliche Information ist das wichtigste. Die Mammographie ist die effektivste Methode zur Früherkennung von Brustkrebs. Umso früher Brustkrebs entdeckt wird, umso besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Hans Peter Sochor

Facharzt für Radiologie

Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer Diagnosticum Gersthof, Röntgenordination Dr. Sochor & Partner, 1180 Wien. www.diagnosticum.at

Quellen

  • Interview mit Prim. Dr. Hans Peter Sochor, Leiter des Diagnosticum Gersthof am 24.02.2014

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