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Gesunde Zähne von Anfang an

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Gesunde Zähne sind schon das halbe Lebensglück: Auch für die ganz Kleinen. (Roman Sorkin / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters KINDERZÄHNE

Eine Professorin für Kinderzahnheilkunde klärt uns im Interview darüber auf, was Kinderzähnen guttut. 

Wenn es um die Zähne unserer Jüngsten geht, ist guter Rat teuer. Wir haben Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes, Leiterin des Fachbereichs Kinderzahnheilkunde an der Universitätszahnklinik Wien, interviewt. Sie erklärt uns unter anderem, welche Funktionen die Milchzähne erfüllen und wie Kinderzähne richtig geputzt werden.

Warum sind Milchzähne so wichtig?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Milchzähne erfüllen wichtige Funktionen. Zum einen dienen sie als Platzhalter für die späteren bleibenden Zähne. Unter dem Milchzahn befindet sich in der Regel der bleibende Zahn, der den Platz für den korrekten Durchbruch in der Zahnreihe benötigt. Zum anderen spielen die Frontzähne für die Phonetik eine wichtige Rolle. Sie sind bedeutsam für die S- und Zischlautbildung. Aus diesem Grunde sollten auch kariös befallene Milchzähne restauriert und so lange wie möglich erhalten werden.

Welche Probleme können auftreten, wenn kariöse Kinderzähne unbehandelt bleiben?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Die Mundgesundheit bildet neben der allgemeinen Gesundheit einen wichtigen Eckpfeiler für die ungestörte und gesunde Entwicklung eines Kindes, welche durch Störungen und Erkrankungen negativ beeinflusst werden kann. So leiden Kinder mit Karies häufiger an Zahnschmerzen, Ess- und Sprachproblemen sowie Schmelzbildungs- und Zahnstellungsstörungen und zeigen darüber hinaus ein erhöhtes Kariesrisiko im bleibenden Gebiss.

Wie sollte eine zahngesunde Ernährung für Kinder aussehen?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Das Ziel einer zahngesunden Ernährung ist die Beschränkung auf wenige Mahlzeiten mit zweckmäßiger Zusammenstellung und das Vermeiden kariogener Zwischenmahlzeiten. So sollte im Baby- und Kleinkindalter das Fläschchen nicht zur "Selbstbedienung" oder als Nuckelersatz, insbesondere nachts, überlassen werden. Zudem sollte der frequente Konsum von zuckerhaltigen Getränken aus einer Saugerflasche (insbesondere gesüßte Tees, Instanttees, Obstsäfte oder verdünnte Fruchtsäfte) vermieden werden. Stattdessen sollten zucker- und säurefreie Getränke (wie z. B. Wasser, ungesüßter Tee oder Milch) gereicht werden. Die Entwöhnung der Flasche sollte zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat erfolgen und gleichzeitig die Gewöhnung des Kindes an das Trinken aus einer Tasse oder einem Becher stattfinden.

Wie erklärt man Kindern am besten, wie die Zähne geputzt werden sollen?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Es ist wichtig, dass das Putzen nach einem fixen Schema erfolgt, damit kein Zahn bei der Reinigung vergessen wird. Bei Kleinkindern empfehlen wir dafür die sog. KAI-Methode. Das "K" steht für die Kauflächen, das "A" für die Außenflächen und das "I" für die Innenflächen der Zähne. Wir leiten sowohl Kinder als auch Eltern dazu an, zunächst über die Kauflächen in beiden Kiefern mit geradlinigen Bewegungen zu putzen. Dann werden die Schneidezähne aufeinander gebissen und weiterhin werden in kreisenden Bewegungen die Vorderzähne und die anderen Außenflächen geputzt. Zum Schluss werden die Innenflächen der Zähne gereinigt. Um diese leichter zu erreichen, kann die Zahnbürste hierbei auch senkrecht gehalten werden. Bedeutend ist, dass die Zahnreinigung der kindlichen Mundhöhle durch die Eltern erfolgt. Obwohl Kinder bereits im Kindergartenalter in der Lage sind, ihre Zähne selber zu putzen, sollte aus qualitativer Sicht ein Nachputzen und eine Kontrolle durch die Eltern bis in das Schulalter hinein geschehen. Die Zahnreinigungsdauer sollte 2 Minuten betragen.

Wie wichtig sind Fluoride für die Zähne und ist es nötig, diese dem Kind in Tablettenform zu verabreichen?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Einer der wichtigsten Eckpfeiler der Kariesprophylaxe ist die Anwendung von Fluoriden. Fluoride schützen vor dem Abbau von Mineralien aus dem Zahnschmelz durch verschiedene Säuren und fördern ebenfalls auch den Wiedereinbau von Mineralien in den Zahnschmelz. Wichtig für den Schutz der Zähne ist, dass die Fluoridzufuhr kontinuierlich und lebenslang erfolgt. Die Fachgesellschaften der Zahnheilkunde empfehlen ab dem ersten Milchzahn und bis zum 2. Geburtstag die Zahnreinigung 2 x täglich mit einer Kinderzahnbürste und einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (500 ppm) durchzuführen. Ab dem 2. Geburtstag sollte der Fluoridgehalt der Zahnpasta dann bei 1000 ppm liegen. Die zusätzliche Gabe von Fluoridtabletten ist bei der Verwendung einer solchen fluoridhaltigen Zahnpasta nicht erforderlich.

Vortrag: Gesunde Zähne von Anfang an

Unter dem Vortragstitel "Gesunde Zähne von Anfang an" hat Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes auch am Tag der offenen Tür der Universitätszahnklinik Wien referiert – gemeinsam mit Dr. Agnes Lackner.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


21.02.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes MME
Foto (c): Universitätszahnklinik Wien
Leiterin des Fachbereichs Kinderzahnheilkunde an der Universitätszahnklinik Wien
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