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Warum es okay ist, Fehler zu machen

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Nur nicht aufgeben: Fehler spornen an und beschleunigen das Lernen. (Janina Dierks - Fotolia.com)

Richtig oder falsch - knapp daneben ist auch vorbei? Wer in solchen Kategorien denkt, könnte den Lernprozess verlangsamen. Warum Fehler den Lernprozess sogar unterstützen.

Das Gehirn orientiert sich beim Lernen an bereits vorhandenem Wissen. So können Verknüpfungen hergestellt werden, die langfristiges Merken ermöglichen. Selbst, wer nicht sofort auf die richtige Lösung kommt: Schon das konzentrierte Verweilen in einer Denkkategorie, die mit der Lösung in Verbindung steht, hilft, das Lernen zu beschleunigen. Wer dahingegen gleich aufgibt oder mit der richtigen Antwort überfahren wird, braucht länger zum Merken. Eine Studie, bei der Versuchsteilnehmer Begriffe auswendig lernten, zeigte, dass Menschen aller Altersgruppen von Lernen durch Fehler profitieren.

Gehirn denkt in Kategorien

Grund dafür ist, dass das Gehirn in Kategorien denkt. Es ordnet die Welt um uns herum nicht alphabetisch, sondern nach Assoziationen und logischen Zusammenhängen. Versucht ein Lernender, sich den Begriff "Rose" zu merken, kann es helfen, ihn mit sinnvollen Kategorien zu verknüpfen. Das wären in diesem Fall etwa Blumen: Wem Rose nicht einfällt, Tulpe aber schon, hat schon halb gewonnen. Das Gehirn weiß nun, in welcher Kategorie es sich befindet, und kann so über einen vermeintlichen Umweg auch auf das Wort Rose kommen. "Eselsbrücken" können also wirklich helfen, wenn sie bewusst und gehirnfreundlich gewählt werden.

 

Das können sich Lehrer zu Nutze machen. Möchte man Lernenden einen Hinweis auf die richtige Lösung geben, sollte man das in Kategorie-Form tun, z.B. "Das Wort, das Sie suchen, ist keine Tulpe, sondern eine andere Blume, nämlich eine …." Selbst, wenn sich Schüler dann immer noch nicht an das Wort erinnern können, wurde ihnen eine wertvolle Erinnerungshilfe gegeben, das sie beim nächsten Mal selbst anwenden können.

Falsche Fehler verwirren

Fehler helfen beim Lernen allerdings nur, wenn es die "richtigen" Fehler sind. Das klingt zunächst widersprüchlich. Gerade beim Vokabellernen geben etwa geben viele Lehrer gerne den Anfangsbuchstaben vor, wenn Schüler sich an das gelernte Wort nicht erinnern können. Das ist jedoch für den langfristigen Lernprozess nicht hilfreich, weil das Gehirn kein Listendenken ähnlich einem Wörterbuch hat. Wird bei Rose "Ro…" vorgegeben, könnte sich der Schüler als Begriff auch fälschlicherweise "Robe" oder "rote" einprägen, was beides nicht dem gehirnfreundlichen Kategorie-Denken entspricht. Das verwirrt eher, als dass es eine Hilfestellung gibt. In Studien lernten jene Schüler, denen der Anfangsbuchstabe vorgegeben wurde, genau so langsam, wie wenn sie sofort mit der Antwort konfrontiert wurden, ohne darüber zu reflektieren.

Lernprozesse nicht altersabhängig

Bisher wurde oft angenommen, dass jüngere und ältere Menschen unterschiedlich lernen. Eine Studie verglich das Lernverhalten einer jüngeren Gruppe (Durchschnittsalter 22) mit einer älteren Gruppe (Durchschnittsalter 72). Dabei zeigte sich, dass die Lernprozesse sehr ähnlich abliefen. Von der kategorien-gestützten Hilfestellung bei Fehler profitieren also Lernende jeden Alters.

AUTOR


Magdalena Eitenberger, MA
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Elisabeth Mondl


ERSTELLUNGSDATUM


14.03.2018

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