×

Bröckelnde Kinderzähne

Diesen Artikel mit Freunden teilen
Bröckelnde Zähne zählen bei den Betroffenen zu den unangenehmeren Kindheitserlebnissen. (Mila May / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters KINDERZÄHNE

Bröselnde Kinderzähne hängen oft mit MIH zusammen. Wir haben von einer Expertin die Antworten zu den wichtigsten Fragen eingeholt.

Zufriedenstellende Zahngesundheit wünschen wir nicht nur uns selbst, sondern vor allem auch unseren Kindern. Manche von ihnen haben mit schnell zerbröselnden Zähnen zu kämpfen. Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes leitet an der Universitätszahnklinik Wien den Fachbereich Kinderzahnheilkunde. Sie gibt im Interview Antworten auf die drängendsten Fragen zu dieser Thematik.

Was bedeutet die Abkürzung MIH und was steckt dahinter?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Die Abkürzung MIH steht für den Terminus "Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation". Diese beschreibt eine entwicklungsbedingte Fehlbildung des Schmelzes (Hypomineralisation). Betroffen davon sind in der Regel die Backenzähne (Molaren) und die Schneidezähne (Inzisiven). Betroffene Zähne zeigen dabei gelblich-weiße bis braune Verfärbungen, die nur einzelne Bereiche des Zahnes oder den ganzen Zahn betreffen können. Je größer und dunkler die verfärbten Stellen sind, desto weicher ist der Schmelz und desto eher neigen die Zähne dazu, sehr schnell zu zerbröseln.

Wie entsteht diese Erkrankung?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Die Ursachen der MIH sind bisher kaum geklärt. Diskutiert werden verschiedene Faktoren, wie Erkrankungen während der Schwangerschaft, geburtliche Komplikationen oder Erkrankungen bzw. Medikamenteneinnahmen in den ersten Lebensjahren. Auch eine genetische Komponente sowie Umwelteinflüsse scheinen möglich zu sein.

Kommt MIH häufig vor?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Die MIH tritt weltweit auf. Die durchschnittliche Prävalenz wird mit 13,1 % angegeben. Je nach Region sind jedoch verschieden hohe Zahlen von 3 bis 44 % zu finden. Aktuell wurde in der 5. Deutschen Mundgesundheitsstudie eine Prävalenz von 28,7 % bei 12-jährigen Kindern registriert.

Was bedeutet die Erkrankung konkret für das Kind?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Aufgrund der verschiedenen Ausprägungsgrade der Mineralisationsstörung sind auch die Folgen sehr unterschiedlich. Bei milden Formen sind in der Regel die klassischen Prophylaxemaßnahmen ausreichend. Bei schweren Formen mit Schmelzfrakturen oder starken Überempfindlichkeiten sollten betroffene Kinder möglichst schnell in ein Therapiekonzept eingebunden werden und engmaschig betreut werden.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes: Je nach vorliegendem Befund erstreckt sich die zu wählende individuelle und vorausschauende Therapieform von der Intensivprophylaxe bis hin zu restaurativen Maßnahmen (Füllungen) oder eventuell sogar der Extraktion. Dies ist individuell zu entscheiden.

Video: Vortrag über Bröckelnde Kinderzähne

Über bröckelnde Kinderzähne und deren Ursachen hat Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes, gemeinsam mit Dr. Farnusch Glanz, auch im Rahmen des Tages der offenen Tür der Universitätszahnklinik Wien referiert.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


21.02.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof. Dr. Katrin Bekes MME
Foto (c): Universitätszahnklinik Wien
Leiterin des Fachbereichs Kinderzahnheilkunde an der Universitätszahnklinik Wien
WEITERE GESUNDHEITSFENSTER-ARTIKEL
Gesunde Zähne von Anfang an
Mit gesunden Zähnen durchs Leben gehen – damit das von Anfang an gut klappt, hat eine Expertin die wichtigsten Fragen für uns beantwortet.
Zahnspangen bei Kindern
Für die verschiedenen möglichen Fehlstellungen bei Kindern hält die Zahnmedizin viele Lösungen parat.
Wenn das Kind zum Zahnarzt muss
Wir verraten wie Sie Ihr Kind am besten auf seinen ersten Zahnarztbesuch vorbereiten und was üblicherweise dabei passiert.