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Was dem Darm im Urlaub gut tut

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Die Verlockungen im Urlaub können zur Herausforderung für den Darm werden. (wavebreakmedia / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Themenschwerpunktes GESUND AUF REISEN

Blähungen, Durchfall oder Verstopfung sind keine angenehmen Reisebegleiter. Darm-Experte Dr. Gerhard Wallner verrät, wie man diesen Problemen im Urlaub begegnen kann.

Sonne, Sommer, Strand und duftende exotische Gerichte: Ein Urlaub ist nicht nur für uns eine große Veränderung, sondern auch für unser Darm – doch dieses hochsensible Organ reagiert darauf oftmals nicht ganz so gelassen und erfreut. Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall können die so schöne Urlaubszeit ordentlich vergällen. Der Wiener Darm-Experte und Buchautor Dr. Gerhard Wallner gibt 7 Tipps, wie wir unseren Darm für den Urlaub vorbereiten und "Montezumas Rache" den Garaus machen können.

Frage 1: Warum rebelliert gerade im Urlaub oftmals der Bauch?

Reisen in den Süden bergen ein relativ hohes Risiko für Durchfallerkrankungen. Das liegt einerseits an mangelnden hygienischen Verhältnissen in diesen Ländern und andererseits auch an der fehlenden Anpassung der Reisenden an Nahrung und Trinkwasser. Das gilt besonders für die Tropen- und Entwicklungsländer.

Frage 2: Kann ich meinen Darm schon vor der Reise für den Urlaub wappnen?

Wenn jemand schon vor der Reise Probleme mit dem Darm hat oder sehr empfindlich ist, dann sind längere Aufenthalte auf der Toilette vorprogrammiert. Nachweislich hilfreich ist es, Probiotika schon einige Zeit vor einer Reise einzunehmen. Das kann die Ansiedelung mit krankmachenden Bakterien erschweren. Am wirkungsvollsten dabei sind Probiotika, die mehrere probiotische Stämme enthalten, Bifidobakterien, Laktobazillen und Enterokokken sollten enthalten sein. 

Frage 3: Was gehört unbedingt in meine Reiseapotheke?

Kohletabletten, Probiotika und elektrolythaltige Beutel zur Ergänzung von Salzverlust sollten in keiner Reiseapotheke fehlen.

Frage 4: Was sollte ich im Urlaub beachten?

Im Urlaub will man ja auch genießen, aber bei allem, was schlecht gegart oder nicht frisch gekocht ist, heißt es aufpassen – ganz nach dem Motto: "Cook it, peel it … or forget it!". Sehr wichtig ist es auch, Trinkwasser und Getränke nur aus versiegelten Flaschen zu trinken. Achtung: Eiswürfel bestehen bekanntlich ja auch aus Wasser, und dieses ist in Indien, Südamerika, Afrika und ähnlichen Ländern und Regionen oft verseucht. Trinken Sie deshalb dort keinesfalls Getränke mit Eiswürfeln. In Italien, Spanien und Griechenland sind Eiswürfel aber fast nie ein Problem. Generell gilt, je heißer und exotischer das Urlaubsland, desto achtsamer sollte man sein. Ich reise selbst regelmäßig, echte Probleme hatte ich allerdings nur in wirklichen Risikoländern.

Frage 5: Stichwort Wasser – wie "gefährlich" ist Schwimmen für den Darm?

Schwimmen im salzhaltigen Meer ist für den Darm normalerweise kein Risiko, in Süßwasserseen oder Flüssen der tropischen Welt sollte man aber vorsichtig sein, dort kann es vor Parasiten nur so wimmeln. Das heißt, so verlockend sie auch sein mögen, Süßwassergewässer in subtroischen und tropischen Gegenden sind am besten generell zu meiden, da gibt es keine Tricks, um sich vor Infektionen zu schützen.

Frage 6: Was soll man tun, wenn's wirklich passiert?

Bei Durchfall greifen Sie zuerst am besten zu Kohletabletten – dabei gilt: je mehr desto besser. Kohletabletten saugen Giftstoffe auf, die von Bakterien erzeugt werden. Beginnen Sie mit der Einnahme gleich bei den ersten Beschwerden, wenn es möglich ist, lösen Sie die Tabletten in sauberem Wasser auf. Nachdem medizinische Kohle vollkommen unschädlich ist, kann die empfohlene Dosis im Notfall auch um das Doppelte überschritten werden. Probiotika sind ebenfalls ein Mittel, das Besserung verspricht, wenn der Durchfall länger andauert, blutigen Stuhl produziert und Fieber auftritt. Speziell bei Kleinkindern und alten Leuten kann Durchfall schnell zu Herz- und Kreislaufproblemen führen.

 

Aber nicht nur Durchfall, auch Verstopfung ist bei vielen im Urlaub ganz typisch. Ungewohntes Essen, Reisestress, Jetlag, fremde WCs – und schon geht nichts mehr. Mein Tipp: Bleiben Sie ruhig und verwenden Sie bei Bedarf ein mildes Abführmittel – Zäpfchen aus Glycerin können da schon hilfreich sein.

Frage 7: Sollte man den Darm nach dem Urlaub aufbauen?

Wenn während des Urlaubes alles okay war, dann ist das nicht notwendig. Sind Probleme aufgetreten und halten diese auch nach der Rückkehr noch an, ist eine Untersuchung der Stuhlflora bei einem Darm-Experten sehr empfehlenswert. Ich mache solche Stuhluntersuchungen routinemäßig bei allen meinen Patienten mit Bauchproblemen.

 

Mehr zum Thema "Darm" erfahren Sie im Buch: "Was meinem Darm guttut. 60 Rezepte für ein besseres Bauchgefühl" von Ulli Zika und Dr. med. Gerhard Wallner, erschienen im Kneipp Verlag.

AUTOR


Mag. Tanja Braune
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


03.07.2017
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Gerhard Wallner
Foto (c):
Allgemeinmediziner, Experte für Darm- und Lebererkrankungen
QUELLEN
Interview mit Dr. Gerhard Wallner
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