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In der Sommerhitze werden wir asozial

Frau im Büro vor ihrem Ventilator
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Bei besonders warmen Temperaturen greifen manche Angestellte wohl zu unüblichen Methoden. (Daylight Photo - Fotolia.com)

Wenn uns der Sommer mit besonders hohen Temperaturen fordert, kann das mitunter ganz schön an die Substanz gehen. Auch für unsere Mitmenschen haben wir dann scheinbar kein offenes Ohr mehr.

So sehr wir uns im Vorhinein auf den Sommer freuen, so schnell kippt die Euphorie dann oftmals in Frustration um. Wenn es erstmal gefühlte 40 Grad im Schatten hat, bewegen sich die Kraftreserven in Höchstgeschwindigkeit dem Nullpunkt entgegen. Das kann mitunter zu schlechter Stimmung führen, unter der wiederum unsere Mitmenschen zu leiden haben. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine neue Studie US-amerikanischer Wissenschafter.

Einsame Kunden in der Hitze

Die Forscher analysierten in einem ersten Arbeitsschritt Daten einer großen russischen Handelskette. Dabei war auffällig, dass sich die Angestellten bei besonders hohen Temperaturen anders verhielten als sonst. Sie führten deutlich weniger prosoziale Tätigkeiten - z.B. den Kunden freiwillig zu helfen oder sie zu beraten - durch. Offensichtlich reduzierte die Hitze ihre Motivation, sich aktiv um die Kundenbedürfnisse zu kümmern.

Stell dir vor, dir ist heiß

Im zweiten Teil der Studie führten die Autoren eine Online-Umfrage mit bezahlten Teilnehmern durch. Eine Hälfte wurde dazu aufgefordert, sich an Situationen zu erinnern, in denen ihnen sehr heiß war. Die andere Hälfte bekam andere zufällige Fragen gestellt. Nach Abschluss des jeweiligen Fragebogens kam die Bitte, sich - diesmal ohne Bezahlung - an einer weiteren Umfrage für eine Non-Profit-Organisation zu beteiligen.

Der Gedanke reicht

Nur 34% jener, die zuvor an Hitze-Situationen erinnert wurden, erklärten sich dazu bereit. Bei der anderen Gruppe waren dies hingegen 76%. Dies zeigt, dass alleine der Gedanke an hohe Temperaturen erschöpfend wirken kann. Erst im dritten und letzten Arbeitsschritt wurde ein direktes Experiment durchgeführt, wobei die Forscher sich eines Managementkurses bedienten, der in zwei Sektionen unterteilt war.

Kühler Körper, warmes Herz

Eine Hälfte absolvierte ihren Kurs in einem unangenehm warmen Saal, während sich die andere über einen gut gekühlten Raum freuen durfte. Beide Gruppen wurden von den Forschern gebeten, aus purer Hilfsbereitschaft heraus Fragen für eine Non-Profit-Organisation zu beantworten. Im gut klimatisierten Raum waren 95% dazu bereit, während im warmen Saal nur 64% Lust auf die Umfrage hatten.

Nur kurz helfen

Selbst jene Hitzegeplagten, die sich sozial zeigten, wollten sich nicht allzu lang mit den Fragen aufhalten. Im Schnitt beantworteten sie nur 6 Fragen, ehe sie die Segel strichen. Dies steht in einem starken Kontrast zu den 36 Fragen, die durchschnittlich im klimatisierten Raum gestellt werden durften.

Nicht böse sein

All dies zeigt, wie sehr Hitze nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch unsere Bereitschaft, für andere zu handeln, einschränkt. Arbeitgeber sind wohl gut daran beraten, für ein kühles Klima zu sorgen, um eventuellen Verstimmungen vorzubeugen. Und wir alle sollten nicht allzu böse sein, wenn ein geschätzter Mitmensch bei großer Hitze ausnahmsweise eine Bitte abschlägt.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


27.06.2017

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