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Wie geht "richtig" streiten in Beziehungen?

Streiten gehört zu jeder Beziehung dazu
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Streit gehört zur Beziehung dazu, aber die Versöhnung danach ist genauso wichtig. (oneinchpunch - Shutterstock.com)

Lieber mal ein Gewitter riskieren, statt tagelang die gedrückte Stimmung auszuhalten? Beziehungscoach Dominik Borde verrät, was streitende Partner beachten müssen.

Der Traum, den einen Partner zu finden, mit dem alles eitel Sonnenschein ist und wo es nie zum Streit kommt, ist äußerst unrealistisch. "Streiten gehört dazu und ist ein wichtiger Faktor in einer Beziehung. Kein Paar kann immer einer Meinung sein, kein Mensch kann immer alle Botschaften des jeweils anderen richtig verstehen und nie etwas persönlich nehmen", meint Beziehungscoach Dominik Borde gegenüber gesund.at. Er plädiert dafür, Ihren Partner unbedingt wissen zu lassen, wenn Sie etwas auf dem Herzen haben. Oft kommt man einander im Streit auch näher und sieht die Beziehung danach wieder in positiverem Licht. "Wenn die aufgestaute Wut verraucht ist und sich die Partner wieder versöhnt haben, fühlen sich viele Menschen erleichtert und entspannt", so Borde.

Streit-Regel Nummer 1: Respektvoll bleiben

Die Entspannung tritt aber nur ein, wenn Paare im Streit respektvoll miteinander umgehen und trotz aufgestauter Gefühle wertschätzend kommunizieren. Häufig wird dazu geraten, Botschaften mit "Ich" statt "Du" zu formulieren - also nicht "Du bist absichtlich so spät heimgekommen, damit du die Kinder nicht ins Bett bringen musst" zu sagen, sondern „Ich bin enttäuscht, weil ich mir gewünscht hätte, dass du heute früher heimkommst um die Kinder ins Bett zu bringen". Beziehungscoach Borde meint jedoch: "Ganz ehrlich - das macht das Kraut nicht fett. Es ist egal, ob Du- oder Ich-Botschaften, manche Partner reagieren sogar ungehalten, wenn der andere in Ich-Botschaften herumeiert, statt Klartext zu reden." Der gegenseitige Respekt sei viel wichtiger als die exakte Formulierung.

Streit-Regel Nummer 2: Gewisse Phrasen meiden

Trotzdem gibt es einige Formulierungen und Redensweisen, die Sie Ihrem Partner auch im Streit nicht an den Kopf werfen sollten. "Schimpfwörter sollten ebenso tabu sein, wie Vergleiche mit anderen, Sätze mit 'immer' und 'nie' oder der Versuch, den anderen lächerlich zu machen und abzuwerten. Das alles ist kontraproduktiv und trägt nur zu einer Eskalation des Konfliktes bei", warnt Borde.

Streit-Regel Nummer 3: Ausreden lassen

Sie glauben, sowieso schon zu wissen, was Ihr Partner an Ihnen ätzend findet und deswegen brauchen Sie ihm gar nicht erst zuzuhören? Oder Sie haben keine Lust auf Zorn und Tränen und wollen deshalb das Gespräch abwürgen? Keine gute Idee, meint Borde: "Jeder Partner sollte die Chance haben, seine Sicht darzulegen. Klar, dass es auch emotional sein kann." Schließlich wollen Sie im Gegenzug ja auch, dass Ihr Partner sich alles anhört, was Sie ihm zu sagen haben.

Streit-Regel Nummer 4: Versöhnung anstreben

Wer sich an diese Regeln hält, kann sich nach dem Streit auch wieder leichter versöhnen. Nehmen Sie sich erst einmal etwas Zeit, um die Wut verrauchen zu lassen und über den Streit nachzudenken, bevor Sie die Versöhnung anstreben. "Ein 'Ich habe nachgedacht', oder 'Was ich dir sagen wollte', reicht meistens schon für eine Versöhnung. Entweder die Partner finden dann einen Kompromiss oder sie können das Gesagte einfach so stehen lassen, nach dem Motto 'Ich weiß jetzt, was du meinst. Ich sehe das anders. Aber lassen wir das so stehen. In Zukunft können wir das ja so und so machen'", meint Borde. Und: "Wichtig ist aus meiner Erfahrung als Beziehungscoach nur, dass die beiden tatsächlich aktiv eine Versöhnung ansprechen und nicht einfach weiterwursteln."

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


06.07.2017 / 07.05.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
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Dominik Borde MSc
Foto (c):
Beziehung, Trainer und Autor in Wien
QUELLEN
Interview mit Beziehungscoach Dominik Borde, MSc
"Ich höre was, das du nicht sagst. Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen" von S. Pásztor, K.-D. Gens, Junfermann Verlag, 3. Auflage, Paderborn, 2008.

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