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Indianer kennen keinen Schmerz, Männer aber schon!

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Traurige Anzugsträger: Viel Männer zerbrechen an dem ihnen zugeschriebenen Rollenbild. (Pixabay.com)

Allen Klischees zum Trotz sind auch Männer anfällig für psychische Krankheiten. Vorurteile führen allerdings zu Problemen bei der Diagnose und Behandlung von männlichen Depressionen.

Die vermeintliche psychische Stabilität von Männern ist ein Konstrukt, das stark in unserer Gesellschaft verankert ist. Zu erkennen ist das nicht zuletzt an typischen Floskeln der deutschen Sprache. So ist etwa vom "starken Geschlecht" oder auch von Indianern, die keinen Schmerz kennen, die Rede. Was auf die amerikanischen Ureinwohner womöglich zugetroffen haben mag, sollte aber heutzutage keine zulässige Analyse mehr sein.

Weniger Diagnosen

Denn rein biologisch gesehen gibt es keine Anhaltspunkte für eine psychische Unverwüstlichkeit von Männern. Dass Depressionen dennoch bei Frauen häufiger diagnostiziert werden, dürfte in erster Linie auf das komplexe Zusammenspiel von Arzt und Patient zurückzuführen sein. Männer suchen bei seelischen Problemen wesentlich seltener Hilfe, aber auch vonseiten der Hausärzte scheint es gewisse Vorurteile zu geben. Sie fragen bei männlichen Patienten weniger häufig nach dem seelischen Befinden.

Andere Symptome

Zudem sind viele Menschen über die unterschiedlichen Symptome einer Depression falsch informiert. Gerade bei Männern äußert sich die Krankheit nicht immer durch depressive Stimmungslage und Traurigkeit. Bei ihnen fallen oft vor allem aggressives Verhalten, Ärger, Risikoverhalten, Sucht oder auch der Abbruch von Beziehungen auf. Ebendiese Anzeichen bleiben leider oft unerkannt, da sie als "typisch männliche" Eigenschaften fehlinterpretiert werden.

Mehr Suizide

Vor dem Hintergrund nicht diagnostizierter Depressionen überrascht es kaum, dass Männer in etwa drei Mal so häufig durch einen Suizid sterben wie Frauen. Eine klare Risikogruppe stellen vereinsamte Pensionisten dar, auch hier nehmen gesellschaftliche Zuschreibungen Einfluss. Ehemänner haben immer noch häufig die Rolle des "Brotverdieners" und sehen sich nach der Pensionierung mit einer neuen Situation konfrontiert. Das allein ist noch keine ausreichende Erklärung für einen Suizid, doch wenn weitere Faktoren wie Krisen oder psychische Erkrankungen hinzukommen und dafür keine Hilfe gesucht wird, steigt das Risiko.

Häufige Pensionskrise

Der Mangel an persönlichen Beziehungen kann einen kritischen Pensionsschock begünstigen. Ähnlich sieht es oftmals nach einer Trennung von oder dem Tod der Lebensgefährtin aus. Betroffene Männer schlittern häufig in die psychische Krise, weil ihr soziales Umfeld zu stark von der Frau abhängig war. Zu der traurigen Suizidstatistik tragen aber auch Defizite in der Therapie der männlichen Depression bei.

Schwer erreichbar

Männer stehen psychologischen Behandlungen nicht nur prinzipiell kritischer gegenüber, sondern sind auch im Fall von Suizidgedanken nur schwer mit Hilfsangeboten erreichbar. Viele Menschen suchen in der Zeit vor dem Suizid einen Hausarzt auf. Wie bereits erwähnt kommt es dabei aber nicht immer zu einem Gespräch über die Suizidgedanken und zu einer Behandlung.

Hilfe zu jeder Zeit

Der wichtigste und oft schwerste Schritt zur Besserung ist bei psychischen Problemen das erste Eingeständnis. Eine Depression ist keine unerlaubte Schwäche, sondern eine behandelbare Krankheit. Mit dieser Erkenntnis im Gepäck kann vor allem eine Psychotherapie hilfreich sein. In den letzten Jahren sind zudem Projekte entstanden, die sich spezifischen Problemfeldern widmen. Hier sind etwa "Väter in der Krise" (www.vaeter-in-krisen.at) und "Krisen im Alter" (www.krisen-im-alter.at) zu nennen. In akuten Notsituationen steht die Telefonseelsorge unter der Nummer 142 rund um die Uhr zur Verfügung. Suizidpräventionsangebote finden Sie unter www.suizid-praevention.gv.at.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


24.11.2017
MEDIZINISCHER EXPERTE
Assoc. Prof. Phd, Priv.-Doz. Dr. Thomas Niederkrotenthaler
Public Health, Suizidprävention

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