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Ästhetische Zahnbehandlung: Warum nur funktionell?

Lächelnde Frau liegt im Gras
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Ästhetische Zahnbehandlungen können unser Lächeln noch stärker strahlen lassen. (Pexels.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters ÄSTHETISCHE ZAHNHEILKUNDE

Die funktionelle Zahnbehandlung kann nicht streng von der ästhetischen getrennt werden. Ein Ambulanzleiter der Universitätszahnklinik Wien klärt im Interview über die wichtigsten Fragen zur Thematik auf.

Strahlend weiße Zähne haben zu wollen, ist nicht als Eitelkeit zu verurteilen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass ein schönes Lächeln in vielen Lebenslagen von Vorteil sein kann. Und warum sollte man sich auf reine Funktionalität beschränken, wenn auch ästhetische Vorteile möglich sind? Diese Überlegung stellt Dr. Mladen Regoda im Interview mit gesund.at in den Raum. Der Leiter der Spezialambulanz Ästhetische Zahnheilkunde von der Universitätszahnklinik der Medizinischen Universität Wien hat uns die wichtigsten Fragen zu ästhetischen Zahnbehandlungen beantwortet.

Welche Behandlungen zählen zu den ästhetischen Eingriffen und wo liegt die Grenze zur rein funktionellen Zahnbehandlung?

Dr. Mladen Regoda: Ich würde die ästhetische Zahnheilkunde nicht als separate Fachrichtung der Zahnmedizin bezeichnen, sondern als interdisziplinären Fachbereich hervorheben, der viele andere Fachbereiche unter dem Motto "Warum nur funktionell, wenn es auch ästhetisch geht?", vereint. Es müssen alle ästhetischen Parameter bei der Wiederherstellung eines einzelnen Zahnes sowie des Gesamtbisses berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass jede zahnärztliche Behandlung die Nachahmung der Natur in Funktion und Ästhetik als ultimatives Ziel haben muss. Zu den klassischen ästhetischen Eingriffen zählen jegliche Behandlungen von Ober- und Unterkieferfrontzähnen: Aufhellung der Zähne (Bleaching), Korrektur kleinerer und größerer Defekte, Korrektur von Zahnfehlstellungen, Lückenschluss, Ersatz von fehlenden Zähnen oder Wiederaufbau gebrochener Zähne.

Inwiefern können ästhetische und funktionelle Zahnbehandlungen auch Hand in Hand gehen?

Dr. Mladen Regoda: Früher hat man viel mehr Acht auf die Funktion als auf die Ästhetik gegeben. Dies war teilweise durch den Einsatz von Materialien bedingt, mit denen man keine perfekte Ästhetik erreichen konnte. Dank besserer Kenntnis der natürlichen optischen Zahneigenschaften und rasanter Entwicklungen in der Materialkunde können nun zahnärztliche Versorgungen erstellt werden, die kaum von den natürlichen Zähnen zu unterscheiden sind. Somit ist es möglich, dass Funktion und Ästhetik in Harmonie vereint sind. Jedoch darf die Ästhetik nie durch den Verlust oder die Beeinträchtigung der Funktion erkauft werden!

In welchem Kostenrahmen bewegt man sich bei aufwändigeren Therapien? Kann die Behandlung bis zu einem gewissen Grad ans Budget angepasst werden?

Dr. Mladen Regoda: Fast alle Behandlungen, bis auf die Frontfüllungen, sind reine Privatleistungen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Je nach Indikation und Versorgungsart bewegen sich die Kosten im Bereich von 600 bis 1100 € pro Zahn. Auf den ersten Blick scheint dies eine teure Angelegenheit zu sein. Wegen der hohen Langlebigkeit des keramischen Werkstoffes, kann sich diese ''einmalige'' Investition bei regelmäßigen Kontrollen und guter Mundhygiene aber buchstäblich auszahlen. Wenn das Budget es anders nicht erlaubt, kann man auch auf den entsprechenden Ersatz umsteigen und somit einen Kompromiss eingehen. Es gibt aber gewisse Situationen, bei denen keine kostengünstige Versorgung angefertigt werden kann. Ein bereits überkronter Zahn wird sehr schwer durch einen Kunststoff wiederaufgebaut werden können.

Sind manche Behandlungen mit Risiken verbunden?

Dr. Mladen Regoda: Alle ästhetischen Behandlungen sind risikoarm. Kunststoffe und Keramik verfügen über hohe Biokompatibilität, so dass das Auftreten von allergischen und toxischen Reaktionen äußerst selten ist. Dank hoher Stabilität der modernen Keramik kann der Zahnsubstanzabtrag auf ein Minimum reduziert werden. Die damit eventuell verbundenen ''postoperativen'' Komplikationen (Überempfindlichkeit, Entzündung und Absterben des Nervs oder Verletzung der biologischen Prinzipien des Zahnhalteapparates) sind relativ selten.

Wie hat sich die Zahnästhetik in den letzten Jahren verändert?

Dr. Mladen Regoda: Betrachtet man das große Spektrum an zahnärztlichen Materialien am Markt, wird einem schwindelig. Viele Hersteller stehen unter Druck der Konkurrenz, so dass auch kleinste Fehler in der Herstellung der Materialien zu verheerenden Folgen führen können und sogar vom Markt zurückgezogen werden. In der ästhetischen Zahnheilkunde spielen zwei Werkstoffe eine besondere Rolle: Kunststoff (Komposit) und Keramik (Silikat und Oxidkeramik). Der moderne Standard unter den Kunststoffen sind Nanohybrid-Komposite, die dank ihrer Eigenschaften Füllungen hervorragender Qualität und Ästhetik ermöglichen. Sie besitzen ausgezeichnete optische Eigenschaften wie Transparenz, Opaleszenz, Fluoreszenz, jedoch moderate Verschleißbeständigkeit. Bei größeren Defekten mit starker Kaukraftbelastung kommt die Zahnkeramik, in Form von Inlays-Onlays, Kronen, Brücken und Veneers, zum Einsatz. Von besonderem Interesse sind Keramikverblendschalen (Veneers). Leichte Verfärbungen, leichte Zahnfehlstellungen, Lücken zwischen den Zähnen und groß abgebrochene Ecken können mit Veeners korrigiert werden.

 

Dank ihrer hohen Stabilität und modernen Befestigungsmöglichkeit, können Veeners als sehr dünne (0.3-0.8mm) Restaurationen angefertigt werden, so dass sich ein minimaler oder sogar kein Zahnhartsubstanzverlust ergibt. Somit kann die durch die Medien, die Gesellschaft oder den Lifestyle vermittelte Ästhetik auch auf die Zähne übertragen werden. Die ästhetische Zahnheilkunde arbeitet sehr eng mit anderen Fachbereichen zusammen, vor allem der Parodontologie, der Kieferorthopädie und der oralen Chirurgie. Starke Entblößung der Zähne beim Lachen führt zu einem unästhetischen Erscheinungsbild, so dass Korrekturen der roten (Zahnfleisch) und weißen (Zähne) Ästhetik mittels parodontalchirurgischen Eingriffs (chirurgische Kronenverlängerung) durchgeführt werden. Die Parodontologie kümmert sich auch um die Gewährleistung der entzündungsfreien Verhältnisse im Zahnhalteapparat. Stärkere Zahn- und Bissfehlstellungen sollten stets kieferorthopädisch korrigiert werden, damit man auf unnötigen Zahnsubstanzabtrag durch das Beschleifen verzichtet. Nicht zuletzt können fehlende Zähne durch Implantate ersetzt werden. Operativ eingesetzte und eingeheilte Implantatschrauben werden anschließend mit Implantatsuprakonstruktionen versorgt. Diese können Kronen, Brücken und Zahnprothesen sein. Bei entsprechender Vorbereitung des Zahnfleisches kann das Austrittsprofil der Implantatkronen identisch jenem eines natürlichen Zahnes sein.

Video: Vortrag über Ästhetische Zahnbehandlungen

Am Tag der offenen Tür an der Universitätszahnklinik Wien berichtete Dr. Mladen Regoda über die Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der ästhetischen Zahnheilkunde.

 

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


06.03.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
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Dr. Mladen Regoda
Foto (c):
Ästhetische Zahnheilkunde, Leiter der Spezialambulanz Ästhetische Zahnheilkunde an der Universitätszahnklinik der Medizinischen Universität Wien
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