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Hilfe für die Pflege von Angehörigen

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Die Pflege von Familienmitglieder beinhaltete neben belastenden Aspekten auch viele schöne Momente. (Halfpoint / Shutterstock.com)

Wenn ein Familienmitglied auf Pflege und Betreuung angewiesen ist, stehen alle Beteiligten vor einer großen Herausforderung. Die Pflege daheim ist mit körperlichen Anstrengungen und psychischen Belastungen verbunden.

Pflegebedürftige oder chronisch kranke Menschen werden meistens zuhause innerhalb der Familie betreut. Hat man sich dazu entschlossen einen geliebten Menschen zuhause zu pflegen, dann ändern sich viele Aspekte des täglichen Lebens. Erfahren Sie vom Experten was zu beachten ist und wo man Hilfe bekommen kann.

Frage 1: Was sind die häufigsten Probleme mit denen pflegende Angehörige konfrontiert sind?

Das hängt von der jeweiligen Situation, ab. Eltern die ihr schwer chronisch krankes Kind pflegen haben andere Probleme als eine erwachsene Person, die ein Elternteil pflegt oder gar Kinder und Jugendliche, die an der Pflege eines Erwachsenen mitwirken. Nichts desto trotz ist Pflege in den meisten Fällen körperlich anstrengend oder kann auch zu seelischen Problemen führen, was mit der Ungewissheit, der zeitlichen Belastung oder der zu pflegenden Person selber zusammenhängt. Über zwei Drittel der pflegenden Angehörigen fühlen sich körperlich oder seelisch belastet. Durch die Pflege werden viele sozial isoliert, sie reden nicht darüber, weil Angehörigenpflege auch kein sehr „schickes“ Thema und oft eine Selbstverständlichkeit ist und weil sich niemand beklagen möchte. Pflege kostet auch was. Es gibt ein über die Jahre gewachsenes solides Unterstützungssystem – Stichwort Pflegegeld, es reicht aber in vielen Fällen nicht aus. Sehr schwierig wird in den meisten Fällen auch die Organisation rund um die Pflege erlebt. Wo gibt es Anlaufstellen, wen frage ich um Rat? Dazu stoßen auch vielen an ihre Grenzen wenn es ums „Praktische“ geht. Wie gehe ich mit meiner Alzheimer kranken Mutter um? Wie hebe ich meine Frau aus dem Rollstuhl usw.? Pflege ist in ein Phänomen, mit dem man sich das erste Mal auseinandersetzt, wenn es so weit ist. Die meisten Menschen können sich nicht darauf vorbereiten.

Frage 2: Wo kann ich mir als pflegende/r Angehörige/r Hilfe holen? Wer unterstützt mich?

Das ist gar nicht so einfach, weil es viel Unterstützung gibt, aber nicht überall alles. Egal in welchem Bezirk in Österreich Sie wohnen, ganz viele Informationen laufen im Sozialministerium zusammen. Ich würde zu allererst dieses gute Informationsservice nutzen. Der unter dem Namen „Pflegetelefon“ bekannte Bürgerservice mit der Rufnummer 0800 / 201622 gibt kostenlos Auskunft über alle Pflegethemen und Unterstützungsmöglichkeiten. Wenn man sich dafür entscheidet, mobile Dienste in Anspruch zu nehmen, sind die Bundesländer bzw. das Amt der Landesregierungen die Ansprechpartner, wenn man sich informieren möchte. Verständnis wird man so gut wie überall bekommen. Hier lohnt es sich auch auf der Homepage der „Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger“ vorbeizuschauen, weil dort auch sehr viele Informationen nach Bundesländer geordnet abrufbar sind und zweitens, weil man dann sehr schnell merkt, dass man als pflegende Angehörige nicht alleine ist.

Frage 3: Ein Elternteil wird plötzlich pflegebedürftig und kann nur mehr im Bett bzw. Rollstuhl versorgt werden. Welche ersten Schritte sind zu beachten, wenn ich meine Eltern zuhause pflegen möchte?

Wenn das so ist, müssen viele Entscheidungen und Maßnahmen in recht kurzer Zeit getroffen werden.

  • Ein ganz zentrales Instrument in Österreich ist natürlich das Pflegegeld für pflegebedürftige Menschen, das man möglichst rasch beantragen sollte.
  • Abhängig davon, ob ich im Berufsleben stehe oder nicht, muss ich über Versicherungen nachdenken oder die Inanspruchnahme von zum Beispiel Pflegekarenz.
  • Oft auch muss auch der Wohnraum adaptiert werden. Barrierefreiheit ist ein wichtiger Aspekt in der täglichen Pflege.
  • Man wird darüber nachdenken, ob man die Pflege alleine schaffen will oder muss, wovon ich unbedingt abraten möchte. Es können ein erweitertes familiäres Netzwerk oder mobile Pflege oder unter Umständen eine 24-Stunden Betreuung eingebunden werden.

 

Was zu tun ist hängt allerdings vom Einzelfall ab und davon was ich als pflegende Angehörige für mich und mein pflegebedürftiges Familienmitglied möchte. Hier würde ich mich auf jeden Fall mit einer kompetenten Person beraten. Eine erste Anlaufstelle, wie das erwähnte Pflegetelefon, der regionale Sozial- und Gesundheitssprengel oder ein mobil pflegerischer Dienst vor Ort kann hier schon helfen.

Frage 4: Als pflegende/r Angehörige/r widmet man häufig seine Freizeit oder auch seine Arbeitszeit den zu Betreuenden. Wie schaffe ich mir dann noch Freiräume für mich selbst?

Freiraum schaffen beginnt meistens im Kopf und ist vielfach mit schlechtem Gewissen verbunden. Freiraum haben und sich Unterstützung holen ist kein Zeichen von Schwäche sondern vielfach „überlebenswichtig“. Wobei ich auch erwähnen möchte, dass die Pflege eines Familienmitglieds für viele auch positiv sein kann, im Sinne von Sinnstiftung oder etwas zurückgeben oder einer geliebten Person nahe sein zu können. Jeder braucht Quellen der Erholung. Freiraum kann Freizeit im eigentlichen Sinne bedeuten, es kann aber auch der eigene Brotberuf sein, der einem hilft, Abstand zu bekommen und sich mit anderen Dingen als mit Pflege zu beschäftigen. Für viele bedeutet Freiraum andere Menschen zu treffen, mit ihnen über die Sorgen und Anliegen zu reden. Das kann eine Selbsthilfegruppe sein genauso wie die Freunde. Das entlastet, nimmt Druck raus und schützt vor sozialer Isolation. In der Regel tun sich diejenigen pflegenden Angehörigen leichter, die gut in ein soziales Netz an Freunden, Nachbarn, Verein, Kirche usw. eingebunden sind. Und auch professionelle oder in manchen Situationen ehrenamtliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Eine Zeit, die man dann für seine Freiräume nutzen kann. Vielen Angehörigen muss man sagen, dass Hilfe von außen nichts Schlechtes ist und oft die einzige Möglichkeit, Pflege zu Hause über einen längeren Zeitraum so zu gewährleisten, dass man sich nicht irgendwann vollkommen überlastet fühlt.

AUTOR


Mag. Carmen Hiertz, BA


ERSTELLUNGSDATUM


25.07.2017

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