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Kortison: Aufklärung statt Angstmache

Kortison ist fixer Bestandteil der Asthma-Therapie
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Viele Asthma-Betroffene nehmen Kortison inhalativ auf. (Dragana Gordic / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters ASTHMA

Bei vielen Menschen löst das Wort Kortison Angst aus – sie verbinden das Medikament mit Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Osteoporose oder dem Ansteigen des Blutzuckers. 

Nun ist Kortison nicht gleich Kortison und die Art der Verabreichung bzw. die Dosis spielen eine große Rolle für Wirkung und Nebenwirkungen. Fest steht, dass Kortison ein unverzichtbares Medikament ist, welches die Lebensqualität von vielen Menschen stark verbessert und aufgrund seiner rasch einsetzenden, breiten Wirkung bei einer Vielzahl von Erkrankungen zum Einsatz kommt.

Warum Kortison?

Ein gesunder Körper produziert ausreichend Glukokortikoide und Mineralokortikoide. Hauptvertreter dieser Hormonengruppe, die unter anderem Immunsystem, Knochen und Muskeln unterstützt, ist das Kortisol. Es wird vor allem in anspruchsvollen Situationen vermehrt freigesetzt und daher oft auch als Stresshormon bezeichnet.

 

Manchmal reicht das körpereigene Kortisol jedoch nicht aus, um Entzündungen wirksam bekämpfen zu können. Hier kommen Medikamente zum Einsatz, welche umgangssprachlich als Kortison bezeichnet werden. Sie sind dem natürlichen Vorbild Kortisol nachempfunden, unterstützen das Immunsystems und kommen z.B. bei der grundlegenden Asthma-Behandlung zur Anwendung.

Wie wirkt Kortison?

Vereinfacht formuliert setzen die Körperzellen bei Erkrankungen wie Asthma "Botenstoffe" frei. Diese verursachen die typischen Entzündungszeichen, welche in weiterer Folge Asthmaanfälle und Reizhusten auslösen können. Das verabreichte Kortison beeinflusst diese Botenstoffe und hemmt dadurch die Entzündung. Dieser Mechanismus braucht ein paar Tage Zeit, bis er seine Wirkung voll entfalten kann, der Wirkungsbeginn liegt bei ca. 1 bis 2 Stunden. Kortison hat außerdem eine abschwellende Wirkung.

Woher kommt die Angst vor dem Kortison?

Bei Kortison denken viele Patienten an ein starkes Medikament mit vielen Nebenwirkungen, welches nur bei schwersten Erkrankungen gegeben wird. Das ist vermutlich aus den Erfahrungen mit Kortisonbehandlungen in den siebziger Jahren abzuleiten, als Kortison viele negative Schlagzeilen gemacht hat. Die fehlenden Langzeiterfahrungen mit dem Hormon sowie die Verabreichung via Tablette oder Spritze in einer hohen Dosierung führten zu weitreichenden Nebenwirkungen im ganzen Körper.

 

Heute ist die Forschung einen großen Schritt weiter: Kortison wurde stetig weiterentwickelt und ist somit für den Körper verträglicher. Es werden weitaus geringere Dosen eingesetzt und durch die lokalen Anwendungsformen wie Cremes, Augentropfen und Inhalatoren wirkt das Kortison nur noch dort, wo man es braucht – nicht mehr im ganzen Körper.

 

Trotz dieser enormen Fortschritte gibt es immer noch Patienten, die dem verschriebenen Präparat ihres Arztes nicht trauen. Dies kann dazu führen, dass die Betroffen das notwendige Medikament gar nicht oder nur sehr unregelmäßig anwenden. Doch gerade bei chronischen Erkrankungen wie Asthma ist eine dauerhafte, regelmäßige Einnahme von Kortison notwendig, damit sich die entzündungshemmende Wirkung voll entfalten kann. 

 

Ist eine Kortisontherapie erforderlich, so passt der Arzt diese in Anwendungsform und Dosierung an die jeweilige Krankheit an. Durch eine gute Arzt-Patienten-Beziehung kann der individuelle Therapiebedarf ermittelt und eingestellt werden.

Wann wird Kortison angewendet?

Kortison ist für viele ein lebenswichtiges Medikament, welches in erheblichem Ausmaß entzündliche und allergische Erkrankungen lindert. Kortison wird vor allem bei folgenden Krankheiten verabreicht:

  • Allergien
  • Anaphylaktischer Schock
  • Neurodermitis
  • Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)
  • nicht-infektiöse Augenerkrankungen
  • Morbus Crohn
  • Rheuma
  • Asthma

Kortison ist gerade im Bereich der Asthmatherapie unverzichtbar. Durch das lokal angewandte Kortison werden Entzündungsreaktionen in den Bronchien unterbunden und die Schleimproduktion sinkt. Zusätzlich vermindert es die Empfindlichkeit der Bronchien gegenüber Reizstoffen. Kortison ist daher das Dauermedikament jeder Asthmatherapie. Hierbei wird meist eine inhalative Therapie – also über einen Inhalator – angewendet, damit das Medikament direkt am Ort der Entzündung wirken kann. Durch die damit verringerte Dosis ist auch mit weniger Nebenwirkungen zu rechnen.

 

Es sind unterschiedliche Arten von Inhalatoren verfügbar – hierbei ist die richtige, gerätspezifische Anwendung wichtig, damit eine optimale Wirkung der Medikamente gewährleistet werden kann.

 

Vorteile der Inhalationstherapie im Vergleich zur oralen Therapie:

  • geringere Dosierungen notwendig
  • schnellere Wirkung
  • weniger Nebenwirkungen
  • lokale Wirkung in der Lunge / am Ort der Entzündung

Bei manchen Erkrankungen ist dennoch eine orale Anwendung von Kortison notwendig, da es keine lokal wirkende Alternative gibt. Somit sind auch OCS – sogenannte orale Kortikosteroide – wertvolle Medikamente. Die Notwendigkeit einer dauerhaften OCS-Gabe sollte aber unbedingt durch einen Facharzt abgeklärt werden. Gerade im Bereich der Asthma-Behandlung kann meist über andere Therapieformen geholfen werden.

Was sollte ich als Patient bei der Anwendung von Kortison beachten?

Bei richtiger Anwendung stellt modernes Kortison eine wesentliche Erleichterung für den Patienten dar. Für eine sichere Therapie mit geringen Nebenwirkungen sollten folgende Dinge beachtet werden:

 

Regelmäßig inhalieren

Inhalatives Kortison hat zwar eine sehr gute Wirkung, die weitgehende Beschwerdefreiheit kann aber nur bei regelmäßiger Anwendung gewährleistet werden. Ein akuter Asthma-Anfall kann zum Beispiel durch die einmalige Inhalation von Kortison nicht bekämpft werden.

 

Einnahme zum vorgesehenen Zeitpunkt

Der Körper produziert körpereigenes Kortison in einem speziellen Rhythmus. Man beeinflusst diesen am wenigsten, wenn die Einnahme in den frühen Morgenstunden, also etwa direkt nach dem Aufstehen, erfolgt. Manche Asthmatiker müssen am Abend – wegen der Gefahr nächtlicher Anfälle – eine zweite Dosis einnehmen.

 

Richtige Anwendung bei Inhalatoren beachten

Meistens wir die Therapie mit inhalativem Kortison gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder Pilzbefall im Mund können durch das Ausspülen des Mundes nach dem Inhalieren vermieden werden.

 

Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt sind folgende ergänzende Maßnahmen geeignet:

  • Eiweißreiche und kohlenhydratarme Ernährung
  • Eventuell Einnahme von Calcium und Vitamin D zur Vorbeugung von Osteoporose
  • Regelmäßige Blutzuckerkontrolle, um einen entstehenden Diabetes rechtzeitig zu erkennen
  • Ggf. augenärztliche Kontrollen
  • Bei Kindern: regelmäßige Kontrolle der Körperlänge
AUTOR


Redaktion
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


29.01.2020
QUELLEN
Li AW et al.: Topical corticosteroid phobia in atopic dermatitis. A systematic review. JAMA Dermatol 2017
Gillissen, A. & Lecheler, J., 2003. Kortikophobie beim Asthma bronchiale. Medizinische Klinik, 98(8), pp.417-422.
Anon, 2011. Asthma: Angst vor Kortison überschätzt. Ärzte-Zeitung, (212), p.10.
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