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Darf in Filmen Alkohol getrunken werden?

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Eine Studie hinterfragt, ob uns Filme zum Alkoholkonsum inspirieren können. (WAYHOME studio / Shutterstock.com)

Während gegen Zigaretten immer rigoroser vorgegangen wird, ist Alkohol nach wie vor ein Suchtmittel mit gesellschaftlicher Sonderstellung. Das macht sich auch in Filmen sowie der Werbung bemerkbar.

Für überzeugte Raucher sind es keine leichten Zeiten, schließlich werden die Einschränkungen immer stärker. Doch auch wenn es manch ein Tabakkonsument nur ungern hört, ist diese Entwicklung absolut positiv zu bewerten. Der Anteil an neuen Rauchern wird konstant kleiner, was – wie zahlreiche Studien belegen – zu einem großen Teil auf die oft zu Unrecht umstrittenen Maßnahmen zurückzuführen ist. Wenn es um die Einschränkung von Alkoholkonsum geht, hat die westliche Welt aber noch viel Aufholbedarf.

Nicht weniger als früher

Das spiegelt sich auch in einer Studie wieder, die an einem US-amerikanischen College durchgeführt wurde. Die Autoren interessierten sich für die Darstellung von Alkohol in populären Filmen. In nicht weniger als 87% der untersuchten Filme gibt es mindestens eine Szene, in der Alkohol konsumiert wird. Damit wird auf den Kinoleinwänden in etwa genau so viel getrunken wie noch vor 20 Jahren.

Häufig Produktplatzierungen

Wesentlich bedenklicher ist jene Statistik, wonach mehr als 40% der Filme eine spezifische Alkoholmarke eindeutig zu erkennen ist. Diese Praxis ist auch als Produktplatzierung bekannt und ist schlichtweg Werbung. Dass diese überhaupt erlaubt ist, sehen viele Experten mittlerweile äußerst kritisch. Während Zigaretten in vielen Ländern – so auch in Österreich – im Fernsehen schon seit geraumer Zeit nicht mehr beworben werden dürfen, sind die Regelungen beim Alkohol äußerst lasch.

Zusammenhang erkennbar

Zu welcher Konsequenz die ermöglichte Werbepräsenz führt, hat bereits eine frühere Studie gezeigt. 2009 legten deutsche Wissenschafter ihren jugendlichen Studienteilnehmern verschiedene Werbungen für Alkoholika vor. Jene Probanden, die diese nicht kannten, hatten zu 80% auch selbst noch keine alkoholischen Getränke konsumiert. Wer bereits Erfahrungen mit Alkohol gemacht hatte, kannte in den meisten Fällen auch die Werbungen.

Abhängigkeit von USA

Ob künftig stärkere Restriktionen realistisch sind, darf bezweifelt werden. Hierbei ist Europa bis zu einem gewissen Grade von den USA abhängig. Immerhin sind es Hollywood-Filme, die auch in unseren Breitengraden die Kinos dominieren. Den dortigen Produzenten die Produktplatzierungen mit Alkoholika zu verbieten, wird nur schwer gelingen. Mit gutem Beispiel voranzugehen sollte jedoch nicht zu viel verlangt sein.

Alkohol alltäglich?

Einzig der Werbung die Schuld zu geben, wäre aber ohnehin zu kurz gegriffen. Alkohol zu trinken wird in vielen Kreisen als normal oder sogar alltäglich dargestellt. Selbst in der medizinischen Wissenschaft gibt es widersprüchliche Ansichten darüber, ob der moderate Konsum bedenklich oder nicht sogar hilfreich ist. Die Gefahren einer Alkoholabhängigkeit sind allerdings unumstritten und sollten eigentlich ausreichen, um stärkere Maßnahmen zu rechtfertigen.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


16.07.2017