Während wir Auto fahren, geht der Kopf spazieren

Bei längeren Autofahrten kann die Konzentration zwischenzeitlich nachlassen. (eggeeggjiew - Fotolia.com)

Stete Konzentration ist beim Autofahren das höchste Gebot, um Unfälle zu vermeiden. Allzu streng halten wir uns einer aktuellen Studie zufolge aber nicht an diese Regel.

Manchmal kann es im Leben schnell gehen, vor allem dann, wenn wir am Steuer eines Autos sitzen. Wer einmal kurz nicht aufpasst, löst womöglich einen schwerwiegenden Unfall aus, der im Extremfall ein oder mehrere Leben für immer verändern kann. Umso wichtiger ist es, beim Autofahren die Konzentration möglichst durchgehend hochzuhalten.

"Mind wandering"

Gelingen tut dies aber scheinbar nur den wenigsten von uns. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Studie, die Wissenschafter in den USA durchgeführt haben. Konkret haben sie die Praxis des "mind wandering" untersucht, das man als Spazierengehen des Geistes übersetzen kann. Darunter werden spontane Gedankengänge verstanden, die uns von unserer eigentlichen Tätigkeit ablenken. Die Forscher wollten in Erfahrung bringen, inwiefern diese Angewohnheit die Sicherheit im Straßenverkehr beeinträchtigen könnte.

Simulierter Arbeitstag

Alle Studienteilnehmer mussten jeweils zwei 20-minütige Fahrsimulations-Einheiten absolvieren, dazwischen schrieben sie einen kurzen Test. Die Übung sollte gewissermaßen einen Arbeitstag simulieren - zur Arbeit fahren, arbeiten, nach Hause fahren. Während der Fahrsimulationen maßen die Forscher mittels EEG die Gehirnströme der Probanden. Zusätzlich ertönte an zufällig ausgewählten Zeitpunkten jeweils ein lautes Geräusch.

Spazierende Gedanken

Nach dem Ton mussten die Teilnehmer angeben, ob sie bis gerade eben "mind wandering" betrieben hätten. Bei etwa 70% der Versuche wurde die Frage mit "Ja" beantwortet, die Gedanken gingen also außerordentlich oft spazieren. Zugleich mussten die Teilnehmer in 65% der Fälle eingestehen, dass sie sich dem "mind wandering" gar nicht richtig bewusst waren, ehe sie von dem lauten Geräusch in die Gegenwart zurück geholt wurden.

Gefährlich?

Dank des EEG konnten die Forscher zudem gewisse Muster in den Hirnströmen als Anzeichen für das gedankliche Abschweifen identifizieren. Eben diese Muster assoziiert man mit einer verringerten Empfänglichkeit für äußere Reize. Es ist also durchaus denkbar, dass das "mind wandering" die Konzentration und somit auch die Fahrtauglichkeit vorübergehend einschränkt. Für eine gesicherte Aussage sind allerdings noch weitere Untersuchungen nötig.

Zukunftsvision

Bezüglich der Vorbeugung derartiger Probleme haben die Studienautoren scheinbar großes Vertrauen in ihre Wissenschaftskollegen. Denn als geeignete Lösung für das "mind wandering" sehen sie selbstfahrende Autos, die nur selten die Aufmerksamkeit ihres Lenkers benötigen. Bis diese flächendeckend zum Einsatz kommen, dürften allerdings noch ein paar Jahre ins Land ziehen. In der Zwischenzeit müssen sich Autofahrer wohl einfach auf das Geschehen auf der Straße konzentrieren.

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