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Schlafapnoe beeinträchtigt die Verkehrstüchtigkeit

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Schlafapnoe kann gefährliche Auswirkungen haben. (Pixabay.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters SCHLAFAPNOE

Schätzungen zufolge sind bis zu 10 % der Bevölkerung von einer sogenannten Schlafapnoe betroffen. Die Schlafkrankheit erhöht das Risiko auf Autounfälle und sollte insbesondere von der Risikogruppe ernstgenommen werden.

Schlafapnoe – also Atemstillstände während des Schlafes, bei denen es zu Aussetzern von mindestens 10 Sekunden kommt – ist nicht nur für die Betroffenen selbst und ihre Partner unangenehm, sondern kann auch eine ganze Lawine an Folgen nach sich ziehen. Das sind zum einen Erkrankungen von erhöhtem Blutdruck bis Schlaganfall und zum anderen die Folgen, die durch die chronische Müdigkeit aufgrund des Schlafmangels entstehen. Darunter fallen Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit.

 

Schätzungen, wie viele Personen von einer therapiebedürftigen Schlafapnoe (mehr als 15 Atemstörungen pro Stunde) betroffen sind, reichen von 4 bis 10 % der Bevölkerung. Besonders oft betroffen sind über 50-jährige Männer mit Übergewicht und eventuellen Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, etc. Wer innerhalb eines Jahres 10 % seines Körpergewichts zunimmt, hat eine siebenfach erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine obstruktive Schlafapnoe (OSAS) zu entwickeln.

Tagesmüdigkeit als Folge

Wer in der Nacht durch die immer wieder unterbrochene Sauerstoffversorgung zu wenig schläft, kämpft auch tagsüber mit den Folgen. Neben quälender Müdigkeit sind Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei Betroffenen häufig. Gerade im Verkehr ist das äußerst gefährlich.

 

Aus neurophysiologischen Untersuchungen ist in der Zwischenzeit bekannt, dass jemand, dessen Schlaf drei Mal pro Nacht unterbrochen wird, am nächsten Tag nicht mehr verkehrstüchtig ist. Die Auswirkungen eines gestörten Schlafes sind ähnlich denen einer Alkoholisierung. Müdigkeit am Steuer dürfte auch die Ursache für etwa 10 % aller Verkehrsunfälle sein. In Berechnungen aus Deutschland ist im Jahr 2016 von 1900 Verkehrsunfällen mit Personenschaden aufgrund von Übermüdung die Rede. Betroffene einer Schlafapnoe haben im Straßenverkehr ein zwei- bis siebenmal so hohes Risiko Unfälle zu verursachen.

Führerschein und OSAS

Aus diesem Grund hat die EU 2014 eine Direktive zu obstruktiver Schlafapnoe, Müdigkeit beim Betrieb eines KFZ und Fahrtauglichkeit herausgegeben, die mit Anfang September 2016 auch in österreichisches Recht übergeführt wurde. Diese besagt, dass bei "Personen, bei denen der Verdacht auf ein mittelschweres oder schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (…) besteht, (…) eine Lenkberechtigung nur nach Einholung einer fachärztlichen Stellungnahme erteilt oder belassen werden" darf. Weiters heißt es darin: "Bei Personen, die ein mittelschweres oder schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom aufweisen, ist die Lenkerberechtigung unter der Auflage von ärztlichen Kontrolluntersuchungen im Abstand von drei Jahren für eine Lenkerberechtigung der Gruppe 1 (Anm.: nicht Berufsfahrer) und einem Jahr für eine Lenkerberechtigung der Gruppe 2 (Anm.: Berufsfahrer) zu erteilen oder zu belassen."

 

Besonders heikel ist die Situation bei Berufskraftfahrern. Statistiken zeigen, dass diese Berufsgruppe von Schlafapnoe überdurchschnittlich oft betroffen ist. Verursacht ein Lenker mit diagnostizierter Schlafapnoe etwa aufgrund eines Sekundenschlafs einen Unfall, übernehmen viele Versicherungen den entstandenen Schaden nicht. Eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls Therapie ist bei Berufskraftfahrern, die mehrere der Risikofaktoren aufweisen, daher besonders wichtig.

Mehrstufige Abklärung

Mittlerweile gibt es mit dem NoSAS Score ein einfaches Screeningtool, mit dessen Hilfe man relativ schnell überprüfen kann, ob die Wahrscheinlichkeit für eine Schlafapnoe gegeben ist. Ist dies der Fall, bekommt der Patient in weiterer Folge ein mobiles Messgerät mit nach Hause, das während der Nacht verschiedene Werte wie Sauerstoffsättigung und Atemgeräusche misst. Wenn dann noch Unklarheiten bestehen, wird der Patient zur Abklärung in ein Schlaflabor geschickt, in dem weitere detaillierte Informationen wie Hirnströme, Muskelaktivität, etc. überwacht werden.

Schlafapnoe ist therapierbar

Bei Schlafapnoe gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, von Aufbissschiene bis Operation. Ganz wichtig ist auch die Reduktion eines bestehenden Übergewichts. Als wirksamste Therapie gilt aber die Beatmung über die sogenannte CPAP-Maske. CPAP (continuous positive airway pressure) sorgt für einen ständigen Überdruck, wodurch die Atemwege freigehalten werden. Die Patienten schlafen dadurch besser und sind wesentlich erholter. Übersichtsstudien zeigen, dass die Behandlung mittels CPAP-Maske die besten Ergebnisse liefert.

AUTOR


Redaktion


ERSTELLUNGSDATUM


03.04.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Elena Egger
Dr. Elena Egger
Foto (c): Wilhelminenspital
Fachärztin für Pneumologie an der 2. Medizinische Abteilung mit Pneumologie, Wilhelminenspital, Ärztliche Leiterin des Schlaflabors
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