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Gravitas suppressalis: Unbemerkt schwanger sein

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Bei einer unbemerkten Schwangerschaft werden Symptome umgedeutet, viele Betroffene realisieren die Umstände erst unmittelbar vor der Geburt. (Kalim - Fotolia.com)

Immer wieder kommen erstaunliche Geschichten von unerkannten Schwangerschaften ans Tageslicht. Das psychologisch erklärbare Phänomen ist in der Medizin als "Gravitas suppressalis" bekannt.

Das Ausbleiben der Menstruation, ein regelrechter Heißhunger, gelegentliche Übelkeit und natürlich ein größer werdender Bauch - Eigentlich könnte man meinen, dass es ausreichend eindeutige Anzeichen einer Schwangerschaft gibt. Dennoch gibt es immer wieder Geschichten von Frauen zu hören, die erst unmittelbar vor der Geburt die vermeintlich offensichtlichen Umstände erkennen.

Späte Erkenntnis

Von der "Gravitas suppressalis", der verdrängten Schwangerschaft, ist in der Fachsprache die Rede, wenn der Umstand bis zur 20. Woche nicht erkannt wird. Dieses Phänomen ist wesentlich häufiger als gedacht, etwa 1 von 500 schwangeren Frauen ist davon betroffen. Etwa 25% davon realisieren tatsächlich erst bei der Geburt, dass in den vergangenen Monaten ein Kind in ihnen herangewachsen ist.

Erfolgreiche Verdrängung

Bei manchen Frauen findet eine Verleugnung statt, sie wissen insgeheim also, dass sie schwanger sind. Es gelingt ihnen allerdings, entsprechende Gedanken zu unterdrücken. Dieser Vorgang geschieht nicht bewusst und lässt sich auf psychologischer Ebene mit Alltagssituationen vergleichen. Rechnungen, die wir nicht bezahlen können oder wollen, schieben wir manchmal solange vor uns her bis ihre Existenz ins Unterbewusstsein abdriftet.

Symptome werden umgedeutet

Die "Gravitas suppressalis" tritt entsprechend bei jenen Frauen verstärkt auf, die sich aufgrund ihrer Lebensumstände für die Rolle der Mutter nicht gewappnet sehen. Auch das Ignorieren bzw. Umdeuten vermeintlich offensichtlicher Symptome ist naheliegender als Außenstehende vielleicht annehmen würden. Betroffene erklären sich ihre Gewichtszunahme mit einer schlechten Ernährung, das Ausbleiben der Menstruation fällt vielen lange Zeit gar nicht auf.

Keine Risikogruppe

Dazu kommt, dass eine unwissend Schwangere sich oft nicht entsprechend verhält und beispielsweise weiterhin raucht oder Alkohol trinkt. Darunter leidet die Entwicklung des Kindes, dieses bleibt also verhältnismäßig klein und die Gewichtszunahme der Mutter hält sich entsprechend in Grenzen. Klassische Risikogruppe gibt es keine, betroffen können Frauen aus verschiedenen Schichten und Altersgruppen sein.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


25.07.2017

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