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Reizdarm: Hypnose für den Bauch

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Wiederkehrende Darmprobleme können mit der Kraft des Geistes bezwungen werden. (Emily frost / Shutterstock.com)

Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Blähungen – für diese Reizdarmbeschwerden gibt es eine unerwartete Behandlungsoption.

Zirka ein Fünftel der Bevölkerung ist vom Reizdarmsyndrom betroffen. Meist haben sie bereits einen längeren Leidensweg hinter sich, bis sie wissen, dass sie unter einem Reizdarmsyndrom leiden. „Die Diagnose Reizdarmsyndrom wird erst gestellt, wenn die Beschwerden über drei bis sechs Monate anhalten“, berichtet Univ.-Prof.in Dr.in Gabriele Moser, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, MedUni Wien, die zudem in einer privaten psychotherapeutischen Praxis tätig ist. Davor müssen noch andere Krankheiten ausgeschlossen werden, etwa Infektionen, chronische Entzündungen, Zöliakie oder Krebs.

Reizdarmsyndrom: Klassische Behandlung

Die Therapie eines Reizdarmsyndroms hängt vom Muster der Symptome ab. „Es können krampflösende Mittel wie Pfefferminzölpräparate eingenommen werden – oder Medikamente, die Durchfall bzw. Verstopfung lindern. Auch Flohsamenschalen können bei zu flüssigem oder zu hartem Stuhl Abhilfe schaffen“, weiß Prof.in Moser. Viele stellen sich auch die Frage, was sie beim Reizdarmsyndrom essen sollen, um beschwerdefrei durch den Tag zu kommen: Betroffene können Probiotika oder eine FODMAP-reduzierte Diät (FODMAP: fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole) ausprobieren.

Reizdarmsyndrom: Die Bauch-Hirn-Achse

Immer wichtiger wird jedoch die Rolle des Hirns und der Psyche beim Reizdarmsyndrom. Denn jenes betrifft die Bauch-Hirn-Achse, die mehr und mehr in den Fokus der Forschung gerät. „Dabei ist die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Magen-Darm-Trakt gestört. Der Vagus-Nerv spielt bei der Vermittlung eine bedeutende Rolle, denn 90% der Signale werden durch ihn übertragen. Ein Großteil der Informationen erreicht auch das limbische System, das für die Emotionen verantwortlich ist“, erläutert Prof.in Moser. Es ist bereits bekannt, dass die vom Magen-Darm-Trakt ausgesendeten Informationen Stress und Ängste mitverursachen können. „Und umgekehrt ist Stress in der Lage, die Zusammensetzung der Bakterien, die Darmbewegungen und die Durchlässigkeit der Darmbarriere zu verändern“, ergänzt die Gastroenterologin.

Menschen mit schwerem Reizdarmsyndrom leiden häufig unter Traumatisierungen oder enormen Stressbelastungen und brauchen eine integrierte psychosomatische Behandlung.

Univ.-Prof.in Dr.in Gabriele Moser
Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, MedUni Wien, und private psychotherapeutische Praxis
Foto: MedUni Wien

Reizdarmsyndrom: Hypnose als Therapie

Darum macht es Sinn, auch den Kopf in die Behandlung des Reizdarmsyndroms miteinzubeziehen. „Wenn eine Person schon länger mit Beschwerden kämpft, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die den gesamten Körper inklusive Psyche unterstützen, etwa Psychotherapie oder bauchgerichtete Hypnose“, meint die Expertin. In einer von Prof.in Moser geleiteten Studie gingen der Schweregrad der Symptome und der psychische Stress nach der Hypnotherapie signifikant zurück, während das Wohlbefinden der Patienten zunahm. Bis zu 70% der Probanden sprachen auf diese Therapie an – ein Wert, der sich durch rein symptomatische oder probiotische Ernährungstherapien nicht erreichen lässt. Auch im Rahmen einer Gruppentherapie zeigte die bauchgerichtete Hypnose Erfolg.

Reizdarmsyndrom: Wie die Hypnose funktioniert

Viele Reizdarmbetroffene führen ständig eine Art „negative Selbsthypnose“ durch: Sie konzentrieren sich stark auf die Verdauungsvorgänge und ihre Gedanken kreisen um die Schmerzen und wie sich die Situation verschlimmern könnte – und oft tut sie das dann auch. Solche Gedanken werden während der Hypnose durchbrochen und Reizdarmpatienten lernen, ihren Symptomen weniger Beachtung zu schenken. Sie stellen sich immer wieder vor, wie sich ihre Darmfunktionen normalisieren und arbeiten mit ihrer Atmung, um wieder Kontrolle über ihren Körper zu erlangen.

Betroffene gesucht!

An der MedUni Wien wird eine Studie an Reizdarmbetroffenen durchgeführt. Frauen und Männer können sich jeden Montag und Mittwoch von 8.00 bis 11.00 Uhr unter der Wiener Telefonnummer 01 40 400 49 700 bei der Arbeitsgruppe für gastroenterologische Psychosomatik über die Studie informieren und dazu anmelden.

Weiterführende Informationen

Eine Therapeutinnen- und Therapeutenliste für bauchgerichtete Hypnose findet sich unter www.gabrielemoser.at.

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGSDATUM


14.05.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof.in Dr.in Gabriele Moser
Foto (c): MedUni Wien
Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, MedUni Wien, und private psychotherapeutische Praxis
QUELLEN
Presseaussendung der MedUni Wien: Reizdarmsyndrom: Betroffene haben eine markante Signatur an Darmbakterien – Hypnose bleibt eine der effektivsten Behandlungsoptionen, 05.03.2019

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