Babys erkennen Gefühle in den Augen ihrer Eltern

Babys erkennen Gefühle in den Augen ihrer Eltern: Vater hält lächelndes Baby
Babys können von den Augen der Eltern ablesen, ob Gefahr im Verzug ist. (Halfpoint - Fotolia.com)
Ein Blick sagt oft mehr als tausend Worte. Das gilt auch schon für Babys. Bereits im Alter von sieben Monaten sind sie dazu in der Lage, aus den Augen ihrer Eltern Gefühle abzulesen.

Wenn Babys in den Augen der Eltern Angst erkennen, reagieren sie dementsprechend darauf. Denn Babys haben selbst noch nicht genügend Lebenserfahrung gesammelt, um gefährliche Situationen richtig einschätzen zu können. Daher sind sich auf die Einschätzungen anderer angewiesen, um die Lage um sich herum erkennen zu können. Lernen Babys nie, anderen in die Augen zu sehen, kann dies ein Zeichen für eine Erkrankung im Autismus-Spektrum sein. Eine neue Studie in Leipzig befasste sich damit, mit welcher Methode Babys die Gefühle anderer erkennen können. Babys beobachten die Augen ihrer Mitmenschen, um zu sehen, ob Gefahr in Verzug ist.

Weiße Lederhaut im Auge entscheidend

Entscheidend für die korrekte Deutung der Gefühle in den Augen anderer ist die sogenannte Sclera, die weiße Lederhaut des Auges, die um die färbige Iris herum liegt. Sie zeigt, wie weit die Augen geöffnet sind und ob sich die Iris schnell oder langsam bewegt. Babys konzentrieren sich besonders auf die gut erkennbare Sclera, um die Gefühle ihrer Eltern abzulesen. Doch nicht nur in den Augen von nahen Bezugspersonen konnten Babys Emotionen erkennen. Wissenschafter in Leipzig zeigten Babys Bilder von Augen, in denen nur die Sclera zu sehen war. Selbst hier interpretierten Babys gezeigte Gefühle korrekt.

Bei diesem Interpretationsvorgang handelt es sich um eine unbewusste Reaktion. Denn die Bilder wurden teilweise für einen sehr kurzen Moment gezeigt, nur 50 Millisekunden lang - zu kurz, um die gesehenen Impulse aktiv zu verarbeiten. Dennoch verstanden die Babys automatisch, welche Gefühle in diesem Augen-Bild ausgedrückt waren.

Ängste können als erstes gelesen werden

Um die Reaktion der Babys auf die gezeigten Bilder aufzuzeichnen, maßen die Forscher ihre Gehirnaktivität mit Hilfe von Elektroden. Auf ängstliche Signale, wie z.B. weit aufgerissene Augen oder solche, die sich schnell in alle Richtungen bewegten, reagierten Babys am heftigsten. Diese Dynamik verstärkte sich, wenn der Blick direkt auf das Baby gerichtet war. Schweifte er eher an ihm vorbei, fiel die Reaktion schwächer aus. Die Angst anderer kann ein Hinweis auf eine Situation sein kann, die auch für das Baby bedrohlich wird. Daher lernen Babys als erstes, Ängste zu erkennen, noch bevor sie andere Gefühle interpretieren können.

Gehirnstruktur zum Gefühls-Lesen erst ab dem 7. Lebensmonat

Erst ab dem 7. Lebensmonat sind Babys dazu in der Lage, Angst aus der Sclera abzulesen. In dieser Zeit lernen sie auch, gesprochene Sprache aufzunehmen, selbst wenn sie noch lange nicht selber sprechen können. Deshalb gehen Sarah Jessen und ihr Team in Leipzig davon aus, dass in dieser Zeit die Gehirnentwicklung von Babys weit genug fortgeschritten ist, um die Kommunikation ihrer Mitmenschen aufzunehmen und zu deuten. Das gilt für das Sprechen in Worten, aber auch für non-verbale Kommunikation über den Blick.

Quellen

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