Wie Biochemie die Psyche beeinflusst

Wie Biochemie die Psyche beeinflusst: Frau mit zwei Karten, trauriger und glücklicher Smiley
Die Biochemie in unserem Gehirn entscheidet über erlebte Emotionen. (Gina Sanders - Fotolia.com)
Psychische Erkrankungen entstehen unter anderem durch ein Ungleichgewicht in der körpereigenen Biochemie. Dopamin, Serotonin und Co bestimmen und leiten unsere Gefühlswelt.

Bei Depression, Schizophrenie, Flugangst oder auch bei Emotionen wie Liebe oder Glücksempfinden schüttet das menschliche Gehirn unterschiedliche Hormone in spezifischer Konzentration aus.

So haben depressive Menschen ein sehr niedriges Dopamin- und Serotonin-Level - das Hormonpaar, das glücklich macht. Bei Flugangst "platzen" Betroffene hingegen vor den beiden Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin. Zum Ausgleich wiegt uns das "Kuschelhormon" Oxytocin in Vertrauens- und Geborgenheitsgefühlen.

"Glücksbringer": Dopamin und Serotonin

Besser bekannt als "Glückshormone" sind die beiden Neurotransmitter Serotonin und Dopamin. Werden sie zu viel oder zu wenig ausgeschüttet, wird die Harmonie im Gehirn gestört. Serotonin spielt eine Rolle bei der emotionalen Befindlichkeit und dem Schlaf- und Wachrhythmus. Menschen mit Depressionen haben einen sehr niedrigen Serotoninspiegel, Verliebte und Glückliche einen sehr hohen. Auch Ernährung kann den Serotonin-Level anheben, z.B. ein Stück Schokolade.

Dopamin ist ein sehr wichtiger Botenstoff im zentralen Nervensystem. Vor allem bei Vorgängen in der Gefühlswelt, bei Bewegungsabläufen und  der Leistungsfähigkeit des Gehirns (z.B. beim Lernen) hat es einen bestimmenden Anteil. Bei Krankheiten wie Parkinson, Angststörungen und Depression wird seine Ausschüttung unterdrückt - mit negativen Folgen. Bestimmte Medikamente, z.B. Psychopharmaka enthalten künstliches Dopamin, um den Gehirn auf die Sprünge zu helfen und die hormonelle Harmonie wiederherzustellen.

Liebe und Geborgenheit: Oxytocin

Oxytocin, auch oft als "Kuschelhormon" bezeichnet, wird im Hypothalamus im Gehirn gebildet. Es leitet die Wehen bei einer Geburt ein, Mutter und Kind schütten es beim Stillen aus, wodurch die Bindung gestärkt wird ("Bonding"). Auch beim Orgasmus strömt Oxytocin durch die Blutbahn, festigt das Gefühl des Vertrauens zueinander und schweißt als Paar zusammen.

Stress lass nach: Noradrenalin und Adrenalin

Eher unangenehme Zeitgenossen sind auf Dauer die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Bei Flugangst z.B. schießen sie in Höhe, erzeugen Panik, Angstzustände und Schweißausbrüche. 

Hormone

Auswirkungen auf den Körper

 

Zu wenig

Ausreichend

Zu viel

Dopamin

Depressionen, Parkinson, Angststörungen

Ausgeglichenheit

Schizophrenie

Serotonin

Depressionen

Glücklich, zufrieden

Verliebt

Oxytocin

z.B. bei Einsamkeit oder Liebeskummer

Vertrauen und Geborgenheit

Liebe, Verliebtheit, Vertrauen und Geborgenheit

Noradrenalin

Blutdruckabfall beim Aufstehen (Orthostase)

Gute Reaktionsfähigkeit und optimale Anpassung bei schwierigen Situationen

Angst, Panik, Schweißausbrüche (z.B. bei Flugangst)

Adrenalin

Blutdruckabfall beim Aufstehen (Orthostase)

Gute Reaktionsfähigkeit und optimale Anpassung bei schwierigen Situationen

Angst, Panik, Schweißausbrüche

 

Adrenalin hat aber auch eine nützliche Funktion: Wenn wir Angst haben, macht es uns wachsamer und beschleunigt unser Reaktionsvermögen. Noradrenalin beeinflusst auch den Hunger- und Sättigungsmechanismus, ein Überschuss kann Übergewicht begünstigen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Quellen

  • Pflege heute, Nicole Menche(Hrsg.), Urban&Fischer Verlag, München, 2001

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