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7 häufige Fragen zu Osteoporose

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Die Knochen brauchen neben Vitamin D auch viel Kalzium, das z. B. in Milchprodukten, Brokkoli, Fenchel oder kalziumhältige Mineralwässer enthalten ist. (Pexels.com)

Rund 750.000 Osteoporose-Betroffene leben in Österreich, aber nicht einmal die Hälfte weiß von ihrer Erkrankung. Osteoporose wird durchwegs unterschätzt.

Ohne dass Betroffene es zunächst merken, beginnt der Knochen zu schwinden. Irgendwann brechen die Knochen bereits bei geringstem Anlass. Die Folgen dieses stillen Knochenschwunds sind oftmals chronische Schmerzen bis hin zur Invalidität. Typisch sind die "Fraktur-Karrieren" - es beginnt z.B. mit dem Handgelenkbruch, geht weiter mit einem Wirbelbruch, setzt sich fort mit einem Schenkelhalsbruch und endet mit einem Ermüdungsbruch des Beckens. Prim. Dr. Martin Schwarz, Vorstand der Unfallchirurgischen Abteilung des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf beantwortet die 7 häufigsten Fragen zur Osteoporose:

Frage 1: Was ist Osteoporose?

Jeder Knochen hat eine bestimmte Mikrostruktur, die er benötigt, um die Muskeln zu tragen. Verschlechtert sich diese Mikrostruktur, nimmt die Dichte der Knochen ab, bezeichnet man dies als Osteoporose. Genau genommen ist Osteoporose ein Missverhältnis zwischen vorhandener Knochenmasse und dem Knochensubstanzverlust im Alter.

Frage 2: Wie kann sich Osteoporose äußern?

Osteoporose beginnt meist schleichend und bleibt daher unbemerkt. Der Betroffene kann Rückenschmerzen oder Zahnprobleme haben, er erleidet leicht Knochenbrüche; bei etwa der Hälfte der Patienten kommt es zu schmerzhaften Wirbelkörpereinbrüchen, zu Knochenbrüchen an der Speiche, im Unterarm, an Rippen, Oberarmen, Becken oder am Schenkelhals. Durch eine fortgeschrittene Osteoporose kann auch einen Rundrücken entstehen, dadurch verliert man an Körpergröße. Im schlimmsten Fall kann die Krankheit mit einer Deformation der Wirbelsäule enden.

 

Bei fortschreitender Erkrankung verändert sich auch das Gesamtbild hin zu einem invaliden, bettlägerigen Menschen, der aufgrund kardialer und interner Begleiterkrankungen nicht operiert werden kann. Betroffen sterben zwar nicht an Osteoporose, aber an den Begleitumständen daran, nämlich an unzureichender Mobilität. Damit erreicht die Erkrankung eine Sterblichkeit, die sich mit der des Brustkrebses vergleichen lässt.

Frage 3: Wieviele Menschen sind in Österreich betroffen?

In Österreich sind ungefähr 750.000 Menschen an Osteoporose erkrankt. Jeder 4. erleidet im Krankheitsverlauf Knochenbrüche.

 

Von Osteoporose sind Frauen über 50 häufiger betroffen. Grund dafür ist, dass Frauen von Natur aus weniger Knochenmasse haben. Darüber hinaus können hormonelle Ursachen nach der Menopause die Entstehung von Osteoporose begünstigen. Die höchste Knochendichte erreicht ein Mensch etwa zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr. Diese Spitze bezeichnet man als Peak-bone-mass. Auch in diesem Punkt sind Männer begünstigt, denn die Peak-bone-mass ist bei ihnen um 25 bis 30 Prozent höher als bei Frauen.

 

Nachteile haben Frauen auch durch die Hormone: Am Beginn der weiblichen Menopause lässt die Östrogenproduktion nach, dadurch wird der Knochenabbau beschleunigt. Nach der Menopause verlieren Frauen innerhalb von fünf bis sieben Jahren bis zu 20 % ihrer Knochenmasse.

Frage 4: Was sind die häufigsten Ursachen von Osteoporose?

Zahlreiche vermeidbare Lifestyle-Faktoren können das Entstehen von Osteoporose begünstigen, wie ungesunde Ernährung, Rauchen, Alkohol oder zu wenig Bewegung. Schuld am Brüchig-Werden der Knochen sind aber auch genetische Faktoren, das Cushing-Syndrom (eine Überproduktion von Kortisol) oder Kortison-Gaben.

 

Beschleunigt wird der Abbauprozess etwa durch Diäten, die den Körper nicht ausreichend mit Kalzium- und Vitamin-D versorgen. Frauen, die also ohnedies einen eher niedrigen Östrogenspiegel haben, sollten auf ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr achten. Wird zu wenig von diesen Vitaminen und Spurenelementen zugeführt, kann sich das rasch auf die Knochendichte auswirken, sie verringert sich sukzessive.

 

Bei jedem zweiten betroffenen Mann ist eine andere Erkrankung Auslöser für Osteoporose, wie Alkoholmissbrauch oder eine Unterfunktion der männlichen Keimdrüsen. Auch ein verminderter Ostradiolspiegel spielt eine wichtige Rolle bei der Erkrankung von Männern. Darüber hinaus dürfte das Absinken von Sexualhormonen und Vitamin-D-Mangel einen starken Einfluss haben.

Frage 5: Wie weiß ich, ob ich zu Osteoporose neige?

Frauen ab 50 sollten regelmäßig ihre Knochendichte messen lassen, dies ist eine völlig schmerzfreie Untersuchung. Das Verfahren zur Messung der Knochenmineraliendichte (BMD) nennt man "Dual X-Ray Absorptiometry-Verfahren" (DXA-Verfahren): Mit Hilfe von Strahlung wird die Dichte des Knochens sichtbar gemacht, der Computer errechnet aus den Daten einen so genannten T-Score. Aus diesem T-Score-Wert kann der Arzt ein Risiko oder eine Erkrankung ableiten.

Frage 6: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Osteoporose?

Die Diagnose Osteoporose bedeutet nicht zwangsläufig lebenslanges Leiden. Inzwischen hat die Wissenschaft eine Reihe von Therapie-Möglichkeiten entwickelt. So etwa stehen

  • Knochenabbau-hemmende Medikamente (Bisphosphonate, Calcitonin) zur Verfügung.

  • Den Knochenaufbau fördern Präparate wie Fluor.

  • Parathormon fördert die Knochenneubildung und führt so zur Zunahme des Knochenvolumens.

 

Die Schmerztherapie hat bei instabilen Knochenbrüchen keine ausreichende Wirkung, aber dennoch Nebenwirkungen (z.B. Darmträgheit, Nierenschädigung, Störung des Elektrolythaushaltes, Verminderung der Durchblutung der Magenschleimhaut). Die Folge sind Druckgeschwüre aufgrund der Liegedauer, Aspiration (der Mageninhalt gelangt in die Lunge) aufgrund der Magen-Darm Trägheit und in der Folge kommt es zu einer Lungenentzündung. Stress und Medikation können zu einer Perforation des Magens oder Darmes führen, die dann eine Operation unter akuten Bedingungen notwendig machen.

 

Die bei der fortgeschrittenen Osteoporose befürchtete Komplikation eines Wirbelkörpereinbruchs bedarf einer Operation. Die Verfahren dazu werden als Kyphoplastie und Vertebroplastie bezeichnet. Bei der Kyphoplastie wird in minimal invasiver Weise in lokaler Betäubung Knochenzement in den Wirbelkörper mittels einer Hohlnadel mit oder ohne Ballon eingebracht und der Wirbel wieder aufgerichtet. Der Betroffene ist in der Regel nach der Behandlung schlagartig schmerzfrei und kann am selben oder am nächsten Tag das Krankenhaus wieder verlassen. Im Zuge einer Vertebroplastie wird Knochenzement unter Röntgenkontrolle in den Wirbelkörper gespritzt. Dadurch wird der Knochen stabilisiert, aber nicht aufgerichtet.

Frage 7: Was kann ich tun um Osteoporose vorzubeugen?

Achten Sie auf eine kalzium- und Vitamin-D-reiche Ernährung. Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liebe bei 1.000 mg, bei Osteoporose-Betroffenen bei 1.500 mg Kalzium. Vitamin D sollten täglich 20 µg zugeführt werden. Reich an Kalzium sind Milchprodukte, Brokkoli, Fenchel oder kalziumhältige Mineralwässer. Gute Vitamin-D-Lieferanten sind Fische, wie Hering oder Lachs, Eier und Speisepilze.

 

Vermeiden Sie Risikofaktoren, wie Rauchen und ungesunde Ernährung. Auch Bewegungsmangel kann Osteoporose begünstigen. Mit regelmäßiger Bewegung können Sie den Alterungsprozess verlangsamen. Wichtig ist, Muskeln aufzubauen - das erreichen Sie mit gezieltem Training, oder aber auch durch Aktivitäten, wie Treppensteigen, Wandern, Tanzen, Radfahren und Walken sind ideale Möglichkeiten, um Osteoporose vorzubeugen.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


12.05.2016
MEDIZINISCHER EXPERTE
PRIM. Dr. Martin Schwarz
Vorstand der Unfallchirurgischen Abteilung des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf
QUELLEN
Interview mit Prim. Dr. Martin Schwarz Vorstand der Unfallchirurgischen Abteilung des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf

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